Akustikusneurinom - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Akustikusneurinom

Sehr grosses Vestibularisschwannom mit Kompression des Hirnstammes. Der kleine seitliche Ausläufer entspricht dem Tumoranteil im inneren Gehörgang. Grosse Tumore können, obwohl sie gutartig sind, im Inneren zerfallen, was die unregelmässige Struktur im Zentrum hervorruft. Bei einem Tumor dieser Grösse besteht Lebensgefahr durch eine Verlegung der Liquorabflusswege.

Das Akustikusneurinom ist ein gutartiger Tumor, der von Bindegewebszellen des Gleichgewichtsnervs ausgeht (Nervus vestibularis). Aus historischen Gründen wird der Name «Akustikusneurinom» beibehalten, obwohl heute bekannt ist, dass der Nervus acusticus nur sehr selten Ausgangspunkt des Tumors ist. Vestibularisschwannom ist die korrektere Bezeichnung. In den meisten Fällen tritt der Tumor einseitig auf und ist nicht vererbbar. Nur selten wird eine sogenannte Neurofibromatose Typ 2 festgestellt. Dann kann der Tumor beidseitig und zudem gemeinsam mit anderen gutartigen Tumoren des Zentralnervensystems gefunden werden.

Der Tumor kann durch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen symptomatisch werden. Ausserdem kann er im Bereich des sehr engen inneren Gehörganges den benachbarten Hörnerv komprimieren und schädigen. Ein langsames Abnehmen des Hörvermögens ist die Folge. Viele Patienten berichten, auf einem Ohr nicht mehr gut telefonieren zu können. Eine Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis), der für die Bewegung der Gesichtsmuskulatur wichtig ist, tritt nur selten und dann erst in spätem Stadium direkt als Folge des Tumorwachstums auf.

Akustikusneurinome können sehr gross werden, ohne dass die zunächst diskreten Symptome durch den Patienten bemerkt werden. Wenn sie den benachbarten Hirnstamm komprimieren und möglicherweise auch die Hirnwasserzirkulation (Liquorzirkulation) stören, können sie lebensbedrohlich werden. Während dieser eigentlich gutartige Tumor noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine lebensbedrohliche Diagnose darstellte, stehen heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Bei kleinen Tumoren ist ein abwartendes Verhalten möglich. Das Wachstum wird dann in regelmässigen kerspintomographischen Untersuchungen (MRT) kontrolliert. Die Chancen einer gehörerhaltenden Operation sind jedoch im Frühstadium deutlich besser. Abwartendes Verhalten empfiehlt sich vor allem bei beidseitigen Akustikusneurinomen im Rahmen einer Neurofibromatose Typ 2.

Kleine Tumore können auch radiochirurgisch behandelt werden. Dabei wird der Tumor aus sehr vielen Richtungen punktgenau bestrahlt. In mehr als 90 % der Fälle kann so ein weiteres Wachstum des Tumors verhindert werden. In unserem Zentrum steht für diese Behandlung mit dem Novalis TX das derzeit modernste Bestrahlungsgerät zur Verfügung.

Die mikrochirurgische Behandlung mit Überwachung der Nervenfunktion ist für Tumore jeder Grösse geeignet. In den meisten Fällen wird dabei über einen Hautschnitt hinter dem Ohr operiert.

Stellt man Operation und radiochirurgische Behandlung gegenüber, so sind die Ergebnisse und die Komplikationsrate weitgehend vergleichbar. Da eine Gesichtslähmung stark beeinträchtigend für den Patienten ist, hat der Erhalt des Gesichtsnervs die oberste Priorität bei der Behandlung. Ein Hörerhalt auf der betroffenen Seite ist durchschnittlich in etwa der Hälfte der Fälle möglich. Dies hängt jedoch sehr von der Grösse und Beschaffenheit des Tumors ab. Dauerhafte Gleichgewichtsstörungen treten fast nie auf, andere Komplikationen sind selten und können in der Regel gut beherrscht werden.

Zur Verbesserung der Chancen auf einen Erhalt des Gesichtsnervs und der Hörfunktion wird die Funktion beider Nerven während der Operation kontinuierlich überwacht (intraoperatives Neuromonitoring).

Welche Behandlung im Einzelfall zu empfehlen ist, entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten in Abhängigkeit von Grösse und Beschaffenheit des Tumors sowie den Wünschen des Patienten.

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