Zervikaler Bandscheibenvorfall - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Zervikaler Bandscheibenvorfall

Wie die lumbalen Bandscheibenvorfälle ist auch der Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule meist Folge eines Abnützungsprozesses. Die Erkrankungshäufigkeit an Halsbandscheibenvorfällen nimmt bis zum 45. Lebensjahr kontinuierlich zu, um danach wieder abzusinken. Dieses Phänomen dürfte Folge der grossen Aktivität und Belastung sein, der Menschen im mittleren Lebensabschnitt unterliegen.

Ursachen

Bandscheibenvorfälle sind Folge degenerativer Veränderungen der Wirbelsäule. Nur bei Vorliegen einer erheblichen Gewalteinwirkung bei zuvor diesbezüglich völlig beschwerdefreien Patienten kann ein Trauma als Ursache geltend gemacht werden. Sogenannte «Verhebetraumen» werden von den Versicherungen in der Regel nicht als unfallbedingte Ursache von Bandscheibenvorfällen anerkannt.

Epidemiologie

Männer sind ungefähr 1,4 Mal häufiger betroffen als Frauen. Der am häufigsten betroffene Wirbel ist HWK 5/6, gefolgt von HWK 6/7 und HWK 4/5.

Vorgeschichte

Das Leiden beginnt häufig mit unspezifischen Nackenschmerzen, die im weiteren Verlauf in einen Arm auszustrahlen beginnen. Die Heftigkeit oder die Therapieresistenz der Schmerzen führt den Patienten dann zum Arzt. Neben Schmerzen können auch Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen auftreten. Im Unterschied zu lumbalen Bandscheibenvorfällen können beim Vorliegen von Hernien, die auf das Rückenmark drücken, auch Symptome in den unteren Extremitäten (Gangstörungen, Schmerzen, Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen) bis hin zum Querschnittssyndrom auftreten.

Diagnose

Die Untersuchungsmethode der Wahl ist das Kernspintomogramm (MRI). Das Computertomogramm (CT) ist wegen Knochenartefakten in der Regel weniger geeignet.

Für besondere Fragestellungen steht ferner das Myelo-CT zur Verfügung. Hier wird ein Kontrastmittel in den Rückenmarkkanal gespritzt, dessen Verteilung anschliessend einerseits in einem gewöhnlichen Röntgenbild der Halswirbelsäule (in mehreren Projektionen) und andererseits in einem CT analysiert wird.

Therapie

In erster Linie wird die Therapie konservativ, das heisst nicht operativ geführt. Falls nicht Lähmungen ein operatives Vorgehen erfordern, ist eine konservative Therapie (Schmerzmittel, Physiotherapie, Arbeitsunterbruch) von 8 Wochen durchaus üblich.

Ein rasches operatives Vorgehen ist bei starken Schmerzen, Lähmungen und Störungen beim Wasserlösen (Harnverhalt, unwillkürlicher Urinabgang) oder Stuhlgang angebracht. Hingegen ist die Operationsindikation bei einer Therapieresistenz mässiger Schmerzen relativ und richtet sich nach Massgabe des Leidensdruckes.

Operative Verfahren

Die Behandlung erfolgt normalerweise mit einem Zugang vorne am Hals. Die Bandscheibe wird mitsamt dem Vorfall unter dem Mikroskop entfernt. Als Platzhalter wird entweder ein Titan- oder Kunststoffring (sog. Cage) oder eine Bandscheibenprothese eingebaut. Das Risiko einer Nerven- oder Rückenmarksverletzung sind klein und liegen weit unter 1 Prozent. Ferner besteht ebenfalls ein kleines Risiko einer meist vorübergehenden Heiserkeit. Das Schlucken ist meist in den ersten Tagen nach der Operation schmerzhaft. Die Hospitalisationszeit beträgt 2-4 Tage.

Wenn der Vorfall weit aussen liegt, kann auch ein Eingriff von hinten (Nacken) in Betracht gezogen werden. Hierbei wird nur der Vorfall entfernt, und die Bandscheibe wird belassen.

Erholungszeit

Nach der Operation muss eine Erholungszeit von ungefähr 6 Wochen einberechnet werden. Diese kann in Abhängigkeit von bestehenden neurologischen Ausfällen und der körperlichen Belastung bei der Arbeit von Fall zu Fall variieren.

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