Schwerpunkt Bandscheibenvorfall - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Schwerpunkt Bandscheibenvorfall

Eine Volkskrankheit: warum?

Der Preis für die Beweglichkeit und Stossdämpferfunktion der Wirbelsäule ist der Verschleiss im sogenannten Wirbelsäulensegment mit zunehmendem Alter. Es kommt zu Knochenverdickungen, Bandlockerungen und der Degeneration der Bandscheibe. Diese Verschleisserscheinungen treten ab dem 20. Lebensjahr ein und werden durch einseitige Belastungen, falsche Körperhaltungen beim Heben oder andere Faktoren beschleunigt.
Sie sind praktisch nicht vermeidbar.

Veränderungen an der Wirbelsäule und Vorwölbungen der Bandscheibe sind bei der Mehrzahl der Menschen im MRT erkennbar, sie haben meist keinen Krankheitswert. Von einer Volkskrankheit spricht man beim Bandscheibenvorfall, weil etwa 5 Pozent aller Menschen mindestens einmal im Leben davon betroffen sind.

Was passiert beim Bandscheibenvorfall?

Die häufigsten Synonyme für einen Bandscheibenvorfall sind Diskushernie, Bandscheibenhernie oder Nucleus Pulposus Prolaps. Sie beschreiben die Pathologie. Durch Risse im ringförmigen Band, dem Anulus fibrosus, tritt Gewebe aus dem Inneren der Bandscheibe in Richtung des Spinalkanals oder der Nervenwurzeln aus.

Steht das Gewebe noch mit dem Inneren der Bandscheibe in Verbindung und wölbt sich der Faserring nur vor, spricht man von einer Bandscheibenprotrusion. Ein echter Bandscheibenvorfall liegt dann vor, wenn das Gewebestück aus dem Inneren der Bandscheibe vollständig abgestossen ist und den Faserring durchbrochen hat. Dieses Bandscheibenstück kann eine beliebige Grösse aufweisen, von wenigen Milimetern bis hin zu 2 Zentimetern. Problematisch wird es, wenn das Bandscheibenstück in den Spinalkanal oder das Neuroforamen austritt und dort Nervenwurzeln oder das Rückenmark komprimiert. Je nach Grösse und Lage des Vorfalls können dann typische Symptome für lumbale, thorakale oder zervikale Bandscheibenvorfälle auftreten. Einzelheiten finden Sie unter den entsprechenden Krankheitsbildern. 

Wann sollte die Möglichkeit einer Operation geprüft werden?

Die meisten Bandscheibenbeschwerden verlieren sich nach wenigen Tagen bis Wochen durch Schonung in der akuten Phase, Medikamente und Physiotherapie. Bessern sich die Schmerzen innerhalb von 6 Wochen nicht deutlich oder liegen stärkste Schmerzen oder ein Kraftverlust vor, sollte man eine operative Entlastung prüfen. Ein absoluter dringlicher Notfall für eine sofortige Zuweisung in die Neurochirurgie liegt dann vor, wenn ein kompletter Kraftverlust eines Muskels oder eine Blasenentleerungsstörung auftritt.

Wie wird operiert?

Die neurochirurgischen Eingriffe beim Bandscheibenvorfall zeichnen sich alle durch die Verwendung des Operationsmikroskopes und minimalinvasiver, mikrochirurgischer Technik aus. Ratsam ist es, mit dem kleinsten und schonendsten Verfahren zu beginnen. Je nach Bandscheibenvorfall kann, vor allem an der Halswirbelsäule, auch ein Bandscheibenersatz sinnvoll sein. Die operativen Techniken – mikrochirurgisch, endoskopisch, mit oder ohne Implantat – unterscheiden sich je nach Lage des Bandscheibenvorfalls. In der Neurochirurgie am Inselspital ist die Bandscheibenoperation einer der häufigsten Eingriffe. Vollendoskopische oder assistiert endoskopische Techniken können bei bestimmten Bandscheibenvorfällen die Operation weiter verkleinern und die Genesung verbessern.

Mehr Informationen finden Sie unter:

lumbaler Bandscheibenvorfall (Lendenwirbelsäule)

thorakaler Bandscheibenvorfall (Brustwirbelsäule)

zervikaler Bandscheibenvorfall (Halswirbelsäule)

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