Morbus Parkinson - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Morbus Parkinson

Klinische Bedeutung

Die Parkinsonsche Erkrankung ist eine unheilbare Krankheit, die ohne Vorankündigung plötzlich einsetzt und langsam, aber fortschreitend zu Einschränkungen im Alltag führt. Morbus Parkinson, nach dem englischen Arzt James Parkinson benannt, ist durch Symptome wie Zittern oder Bewegungsunfähigkeit charakterisiert. Diese Symptome nehmen im Verlauf der Krankheit immer weiter zu. Betroffene können dann zum Teil nur noch mit Hilfe Gehen, Sprechen und alltägliche Dinge wie das morgendliche Anziehen verrichten. Aus diesem Grund ist auch die Belastung für Angehörige und Pflegende gross - physisch wie auch psychisch.

Häufigkeit

Morbus Parkinson zählt zu einer der häufigsten neurologischen Krankheiten. Weltweit leiden schätzungsweise über 4 Millionen Menschen an dieser Krankheit. Sie kommt bei ca. 1 % der über 60jährigen und ca. 3 % der über 80jährigen vor. 20 % der Patienten sind bei der Diagnosestellung unter 60 Jahre alt. Frauen sind ebenso häufig wie Männer betroffen, insgesamt gibt es in der Schweiz etwa 15000 Patienten.

Symptomatik

Die für die Krankheit charakteristische motorische Triade besteht aus Zittern in Ruhe (Ruhetremor), verlangsamten oder ausbleibenden Bewegungen (Bradykinesie/Akinesie) und Muskelsteifigkeit (Rigor). Bei den sogenannten akinetisch-rigiden oder tremordominanten Formen ist jeweils ein Symptom stärker ausgeprägt als die übrigen Symptome.

Die motorische Triade

Ruhetremor

Meistens äussert sich der Ruhetremor anfangs nur auf einer Körperseite oder ist zumindest auf einer Seite stärker ausgeprägt als auf der anderen Körperseite. Die Arme sind oft stärker betroffen als die Beine. Das Zittern verschwindet bei gezielten Bewegungen oder bei starker Muskelanspannung.

Bradykinesie/Akinesie

Durch verlangsamte oder ausbleibende Bewegungen wird ein flüssiger Bewegungsablauf immer schwieriger. Zuerst bemerken dies Patienten bei Aktivitäten mit den Händen, wie zum Beispiel beim Schreiben oder beim Spielen eines Musikinstruments. Diese Symptomatik nimmt im Verlauf der Krankheit zu.

Rigor

Die Parkinsonkrankheit erhöht dauerhaft die Muskelspannung in den Gliedmassen. Durch diese Muskelsteifigkeit haben die Patienten den Eindruck, dass ihre Gliedmassen «wie gelähmt» sind und leiden oft auch unter schmerzhaften Krämpfen.

Weitere Symptome

Unstabile Haltung: Das aufrechte Gehen und das Gleichgewicht sind gestört, eine gerade Haltung wird mit dem Fortschreiten der Erkrankung schwieriger. Damit können Stürze zu einer gefährlichen Folge dieser Erkrankung gehören.
Nicht-motorische Symptome: Zu den für die Parkinsonerkrankung häufigen Symptomen zählen auch psychische Veränderungen (z. B. Depressionen), Störungen im Tages- und im Schlaf-Wach-Rhythmus sowie Probleme mit dem vegetativen Nervensystem (Blutdruckregulation, Verdauung, Thermoregulation). In fortgeschrittenen Stadien manifestieren sich oftmals auch kognitive Schwierigkeiten.

Ursache

Obwohl bis heute kein wirklicher Faktor als ursächlich nachgewiesen werden konnte, scheint doch eine Kombination aus äusseren Einflüssen und erblichen Faktoren zum Ausbruch von Morbus Parkinson zu führen.

Mit dem Fortscheiten kommt es zu einem zunehmenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn. In den ersten Jahren der Erkrankung betrifft dies vor allem Nervenzellen, welche für die Bildung des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind und sich in der schwarzen Substanz (Substancia nigra) im Inneren des Gehirns befinden. Dadurch entsteht ein Dopaminmangel, der Auslöser für die verschiedenen motorischen Störungen ist. Allerdings sind mit dem Fortschreiten der Erkrankung auch Nervenzellen in anderen Regionen des Gehirns betroffen, welche kein Dopamin produzieren. Dieser Prozess verursacht eine Kette von Symptomen (vegetative Probleme, Schmerzen, Schlafstörungen, psychische Störungen), die für den Patienten mit dem Verlauf der Erkrankung immer belastender werden.

Behandlung

Der geeignete Spezialist für die Behandlung von Parkinsonpatienten ist ein Neurologe, der sich auf Bewegungsstörungen spezialisiert hat. Am Inselspital ist der zuständige Spezialist PD Dr. Schüpbach, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen.

Medikamentöse Behandlung

Die Behandlung fokussiert sich auf die Wiederherstellung der dopaminergen Übertragung. Meistens werden dafür folgende Medikamente eingesetzt:

  • L-Dopa: L-Dopa ist ein Vorläufer des Dopamins und wird im Gehirn durch das Enzym Dopa-Decarboxylase in Dopamin umgewandelt. L-Dopa ist das wirksamste und verträglichste Medikament für die Behandlung der Symptome bei einer Parkinsonerkrankung.
  • Dopamin-Agonisten: Die dopaminergen Agonisten (Pramipexol, Pobinirol, Rotigotin, Piribedil) wirken direkt auf die Dopamin-Rezeptoren, ohne die Dopaminsynthese zu durchlaufen. Sie sind in ihrer Wirksamkeit weniger stark als L-Dopa und auch weniger gut verträglich, so dass unter der Behandlung Verhaltensauffälligkeiten bei 15 % der Patienten beobachtet wurden (Spielsucht, Geldprobleme, Frustkäufe, Hypersexualität etc.).
  • Inhibitoren der Monoamino-Oxydase Typ B (IMAO-B): IMAO-B (Rasagilin) hat eine geringe dopaminerge Wirkung durch die Inhibition des Dopaminmetabolismus.

Die hier aufgeführten Medikamente haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können alleine oder in Kombination angewendet werden.

Injektionsbehandlung

Zusätzlich zu den aufgelisteten Medikamenten kann Apomorphin auch als subkutane Injektion oder in Form einer Apomorphin-Pumpe (kontinuierliche Applikation) angewendet werden. L-Dopa  kann auf diese Weise kontinuierlich direkt in den Zwölffingerdarm verabreicht werden.

Chirurgische Behandlung

Bevor es zu einer Operation kommt, sind viele Abklärungen notwendig, bei welchen wir eng mit PD Dr. Michael Schüpbach, Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen, zusammen arbeiten. Der neurochirurgische Spezialist für die chirurgische Behandlung und verantwortlich für die Tiefenhirnstimulation bei Patienten mit Parkinson ist Prof. Dr. Claudio Pollo. Durch seine Expertise hat sich das Inselspital in Bern zu einem führenden Zentrum in der Behandlung von Bewegungsstörungen etabliert.

Bei der chirurgischen Behandlung wird eine der folgenden Hirnregionen hochfrequent elektrisch stimuliert:

  • Nucleus subthalamicus
  • Gobus pallidus internus
  • Nucleus ventralis intermedius talami

Die Stimulation erfolgt über kleine Mikroelektroden, welche ins Gehirn implantiert werden. Diese Mikroelektroden sind an einen Impulsgenerator angeschlossen, der in der Regel unter dem Schlüsselbein liegt.

Diese sogenannte Tiefenhirnstimulation (engl. deep brain stimulation oder DBS) wird bei Patienten angewendet, welche trotz guter medikamentöser Behandlung schwere motorische Beeinträchtigungen oder starken Tremor aufweisen und keine schweren kognitiven Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Die dreiteilige Serie von Puls zeigt die Behandlung und den Verlauf einer Parkinson-Patientin.

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