Lumbaler Bandscheibenvorfall - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Lumbaler Bandscheibenvorfall

Interlaminäre vollendoskopische Entfernung eines Bandscheibenvorfalls. Oben: mit der 3-mm-Fasszange wird der vorher mobilisierte Bandscheibenvorfall (BSV) herausgezogen. Links ist das aufgedehnte Ligamentum flavum (LV) erkennbar, das sich später wieder schützend über die intraspinalen Strukturen legt. Die Nervenwurzel S1 (N) ist deutlich nach lateral verdrängt und komprimiert. Unten: Nach Entfernung des Bandscheibenvorfalls ist die Nervenwurzel (N) wieder entfaltet und der Rand der Bandscheibe (BS) sichtbar.

Die mikrochirurgische oder endoskopische Operation eines Bandscheibenvorfalls zur schnellen und schonenden Entlastung eines komprimierten Nerves ist der häufigste Eingriff in unserer Klinik. Unsere Pflegekräfte und Physiotherapeutinnen kennen die Behandlung und Nachsorge nach Bandscheibenvorfall bestens und bereiten den Weg für eine schnelle Genesung. Weil das Verhalten nach einem Bandscheibenvorfall eine wichtige Rolle spielt, haben wir bis hin zu einem speziellen Fernsehprogramm nützliche Informationen, insbesondere über das richtige Heben und Tragen sowie Übungen zur Rückenschule, für unsere Patienten zusammengestellt.

Wegen der Häufigkeit und der Bedeutung dieser Erkrankung ist die Forschung auf diesem Gebiet ein Schwerpunkt an der Universität Bern. Eine Gruppe von Wissenschaftlern am ARTORG (Artificial Organs = künstliche Organe) befasst sich hier vor allem mit zukünftigen Möglichkeiten der Regeneration der Bandscheibe.

Nur selten Operation nötig

Lumbale Bandscheibenbeschwerden sind häufig, aber sie müssen nur selten operiert werden. Mehr als 90 Prozent der Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle mit Schmerzen ins Bein bessern sich unter kurzzeitiger Schonung, Wärme, Schmerzmedikamenten, Entlastungslagerung und Physiotherapie. Wichtig ist die Abgrenzung zum reinen Rückenschmerz (Lumbalgie oder Hexenschuss), der durch Irritation der Wirbelgelenke oder Bandstrukturen zustande kommt und bei dem kein Schmerz im Bein auftritt.

Typische Beschwerden

Am häufigsten sind Vorfälle der 4. (zwischen 4. und 5. Lendenwirbelkörper) und der 5. Bandscheibe (zwischen 5. Lendenwirbelkörper und Steissbein). Je nach der Richtung des Austritts von Bandscheibenmaterial kann dabei der höhere (austretende) Nerv  oder der tiefere (traversierende) Nerv auf dem Weg zum Neuroforamen vom Bandscheibenvorfall getroffen werden. Durch den Druck der Bandscheibe auf den Nerven kann dieser die Gefühle und die Muskelkraft seiner Zielgebiete nicht mehr leiten und meldet zusätzlich Schmerzen und Kribbeln. Weil jeder Nerv, der an der Wirbelsäule austritt, ein anderes charakteristisches Gebiet versorgt, kann durch die Störungen meist genau auf die betroffenen Nervenwurzel geschlossen werden. Bei sehr grossen Bandscheibenvorfällen können mehrere Nervenwurzeln betroffen sein, im Prinzip alle, die noch im Duralsack nach unten laufen. Besonders gefährlich sind grosse Bandscheibenvorfälle, die die tieferen sakralen Nervenwurzeln betreffen, weil hierdurch Störungen der Blasen- und Stuhlentleerung auftreten können. Das ist immer ein Notfall und muss dringend in die Neurochirurgie eingewiesen werden, weil eine dauerhafte Nervenschädigung mit Funktionsausfall droht.

Häufige Beschwerden

Typische Befunde (nicht vollständig) sind für die Nervenwurzel

  • L4: Schmerz im Oberschenkel bis ins Knie, Taubheit in der Vorderseite des Oberschenkels und der Innenseite des Unterschenkels, keine Kraft beim Treppensteigen (Kniestrecker).
  • L5: Schmerz im Gesäss und in der Aussenkante des Oberschenkels bis in den Fuss, Taubheit in der grossen Fusszehe, Schwäche des Fusshebers, insbesondere des Grosszehenhebers (Fersenstand).
  • S1: Schmerz im Gesäss und in der Hinterseite des Beines bis in den Fuss, Taubheit in der Fussaussenkante und in der kleinen Zehe, Schwäche des Fusssenkers (Zehenstand).

Wann muss operiert werden?

Bessern sich die Schmerzen innerhalb von 6 Wochen nicht deutlich oder liegen stärkste Schmerzen oder ein Kraftverlust vor, sollte man eine Entlastung des Nerven durch eine Operation prüfen. Ein absoluter dringlicher Notfall für eine sofortige Zuweisung in die Neurochirurgie liegt dann vor, wenn ein kompletter Kraftverlust in einer Bewegung oder – wie bereits erwähnt – eine Störung der Blasen- oder Mastdarmentleerung auftritt.

Trotz der hohen spontanen Heilungsrate ist die Operation des lumbalen Bandscheibenvorfalls der häufigste chirurgische Eingriff an der Lendenwirbelsäule. Das Fachgebiet Neurochirurgie hat sich seit vielen Jahren auf diese Erkrankung spezialisiert, weil hier die Operation routinemässig unter dem Mikroskop stattfindet. Die Vorteile der Mikrochirurgie bedeuten für den Patienten eine kleinere Operation mit einem schonenden Zugang, eine gezieltere Freilegung, weniger Narbenbildung und mehr Sicherheit. Bei einem Teil der Bandscheibenvorfälle kann die vollendoskopische Technik den Zugang noch weiter verkleinen.

Allgemeine Informationen zur Volkskrankheit Bandscheibenvorfall und warum es für uns ein Schwerpunktgebiet ist finden Sie auch unter der Rubrik Schwerpunkt Bandscheibenvorfall.

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