Morbus Parkinson - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Morbus Parkinson

Klinische Bedeutung

Die parkinsonsche Erkrankung ist eine unheilbare Krankheit, die ohne Vorwarnung auftritt und langsam, aber fortschreitend zu Einschränkungen des Alltags führt. Morbus Parkinson, nach dem englischen Arzt James Parkinson benannt, ist durch die Symptome wie Zittern oder völlige Bewegungsunfähigkeit charakterisiert, welche im Verlauf der Krankheit immer ausgeprägter werden. Betroffene können zum Teil nur noch mit Hilfe Gehen, Sprechen und alltägliche Dinge, wie das morgendliche Anziehen, verrichten. Dadurch ist auch die Belastung von Pflegenden und Angehörigen gross, physisch und psychisch.

Symptomatik

Die für die Krankheit charakteristische motorische Triade besteht aus Zittern in Ruhe (Ruhetremor), verlangsamten oder ausbleibenden Bewegungen  (Bradykinesie/Akinesie) und der Muskelsteifigkeit (Rigor). Be den sogenannten akinetisch-rigide oder tremordominanten Formen ist jeweils ein Symptom dominierend

Die motorische Triade

Ruhetremor
Meistens äussert sich der Ruhetremor anfangs lediglich nur auf einer Körperseite oder ist auf einer Seite stärker ausgeprägt. Die Arme sind oft stärker betroffen als die Beine. Das Zittern verschwindet bei gezielten Bewegungen oder bei starker Muskelanspannung.

Bradykinesie/ Akinesie
Durch verlangsamte oder ausbleibende Bewegungen wird ein flüssiger Bewegungsablauf immer schwieriger. Als Erstes bemerken dies die Patienten bei Aktivitäten mit den Händen wie beim Schreiben oder beim Spielen eines Musikinstruments. Diese Symptomatik nimmt mit dem Verlauf der Krankheit zu.

Rigor
Die Parkinsonkrankheit erhöht besonders die Muskelspannung dauerhaft in den Gliedmassen. Durch diese Muskelsteifigkeit haben die Patienten den Eindruck, dass ihre Gliedmassen «wie gelähmt» sind und leiden oft unter schmerzhaften Krämpfen.

Weitere Symptome

Unstabile Haltung: Das aufrechte Gehen und das Gleichgewicht sind gestört und eine gerade Haltung wird mit dem Fortschreiten der Erkrankung schwieriger. Damit können Stürze zu einer gefährlichen Folge dieser Erkrankung gehören.

Nicht-motorische Symptome: Unter den für die Parkinsonerkrankung häufigen Symptomen finden sich auch psychische Veränderungen (z.B. Depressionen), Störungen im Tages- und im Schlaf-Wach-Rhythmus und Probleme mit dem vegetativen Nervensystem (Blutdruckregulation, Verdauung, Thermoregulation). In fortgeschrittenen Stadien manifestieren sich oft kognitive Schwierigkeiten.

Ursache

Obwohl bis heute kein wirklicher Faktor als ursächlich nachgewiesen werden konnte, scheint  es zu einer Kombination von äusseren Einflüssen und erblichen Faktoren zu kommen.

Es kommt mit dem Fortscheiten der Erkrankung zu einem zunehmenden Verlust der Nervenzellen im Hirn. In den ersten Jahren der Erkrankung betrifft dies vor allem Nervenzellen, welche für die Bildung des Botenstoffes Dopamin verantwortlich sind und welche in der  schwarzen Substanz (Substancia nigra) im Innern des Gehirns gelegen sind. Dadurch entsteht ein Dopaminmangel, der Auslöser für die verschiedenen motorischen Störungen ist. Allerdings sind mit dem Fortschreiten der Erkrankung auch Nervenzellen in anderen Regionen des Gehirns betroffen, welche kein Dopamin produzieren. Dieser Prozess verursacht eine Kette von Symptomen (vegetative Probleme, Schmerzen, Schlafstörungen, psychische Störungen), welche für den Patienten mit dem Verlauf der Erkrankung immer belastender werden.

Behandlung

Der geeignete Spezialarzt für die Behandlung der Parkinsonerkrankung ist ein Neurologe, der auf Bewegungsstörungen spezialisiert hat. Am Inselspital ist PD Dr. Schüpbach, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen, der zuständige Spezialist für diese Erkrankung.

Medikamentöse Behandlung

Die Behandlung fokussiert sich auf die Wiederherstellung der dopaminergen Übertragung. Meistens werden dafür folgende Medikamente eingesetzt:

  • L-Dopa: L-Dopa ist ein  Vorläufer des Dopamins und wird im Gehirn durch das Enzym Dopa-Decarboxylase in Dopapin umgewandelt. L-Dopa ist die wirksamste und verträglichste medikamentöse Behandlung der Symptome bei einer Parkinsonerkrankung.
  • Dopamin – Agonisten: Die dopaminergen Agonisten (Pramipexol, Pobinirol, Rotigotin, Piribedil) wirken direkt auf die Dopamin-Rezeptoren ohne die Dopaminsynthese zu durchlaufen. Sie sind in ihrer Wirksamkeit weniger stark als L-Dopa und ebenso weniger gut verträglich, sodass Verhaltensauffälligkeiten unter der Behandlung in 15 Prozent der Patienten beobachtet wurden (Spielsucht, Geldprobleme, Frustkäufe, Hypersexualität, etc.)
  • Inhibitoren der Monoamino-Oxydase Typ B (IMAO-B): IMAO-B (Rasagilin) hat eine geringe dopaminerge Wirkung durch die Inhibition des Dopaminmetabolismus.

Die oben aufgeführten Medikamente haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können alleine oder in Kombination angewendet werden.

Injektionsbehandlung

Zusätzlich zu den oben aufgelisteten Medikamenten kann Apomorphin auch als subkutane Injektion oder in Form einer Apomorphin-Pumpe (kontinuierliche Applikation) angewendet werden. L-Dopa kann auf diese Weise kontinuierlich direkt in den Zwölffingerdarm verabreicht werden.

Chirurgische Behandlung

Bevor es zu einer Operation kommt, sind viele Abklärungen notwendig, bei welchen wir eng mit PD Dr. Michael Schüpbach, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen, zusammen arbeiten. Der neurochirurgische Spezialist für diese Art der Behandlung und verantwortlich für die Tiefenhirnstimulation bei Patienten mit Parkinson ist  PD Dr. Claudio Pollo. Durch seine Expertise hat sich das Inselspital in Bern zu einem führenden Zentrum in der Behandlung von Bewegungsstörungen etabliert.

Bei der chirurgischen Behandlung wird eine der folgenden Hirnregionen hochfrequent elektrisch stimuliert:

  • Nucleus subthalamicus
  • Gobus pallidus internus
  • Nucleus ventralis intermedius talami

Die Stimulation erfolgt über kleine Mikroelektroden, welche ins Gehirn implantiert werden und die an einen Impulsgenerator – der in der Regel unter dem Schlüsselbein liegt – angeschlossen sind.
Diese sogenannte Tiefenhirnstimulatlion (engl. Deep Brain Stimulation: DBS) wird bei Patienten angewandt, welche trotz guter medikamentöser Behandlung schwere motorische Beeinträchtigungen oder starken Tremor aufweisen und keine schweren kognitiven Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Die drei-teilige Serie von Puls zeigt die Behandlung und den Verlauf einer von der Parkinsonerkrankung betroffenen Patientin.

Häufigkeit

Parkinson zählt zu einer der häufigsten neurologischen Krankheiten Weltweit leiden schätzungsweise über 4 Millionen Menschen an dieser Krankheit. Sie kommt in etwa bei 1 Prozent der über 60-Jähringen und in 3 Prozent der über 80-Jährigen vor. 20 Prozent der Patienten sind bei der Diagnosestellung unter 60 Jahre. Frauen sind ebenso häufig wie Männer betroffen, insgesamt wird gibt es in der Schweiz etwa 15‘000 Betroffene.

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