Hemiballismus - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Hemiballismus

Die Abbildung zeigt schematisch einen vertikalen Schnitt durch die linke Kopf- und Gehirnhälfte. Neben der Grosshirnrinde (gräulich schattiert) sind tief im Gehirn lokalisierte Hirnkerne schematisch dargestellt, die zusammenfassend als Stammganglien bezeichnet werden. Eine dieser Kernstrukturen ist der hier blau markierte Nucleus subthalamicus, der eine häufige Zielstruktur der Tiefen Hirnstimulation ist.

Der Ballismus oder in seiner einseitigen Ausprägung der sogenannte Hemiballismus sind spezielle Formen der Stammganglienerkrankungen mit heftigsten, unwillkürlichen, schleudernden Bewegungen der Gliedmassen.

Symptomatik

Ballismus und Hemiballismus äussern sich durch plötzlich einsetzende rasche, unwillkürliche, schleudernde und ausfahrende Bewegungen mehrerer Gliedmassenabschnitte vorwiegend des Schulter- und Beckengürtels. Diese sind derartig heftig, dass gezielte willkürliche Bewegungen unmöglich werden. Der Muskeltonus ist meist herabgesetzt. Verletzungen sind dabei nicht selten. Begleitet wird die Symptomatik von einer Lähmung der betroffenen Gliedmassen, häufig auch von Grimassieren oder krankhaftem Lachen und Weinen. Während im Schlaf die Symptomatik ruht, kann sie zu Beginn der Erkrankung tagsüber fast ununterbrochen vorhanden sein. Auslöser können kleinste plötzliche Sinnesreize, Aufmerksamkeitszuwendung, seelische Erregung und auch Versuche, die Bewegungen zu unterdrücken, sein.
Meist kommt es zu einer spontanen Besserung innerhalb einiger Wochen bis weniger Monate. Sollte dies nicht der Fall sein, kommen konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten in Frage.

Ursache

Die ballistischen Syndrome sind mit weniger als 7 % aller Bewegungsstörungen insgesamt selten, treten fast ausschliesslich halbseitig und bei beiden Geschlechtern etwa gleich häufig auf.
Ursachen sind meist Schädigungen durch Einblutungen oder Durchblutungsstörungen eines bestimmten gegenseitigen Kerns, des Nucleus subthalamicus, oder seiner Bahnen. Seltener finden sich Tumore, entzündliche Prozesse, Hirntraumen oder Operationen als Ursache.

Behandlung

Gelegentlich kann eine medikamentöse Therapie, üblicherweise mit Neuroleptika, Valproinsäure und Reserpin, die Symptomatik mildern.
Wenn nichtoperative Therapiemassnahmen versagen, kann bei schweren Verläufen ein stereotaktischer neurochirurgischer Eingriff durchgeführt werden. Dabei werden entweder die betroffenen Kerngebiete inaktiviert oder eine tiefe Hirnstimulation durchgeführt. Diese Operationen werden mit grosser Erfahrung in unserer Klinik durchgeführt und sind bei entsprechend sorgfältiger Indikationsstellung durchaus wirkungsvoll.

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