Nichtrupturiertes Aneurysma (Zufallsbefund) - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Nichtrupturiertes Aneurysma (Zufallsbefund)

Aneurysma an typischer Lokalistion einer Gefäßaufzweigung

Aneurysmen werden oft als Zufallsbefunde entdeckt. Durch die Verfügbarkeit der MRT oder CT und die Überlegenheit dieser Untersuchungen gegenüber indirekten Zeichen oder der Symptomdiagnostik werden diese Bildgebungen heutzutage viel häufiger auch zur Abklärung unspezifischer Beschwerden wie Kopfschmerz oder Schwindel eingesetzt. Wichtig ist, dass diese Beschwerden in aller Regel nicht durch das zufällig gefundene Aneurysma verursacht werden. Bedenkt man aber die schweren Folgen einer Aneurysmablutung, so wird die Bedeutung dieses Zufallsbefundes deutlich. Zufällig entdeckte Hirnarterienaneurysmen sind allerdings sehr verschieden und können ein niedriges oder hohes Risiko einer Ruptur aufweisen.

Wie häufig sind Hirngefässaneurysmen?

Die Häufigkeit von nicht entdeckten Hirngefässaneurysmen in der Bevölkerung liegt bei 2 %. Es gibt systematische Analysen von Angiographien, die relativ konstant diese Zahl bestätigen. In neueren Studien über die Häufigkeit von Zufallsbefunden in der MRT-Untersuchung bei bisher gesunden Erwachsenen finden sich ebenfalls Aneurysmen mit einer Häufigkeit von 2 % (Vernooij et al. Incidental Findings on Brain MRI in the General Population. New Engl Med J 357(18):1821-1828, 2007). Andere Zahlen reichen bis zu 6 %, allerdings basieren diese auf Autopsiebefunden, bei denen aufgrund des Alters der untersuchten Personen und der Zählung auch grösserer Gefässunregelmässigkeiten konstant zu hohe Zahlen angegeben werden, als sie für die normale Bevölkerung zutreffen. Es ist jedoch bemerkenswert, dass auch bei Annahme von 2 % relativ viele beschwerdefreie Menschen Träger eines Hirnaneurysmas sind.

Bedeutung eines zufällig diagnostizierten Aneurysmas

Platzt ein Aneurysma im Kopf, bedeutet es für den Betroffenen meist einen lebensbedrohlichen Zustand. Etwa 50 % versterben an der Blutung oder ihren Folgen. Weniger als 10 % der Patienten überleben die Blutung ohne Folgen.
Mehr Informationen über rupturierte Aneurysmen und Subarachnoidalblutung finden Sie hier

Es ist also eine logische Konsequenz, das Aneurysma zu verschliessen, bevor es platzt. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Risiko der Ruptur höher einzustufen ist als die Komplikationen einer prophylaktisch durchgeführten Behandlung. Genau dies ist nicht immer der Fall.

Die bisher grösste prospektive Studie zur Feststellung des Rupturrisikos eines Aneurysmas ist die sogenannte ISUIA Studie (International Study on Unruptured Intracranial Aneurysms). Nach dieser Studie weisen kleine (<7 mm) inzidentelle (zufällige) Aneurysmen des vorderen Kreislaufs ein sehr geringes Risiko von weniger als 0.1 % pro Jahr auf. Bei anderen Aneurysmen war das Risiko bis um mehr als 10 % pro Jahr erhöht. Die ISUIA Studie wird allerdings heftig wegen möglicher Auswahlverzerrungen kritisiert. Die Zahlen treffen möglicherweise nicht genau zu. Für familiäre Aneurysmen liegt die Rupturrate eher höher. Es ist also genau abzuwägen, bei welchen Patienten man sich nur für eine Beobachtung und bei welchen man sich doch für eine Behandlung entscheidet.

Die Risiken schwerer Komplikationen bei der Behandlung nichtrupturierter Aneurysmen liegt in grossen Zentren mit dem Schwerpunkt der Aneurysmabehandlung bei etwa 1.5 % – sowohl für die Operation als auch für die endovaskuläre Therapie (Seifert V., Gerlach R., Raabe A., Guresir E., Beck J., Szelenyi A., Setzer M., Vatter H., Du Mesnil de R.R., Zanella F., Sitzer M., Berkefeld J. The interdisciplinary treatment of unruptured intracranial aneurysms. Dtsch.Arztebl.Int. 105 (25):449-456, 2008).

Am Inselspital bieten wir im Rahmen der Aneurysmasprechstunde von Prof. Andreas Raabe die Möglichkeiten einer ausführlichen Beratung. Hirnaneurysmen sind ein Schwerpunkt der Neuro-Fächer (Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neurologie) am Inselspital.

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