Hirnmetastasen - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Hirnmetastasen

Klinische Bedeutung

Abb.1: Hirnmetastasen im Hirngewebe des Grosshirns
Abb. 2: Hirnmetastasen im Hirngewebe des Kleinhirns

Wie entstehen Hirnmetastasen?
Hirnmetastasen sind Absiedlungen von Krebszellen in das Gehirn. Etwa 15-30 % aller Patienten mit einer systemischen, das heisst nicht mehr lokalen Krebserkrankung, entwickeln Hirnmetastasen. Die Häufigkeit von Hirnmetastasen steigt, weil viele Krebserkrankungen immer besser lokal beherrscht, aber nicht geheilt werden können. Meistens sind Hirnmetastasen im Hirngewebe des Grosshirns lokalisiert (Abb. 1), können aber auch mit 16 % im Kleinhirn auftreten (Abb. 2). Ausserdem gibt es auch Fälle in denen sich die Metastasen an der Hirnhaut befinden.

Risiko und Häufigkeit

Hirnmetastasen sind die häufigsten Tumore im Hirn und sie treten bei 10-15/100000 Menschen pro Jahr auf. In 30-50 % der Fälle handelt es sich um singuläre (einzelne) Metastasen, es können aber auch mehrere Hirnmetastasen auftreten.
Die häufigsten Metastasen im Gehirn sind Absiedelungen von Krebsherden in der Lunge (44 %), Brust (10 %), Niere (7 %), Darm (5 %) oder der Haut (3 %). In ca. 10 % der Fälle bleibt der Primärtumor zunächst unbekannt.

Symptomatik

Je nach Lokalisation der Metastase können verschiedene Symptome auftreten. Sollte eine Metastase den Abfluss des Liquors (Hirnwasser) blockieren, kann es zu einem Hydrocephalus kommen. Dieser äussert sich z. B. mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen.
Weitere Symptome von Hirnmetastasen können sein: Koordinationsstörungen, Sehstörungen, epileptische Anfälle, Lethargie, Lähmungen oder Gefühlsstörungen.
Manchmal werden Hirnmetastasen auch zufällig entdeckt, ohne dass es bisher zu Symptomen gekommen ist.

Diagnostik

Hirnmetastasen bilden meistens solide Tumore. Diese kann man bereits mit einer Computertomographie (CT) darstellen. Besser zur Darstellung von Hirnmetastasen eignet sich jedoch eine Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), da man mit dieser auch kleinste Metastasen diagnostizieren kann. Ausserdem kann man mit der MRT auch die Hirnhäute besser beurteilen.
Sollte man eine Hirnmetastase feststellen, ohne dass ein Primärtumor bekannt ist, werden noch weitere Untersuchungen, wie z. B. Röntgen oder CT des Brustkorbs und des Bauches durchgeführt.
In seltenen Fällen kann auch eine Entnahme von Hirnwasser aus dem Rückenmarkskanal erfolgen (Lumbalpunktion).

Behandlung

Bei der Behandlung von Hirnmetastasen gibt es verschiedene Verfahren, die zum Einsatz kommen. Möglich sind die operative Entfernung einer oder mehrerer Hirnmetastasen, die Bestrahlung des gesamten Hirns oder eines Teils sowie die gezielte einmalige Bestrahlung der Metastase (Radiochirurgie). Für die radiochirurgische Behandlung sollte die Metastase nicht grösser als 3 cm sein.
Für die geeignete Therapie ist es wichtig zu wissen, um welche Art der Hirnmetastase es sich handelt, also aus welchem Organ die Krebszellen stammen. So gibt es zum Beispiel Krebsarten, die besser auf eine Bestrahlung ansprechen als andere. Ausserdem spielt es noch eine wichtige Rolle, wie viele Hirnmetastasen festgestellt wurden und wo sich diese genau befinden.

Singuläre (einzelne) Hirnmetastasen
  • Bei einer aktuellen Studie zur Behandlung von solitären (einzelnen) Metastasen einer Grösse von weniger als 3 cm erreichte die Operation eine doppelt so hohe lokale Rezidivfreiheit wie die Radiochirurgie (15 % gegenüber 30 % Rezidiv nach 6 Monaten). Im Vergleich von Operation und fraktionierter Strahlentherapie ist ebenfalls die Operation effektiver.
  • Die komplette mikrochirurgische Entfernung einer Einzelmetastase kann also bei einem lokal und systemisch tumorfreien Patienten Heilung bedeuten. Die neurochirurgische Operation muss dabei sowohl radikal (vollständige Tumorentfernung) als auch funktionserhaltend sein, wobei ein möglichst minimalinvasives Vorgehen gewählt werden sollte. Dabei kommen mehrere technisch innovative Verfahren zum Einsatz: Intraoperatives Neuromonitoring, Mapping, Neuronavigation, Fibertracking, Intraoperative Bildgebung und eine erweiterte Risikoabklärung vor der Operation.
Mehrere Hirnmetastasen
  • Auch bei mehreren Hirnmetastasen kann eine operative Therapie durchgeführt werden, wenn der Patient sich in gutem Allgemeinzustand befindet und die systemische Krebserkrankung unter Kontrolle ist.
  • In der Regel wird dieses Vorgehen dann eingesetzt, wenn eine Metastase die kritische Grösse von 3 cm überschritten hat und zusätzlich noch 1-2 kleinere Metastasen vorhanden sind. Hier wird die grössere operiert, um dann die Metastasen, die kleiner als 3 cm sind durch eine radiochirurgische Behandlung zu zerstören.

Moderne Behandlungsstrategien versuchen, die verschiedenen Therapien zu kombinieren und die Bestrahlung eher zu verzögern, wenn ein guter Behandlungserfolg mit der Operation und/oder Radiochirurgie wahrscheinlich ist. Damit soll das Auftreten kognitiver Verschlechterungen nach Ganzhirnbestrahlung vermindert werden.
Wir arbeiten daher eng mit unseren Kollegen der Onkologie und Radio-Onkologie zusammen, um für jeden Patienten die individuell beste Behandlung festlegen zu können.

Können Hirnmetastasen geheilt werden?

Eine Hirnmetastase ist eine Form der systemischen, das heisst ausserhalb des Primärtumors wachsenden Krebserkrankung. Deshalb ist die Prognose von Patienten mit einer Metastase im Gehirn oftmals schlechter als ohne systemische Erkrankung.

Mit der neurochirurgischen Operation und der Radiochirurgie stehen Verfahren zur Verfügung, die eine effektive Behandlung lokaler Metastasen ermöglichen. Ob Patienten geheilt werden können, entscheidet sich meistens über die Beherrschung und Heilung des Primärtumors und der Verhinderung oder Heilung einer systemischen Ausbreitung. Ist diese Voraussetzung erfüllt, kann ein Patient durch die Behandlung der Hirnmetastasen geheilt werden.

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