Kolloidzyste - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Kolloidzyste

Klinische Bedeutung

Abb.1: Axiale T1-gewichtete MRI bei einem 54-jährigen Patienten mit plötzlichem Verwirrtheitszustand, heftigen Kopfschmerzen und Gangstörung. Es zeigt sich isointens die Kolloidzyste in typischer Lokalisation (blauer Pfeil) mit deutlich erweiterten Seitenventrikeln (Stern).
Abb. 2: In der coronaren Flair-Aufnahme stellt sich die Zyste hyperintens und genau unterhalb des Daches des 3. Ventrikels unter den Foramina Monroi lokalisiert dar (blauer Pfeil). Die Liquordiapedese (roter Pfeil) ist neben den erweiterten Seitenventrikeln (Stern) ein Zeichen des akuten Liquoraufstaus.

Kolloidzysten sind gutartige, zystische Strukturen, die mit einer Epithelschicht ausgekleidet sind und mukoide (schleimige) Flüssigkeit enthalten. Durch die Ansammlung der mukoiden Flüssigkeit, welche von den Zellen der Zystenwand ausgeht, kommt es im Verlauf häufig zu einem langsamen Zystenwachstum. Kolloidzysten sind typischerweise im vorderen oberen Bereich des dritten Ventrikels lokalisiert. Dort können sie den Übergang von beiden Seitenventrikel zum dritten Ventrikel, dem sogenannten Foramen Monroi, verschliessen, so dass es zu einem Aufstau des Liquor cerebrospinalis in einem oder meistens beiden Seitenventrikeln kommen kann (Hydrocephalus occlusus). Hierbei kann es bei einem nicht vollständigen Verschluss zu einer chronischen oder bei vollständigem Verschluss zu einem plötzlichen Anstieg des intrakraniellen Drucks kommen.

Risiko und Häufigkeit

Die Erkrankung ist relativ selten und macht lediglich 0.5-1 % aller intrakraniellen Raumforderungen aus. Am häufigsten ist die Altersgruppe zwischen 20-50 Jahren betroffen.

Symptomatik

Die häufigsten Beschwerden sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Verschwommensehen, Inkontinenz sowie Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit und des Gedächtnisses. Seltener sind Doppelbilder, epileptische Anfälle oder ein Tinnitus beschrieben. Symptome treten erst auf, wenn es zu einer Einengung der Liquorabflusswege kommt. Vorher sind Kolloidzysten asymptomatisch und werden oft als Zufallsbefund diagnostiziert. Die Beschwerden können bei einem nicht vollständigen Verschluss langsam progredient oder auch intermittierend vorkommen (eventuell in Abhängigkeit der Kopfposition). Bei einem akuten Verschluss der Liquorwege kann es zu plötzlich einsetzenden und schnell progredienten Beschwerden mit einer lebensbedrohlichen Hirndrucksteigerung kommen. Ein ganz plötzlicher Anstieg des intrakraniellen Drucks kann akut lebensbedrohlich sein, und es wurden schon – wenn auch selten – Fälle von plötzlichem Tod aufgrund von Kolloidzysten beschrieben.

Ursachen

Die Zysten entspringen dem neuroendodermalen embryonalen Gewebe des Diencephalon. Es handelt sich dabei um eine Anlagestörung. Durch die Absonderung von Sekret von den Epithelzellen ins Zysteninnere wächst die Zyste.

Diagnostik

Die Raumforderung im Foramen Monroi und die Zyste können bereits im Computertomogramm erkannt werden. Hier zeigen sich die Zysten meistens hyperdens und können leicht Kontrastmittel aufnehmen (ca. 50 %). Verkalkungen sind selten. Im MRI stellen sich die Zyste und deren Abgrenzung zu den Nachbarstrukturen deutlicher dar. In T1-gewichteten Aufnahmen sind Kolloidzysten typischerweise iso- oder hyperintens, in T2-gewichteten hypointens, in Flair-Aufnahmen hyperintens. Leichte randständige Kontrastmittelanreicherungen sind möglich. Auch im MRI zeigt sich das Ausmass des Liquoraufstaus anhand der Weite der Seitenventrikel. Lumbalpunktionen zur Liquorgewinnung oder Druckmessung sind kontraindiziert.

Behandlung

Nicht jede Kolloidzyste wächst und muss behandelt werden. Kleine Kolloidzysten, die keine Obstruktion oder Liquorzirkulationsstörung verursachen, können in regelmässigen Abständen kontrolliert und durch die oben genannte Bildgebung beobachtet werden. Zysten, die das Foramen Monroi relevant einengen oder bereits zu einem Liquoraufstau führen, sollten entfernt werden. Die Operation wird über einen minimalinvasiven Zugang endoskopisch oder mikrochirurgisch durchgeführt. Das ideale operative Vorgehen wird im Einzelfall aufgrund der genauen Zystenlokalisation und Grösse sowie des Ausmasses des Hydrocephalus bestimmt. Die postoperative Nachbetreuung beinhaltet eine MRT-Kontrolle im Verlauf, um eventuelle Rezidive, die aber selten sind, rechtzeitig zu erkennen.

Prognose

Durch die Zystenentfernung kann der Liquorfluss wiederhergestellt werden. In einigen Fällen kann es jedoch nach dem Eingriff (innerhalb von Tagen oder Wochen) zu einem Hydrocephalus malresorptivus kommen, was die Implantation eines Shunts notwendig macht. Weiter kann es zu Rezidiven kommen, wenn ein Rest der Zystenwand am Dach des 3. Ventrikels zurückbleibt, z. B. bei stark adhärenten Zysten.

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