Thorakaler Bandscheibenvorfall - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Thorakaler Bandscheibenvorfall

Unter einem thorakalen Bandscheibenvorfall versteht man einen Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule. Bandscheibenvorfälle entlang der ganzen Wirbelsäule sind meist Folge eines Alterungs- und Abnutzungsprozesses. Da die Brustwirbelsäule durch das Rippenskelett eine zusätzliche Verstärkung erhält, sind Vorfälle in diesem Bereich aber viel seltener als in der Hals- und Lendenwirbelsäule. Selbst wenn ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule entdeckt wird, handelt es sich häufig um einen asymptomatischen Zufallsbefund, der keiner Therapie bedarf.

Ursachen

Bandscheibenvorfälle sind Folge krankhafter Veränderungen der Wirbelsäule. Nur bei Vorliegen einer erheblichen Gewalteinwirkung bei zuvor völlig beschwerdefreien Patienten kann ein Trauma als Ursache geltend gemacht werden. Sogenannte «Verhebetraumen» werden von den Versicherungen in der Regel nicht als unfallbedingte Ursache von Bandscheibenvorfällen anerkannt.

Epidemiologie

Weniger als 1 % aller Bandscheibenvorfälle sind in der Brustwirbelsäule lokalisiert, wobei die meisten dieser wenigen Vorfälle in der unteren Brustwirbelsäule vorkommen. Menschen im mittleren Lebensabschnitt sind am häufigsten von einem thorakalen Bandscheibenvorfall betroffen.

Vorgeschichte

Die Beschwerden durch einen Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule sind häufig unspezifisch, was die Diagnosestellung erschweren kann. Das Spektrum der Symptome umfasst schwierig einzuordnende, unspezifische Schmerzen in der Brust oder im Bauch. Die Beschwerden können aber auch in einem oder beiden Beinen vorkommen und sehr selten sogar bis hin zu einem Querschnittsyndrom reichen.

Diagnose

Die Untersuchungsmethode der Wahl ist das Kernspintomogramm (MRI).

Therapie

Die Therapie wird in erster Linie konservativ mit Schmerzmitteln und Physiotherapie durchgeführt. Versagt diese Behandlung, kann eine Operation erwogen werden.

Operative Verfahren

Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten ist die Operation wesentlich komplizierter als an der Hals- und Lendenwirbelsäule. Zudem sind die Bandscheibenvorfälle häufig verkalkt, was deren Entfernung zusätzlich erschwert. Man unterscheidet folgende Zugänge:

  • Einseitige Entfernung der Bogenwurzel (transpedikulär), gegebenenfalls mit Entfernung des Rippenansatzes (Costotransversektomie), indiziert bei Raumforderungen, die eher von der Seite komprimieren
  • Zugang durch den Brustraum (Thorakoskopie oder Thorakotomie), indiziert bei mittelständigen Raumforderungen mit Kompression des Rückenmarks eher von vorne

Aufgrund der Nähe zum Rückenmark und der Komplexität der krankhaften Veränderungen in der Brustwirbelsäule ist das Risiko einer neurologischen Verschlechterung bis hin zur Querschnittlähmung grösser als bei Operationen der Halswirbelsäule und erfordert aus unserer Sicht fast immer ein intraoperatives Neuromonitoring der motorischen evozierten Potenziale.

Erholungszeit

Die Erholungszeit ist variabel und hängt vom Ausgangsbefund ab. Gegebenenfalls wird eine stationäre Rehabilitation in einer entsprechenden Klinik durchgeführt.

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