Meningeom - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Meningeom

Klinische Bedeutung

Das Hirn und das Rückenmark sind von drei schützenden Membranen, den sogenannten Meningen (Hirnhäuten) umgeben. Tumore, die aus der arachnoidalen Schicht (Spinnwebenhaut) der Meningen entspringen, werden als Meningeome bezeichnet. Meningeome sind die häufigsten gutartigen, langsam wachsenden, intrakraniellen Tumore, die in seltenen Fällen das umgebende Gewebe infiltrieren können, jedoch keine Tochtergeschwüre (Metastasen) bilden. Obwohl Meningeome meistens gutartig sind, können sie dennoch aufgrund ihres schleichenden verdrängenden Wachstums lange unerkannt bleiben und zu schweren Behinderungen und lebensbedrohlichen Situationen führen.

Meningeome werden gemäss der WHO nach feingeweblichen Kriterien in drei Grade unterteilt:
WHO Grad I = 80 %, WHO Grad II = 17 % , WHO Grad III = 3 %
Höhergradige Meningeome sind seltener, weisen jedoch eine erhöhte Wachstumsgeschwindigkeit, eine erhöhte Neigung zur Infiltration des umgebenden Gewebes sowie ein erhöhtes Risiko des Wiederauftretens auf.

Häufigkeit und Risikogruppen

Meningeome treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf und sind mit einer Prävalenz von bis zu 3 % in der älteren Bevölkerung relativ häufig. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Symptomatik

Meningeome zeichnen sich durch ein langsames Wachstum aus und verdrängen dabei das gesunde umliegende Hirngewebe. Dabei können je nach Lage des Tumors Symptome wie Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Verschlechterung des Seh-, Riech- und Sprachvermögens wie auch Lähmungen und Veränderungen der Sensibilität auftreten. Diese Symptome verstärken sich typischerweise nur schleichend – analog zum langsamen Wachstum des Tumors.

Ursachen

Ionisierende Strahlung gehört nach heutigem Wissensstand zu den primären, umweltbedingten Risikofaktoren für die Entstehung von Meningeomen. Personen, die einer besonders hohen Strahlendosis ausgesetzt waren (zum Beispiel Atombomben-Überlebende), haben ein 6-10fach höheres Risiko, ein Meningeom zu entwickeln. Weiterhin haben Patienten mit der genetischen Erkrankung Neurofibromatose Typ 2 ein erhöhtes Risiko, Meningeome zu entwickeln.

Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose erfolgt mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und in seltenen Fällen auch mittels Computertomographie. Eine definitive Diagnose mit Beurteilung der Gutartigkeit, kann erst nach Gewebeentnahme und feingeweblicher, mikroskopischer Untersuchung durch den Neuropathologen erfolgen.

Behandlung (konservativ/operativ)

Die Therapie eines symptomatischen, sich vergrössernden Meningeoms besteht in einer schonenden, vollständigen, mikrochirurgischen Tumorentfernung. Kleine asymptomatische (stumme) Meningeome, speziell bei älteren Patienten, müssen nicht operiert werden. Meistens genügt eine jährliche radiologische Kontrolle, da diese Tumore oft nicht mehr wachsen. Die vollständige Entfernung eines Meningeoms bedeutet in den meisten Fällen Heilung für die Patienten. Deshalb steht an oberster Stelle der Behandlung eine maximal mögliche, zugleich schonende und funktionserhaltende Tumorentfernung mit hohem kosmetischen Anspruch. Dazu werden je nach Lage des Tumors neueste technische Verfahren, wie die Neuronavigation und das sogenannte intraoperative Neuromonitoring, eingesetzt, die dem Neurochirurgen helfen, mit maximaler Präzision und Sicherheit unter dem Operationsmikroskop zu arbeiten. In Fällen, in denen keine vollständige Tumorentfernung erreicht werden kann, bietet die Strahlentherapie eine wirkungsvolle alternative Therapie zur Reduktion des Tumorwachstums.

Erfolg der Operation

Das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors nach der Operation, richtet sich nach dem Grad der Gutartigkeit des Tumors sowie der Vollständigkeit der Entfernung, die wiederum von der Lage des Tumors im Hirn abhängt. Eine Heilung kann nur mittels vollständiger Entfernung eines Meningeoms erreicht werden.

Komplikationsrate

Die Komplikationsrate einer chirurgischen Tumorentfernung und einer eventuellen weiteren Behandlung mittels Radiotherapie wird durch etliche Faktoren wie Grösse und Lage des Tumors, dessen Zugänglichkeit sowie den klinischen Zustand und das Alter des Patienten beeinflusst. Ihre behandelnden Ärzte werden Sie gerne bezüglich eines individuellen Risikoprofils informieren.

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