Glossopharyngeusneuralgie - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Glossopharyngeusneuralgie

Klinische Bedeutung

Die Neuralgie des Nervus glossopharyngeus, des Zungen-Rachen-Nervs, ist eine spezielle Form des primären Gesichtsschmerzes mit Lokalisation im Ausbreitungsgebiet dieses Nervs.

Im Vergleich zu den weit selteneren symptomatischen Formen, die Ausdruck einer bestimmten krankhaften Veränderung, beispielsweise eines Tumors, eines Gefäßprozesses, einer Entzündung oder einer Verwachsung in der Nähe des Nervens sein können, sind die klassischen idiopathischen Fälle ohne fassbare Ursache und neurologisches Defizit weitaus häufiger.

Pathophysiologisch scheinen aufgrund von Schädigungen der Nervenscheiden elektrische Erregungen durch Berührungsreize auf Schmerzfasern überzuspringen. Die Läsionen in den Nervenscheiden sind möglicherweise verursacht durch mechanische Faktoren während des Alterungsprozesses oder durch chronische Einwirkungen benachbarter pulsierender Gefäßschlingen.

Symptomatik

Der Nervus glossopharyngeus ist ein gemischter Nerv. Der griechische Name beschreibt das entsprechende Versorgungsgebiet dieses IX. Hirnnervs. Es umfasst im Wesentlichen gemeinsam mit dem Versorgungsgebiet des Nervus vagus den Rachen sensibel und motorisch, aber auch sekretorisch die Ohrspeicheldrüse und die Drüsen des Zungengrundes,  sowie mit seinen Geschmacksfasern das hintere Drittel der Zunge.

Dementsprechend äussert sich die Glossopharyngeusneuralgie durch heftige, plötzlich blitzartig auftretende, meist ein- und linksseitige Schmerzen, die häufig im gleichseitigen Rachen-, Hals-, Tonsillen-, Zungen- und Ohrbereich beginnen und meist von nur sekundenlanger Dauer sind. Die Schmerzattacken werden typischerweise durch Schlucken, Kauen, Husten, Gähnen, Sprechen und Berührung ausgelöst. Oftmals essen die betroffenen Patienten aus Angst vor den Schmerzen immer weniger und magern rasch ab.

Eine spontane Besserung der Glossopharyngeusneuralgie innerhalb von 6 Monaten ist nicht selten. Bei anhaltenden Schmerzen muss jedoch eine symptomatische Ursache ausgeschlossen sein und über weitere Therapieoptionen nachgedacht werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei den seltenen symptomatischen Formen der Glossopharyngeusneuralgie behandelt man wenn immer möglich die zugrunde liegende Ursache.

In den häufigeren Fällen von idiopathischen Formen wird zunächst eine medikamentöse Behandlung üblicherweise mit Carbamazepin durchgeführt und die Medikamente bis zur Unterbrechung der Schmerzattacken in ihrer Dosis gesteigert.

Bei Versagen der konservativen Therapie trotz ausreichender Dosierung oder beim Auftreten von relevanten Medikamentennebenwirkungen muss eine operative neurochirurgische Behandlung in Betracht gezogen werden.

Gegenwärtig gilt die nichtdestruktive mikrochirurgische neurovaskuläre Dekompression nach Janetta weltweit als das Verfahren der ersten Wahl. Hierbei explorieren wir in unserer Klinik minimalinvasiv unter mikroskopischer Kontrolle und intraoperativem neurophysiologischen Monitoring den Verlauf des Nervenstammes und befreien den Nervus glossopharyngeus von pulsierenden Gefässschlingen. Die Langzeitergebnisse des Verfahrens sind mit über 85 Prozent dauerhafter Besserung der Schmerzen sehr überzeugend.

Alternative, weniger gebräuchliche aber durchaus wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten, die ebenfalls in unserer Klinik durchgeführt werden, sind Nervenablationen via extra- oder intrakranieller Zugänge und radiochirurgische Verfahren, die in geeigneten Fällen ebenfalls zu einer anhaltenden Besserung der Beschwerden führen.

Häufigkeit

Die Glossopharyngeusneuralgie ist mit 0,2–1,3 Prozent aller Gesichtsschmerzsyndrome insgesamt selten und betrifft besonders häufig ältere Menschen, kann jedoch grundsätzlich in jedem Alter auftreten.

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