Arteriovenöse Malformationen (AVM) - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Arteriovenöse Malformationen (AVM)

Arteriovenöse Malformationen (AVM) sind anomale knäuelähnliche Kurzschluss-Verbindungen zwischen blutzuführenden Hirnarterien und blutabführenden Hirnvenen. Die eigentliche AVM, die als Nidus bezeichnet wird, ist frei von dazwischen liegendem Hirngewebe. Diese Gefässmissbildung kann im gesamten zentralen Nervensystem auftreten.

Symptomatik

AVM werden am häufigsten symptomatisch durch eine Hirnblutung oder Kopfschmerzen, fokal neurologischen Ausfällen, Krampfanfällen bzw. hirnschlagähnlichen Symptomen. Das natürliche Blutungsrisiko liegt je nach Grösse, Lage und vorangegangener Blutung statistisch gesehen zwischen 0,5 bis 4 % pro Jahr. Da diese Fehlbildung angeboren ist, treten Beschwerden oder Symptome häufiger in jungen Jahren auf. Das Sterblichkeitsrisiko nach einer AVM-bedingten Hirnblutung liegt bei 10 %, während die Häufigkeit neurologischer Defizite bei 30 % liegt. Langfristig sind die blutungsbedingten neurologischen Ausfälle meist reversibel.

Blutungsgraduierung

AVM werden nach der Spetzler-Martin-Skala eingeteilt. Die Klassifizierung berücksichtigt die Grösse, die Lokalisation in der Nähe von sensiblen Hirnarealen sowie das Vorhandensein einer tiefen venösen Blutdrainage. Niedergradige AVM (Grad I-III) werden in der Regel behandelt. Höhergradige AVM (Grad IV-V) werden in der Regel durch ein Team von Spezialisten beobachtet, da das Behandlungsrisiko oft höher als das natürliche Blutungsrisiko ist. Wenn höhergradige AVM wiederholt bluten oder die neurologischen Ausfälle sich verstärken, wird eine kombinierte Behandlung in Erwägung gezogen.

AVM-begleitende Aneurysmen

10-20 % der AVM werden von Aneurysmen begleitet. Diese findet man in den zuführenden Hirnarterien, in dysplastischen Arterien oder innerhalb des Nidus der AVM. Das Risiko einer aneurysmatischen Blutung in Zusammenhang mit einer AVM wird als höher eingestuft als bei Aneurysmen ohne AVM.

Behandlung

Die Therapie einer AVM besteht zum einen in der mikrochirurgischen Entfernung, zum zweiten im endovaskulären Verschluss bzw. Teilverschluss und zum dritten in der stereotaktischen Radiochirurgie oder auch in einer Kombination aus diesen Behandlungsmöglichkeiten. Die mikrochirurgische Behandlung beinhaltet eine navigationsgesteuerte Entfernung durch einen offenen Zugang (Kraniotomie). Eine kathetertechnische Ausschaltung (endovaskuläre Embolisation) wird durch einen transfemoralen arteriellen Zugang durchgeführt. Die spezifischen der AVM zuführenden Gefässe werden aufgesucht und verklebt. Nach der Embolisation kann meistens der restliche Teil der AVM operativ entfernt werden. Nur ca. 20 % der AVM lassen sich endovaskulär komplett verschliessen.

Zur radiochirurgischen Behandlung stehen verschiedene Techniken (Gamma Knife, Linearbeschleuniger, NovalisTx oder Cyberknife) zur Verfügung, die als gleichwertig in der Erfolgsrate angesehen werden. Mit diesen Techniken kann eine schonende Bestrahlung durchgeführt werden.


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