Lymphom - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Lymphom

Klinische Bedeutung

Lymphome sind Tumore des blutbildenden Systems, die auch im Bereich des Gehirns oder des Rückenmarks auftreten können. Man unterscheidet hierbei die sogenannten «primären ZNS Lymphome» (PZNSL), bei denen ein Befall primär und ausschliesslich im Zentralnervensystem auftritt, von Tochtergeschwülsten eines systemischen, verschiedene Organe betreffenden Lymphoms. In letztgenanntem Fall sind die Betroffenen an einem Tumor der blutbildenden Organe erkrankt, der zunächst verschiedene Lymphknoten oder die Milz betrifft und erst in einem zweiten Schritt Tochtergeschwülste (Metastasen) im Zentralnervensystem bildet.

Häufigkeit und Risikogruppen

Die Häufigkeit von Lymphomen hat im Vergleich zu anderen Hirnläsionen in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Betroffen davon sind vor allem Patienten mit einem eingeschränkten Immunsystem, deren Lebenserwartung mit Hilfe moderner Therapien verlängert werden konnte. Dazu gehören Patienten mit immunsuppressiven Therapien bei Krebserkrankungen, AIDS, Lupus Erythematodes, rheumatoider Arthritis sowie Gewebetransplantationen. Lymphome treten vor allem bei Patienten im mittleren und hohen Lebensalter auf.

Ursachen

Lymphome sind Tumore, die aus entarteten Zellen des blutbildenden Systems entstehen. Die Ursachen der Entstehung sind weitestgehend unbekannt. Sie werden mit Risikofaktoren wie dem Alter, einer früheren Bestrahlung, bestimmten Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen sowie einem geschwächten Immunsystem in Verbindung gebracht.
Symptomatik
Lymphome des Zentralnervensystems präsentieren sich in den meisten Fällen (>50 %) mit unspezifischen Symptomen, wie Veränderungen der mentalen Verfassung und des Charakters sowie Zeichen des erhöhten Hirndrucks, wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Weiterhin können Lymphome sich bei ca. 10 % der Patienten mit epileptischen Anfällen manifestieren. In etwa einem Drittel der Patienten können fokale Symptome, wie eine Halbseitenlähmung und Einschränkung der Hirnnervenfunktion (Doppelbilder, Geschmacks- u. Geruchseinschränkungen) auftreten.

Diagnostik

In den bildgebenden Verfahren (CT oder MRI) sind Lymphome häufig nur schwer von anderen Tumoren des Nervensystems zu unterscheiden. Oftmals können sich hier Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung ergeben. Hier kann die moderne Neurochirurgie einen wichtigen Beitrag leisten. Mit stereotaktischen Methoden können millimetergenaue Biopsien (Gewebeentnahmen) durchgeführt werden. Anschliessende feingewebliche Untersuchungen in der Abteilung für Neuropathologie geben Klarheit über die Diagnose. Ein Lymphom kann auf diese Weise eindeutig von anderen Hirntumoren unterschieden werden. Im Zentralnervensystem liegende Lymphome haben oft ihren Ursprung in anderen Körperregionen. Zu einer vollständigen Diagnostik gehört somit das computertomographische Absuchen typischer Entstehungsorte von Lymphomen, wie der Lymphknotenstationen im Nacken, der Brust, der Leiste und des Beckens.

Behandlung

Im Gegensatz zu anderen Tumoren des Nervensystems kann ein Lymphom nicht operativ entfernt werden, sondern muss durch die Verabreichung von hochwirksamen Chemotherapeutika in Kombination mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Im Neurozentrum des Inselspitals geschieht die Planung und Implementierung einer optimalen Behandlung durch ein multidisziplinäres Team von Spezialisten der Neurochirurgie, Neuroradiologie, Neuropathologie, Onkologie und Radioonkologie mit Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankung.

Erfolg der Operation

Die stereotaktische Biopsie ist ein elegantes, minimalinvasives Verfahren der Neurochirurgie zur Entnahme von Hirngewebe für die weitere feingewebliche Untersuchung. Eine bildgesteuerte, computerassistierte 3D-Navigation erlaubt eine millimetergenaue Probeentnahme unter maximaler Schonung des umgebenden gesunden Hirngewebes. Eine exakte Gewebeentnahme ist ein essentieller Schritt zur definitiven Diagnose und Planung der weiteren Behandlung. In seltenen Fällen führt die feingewebliche Untersuchung der bioptisch gesicherten Präparate aufgrund einer Entartung von Tumorzellen nicht zu einem schlüssigen Resultat, was eine Wiederholung der Biopsie zur Folge haben kann.

Komplikationsrate

Als häufigste Komplikation dieses Eingriffs können in seltenen Fällen (<1 %) relevante Blutungen auftreten. Die stereotaktische Biopsie bietet somit eine der sichersten und effektivsten Methoden zur Evaluierung von Hirntumoren.

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