Tiefenhirnstimulation - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Tiefenhirnstimulation

Was versteht man unter der Tiefen Hirnstimulation?

Aufnahme einer «Tiefen Hirnstimulation» - Operation. Der stereotaktische Rahmen am Kopf des Patienten erlaubt es, spezielle Kerngebiete des Gehirns als vordefinierte Zielpunkte durch ein kleines Bohrloch im Schädel mit einer Genauigkeit im Bereich von weniger als einem Millimenter zu erreichen.
(Foto: FGZ, Inselspital)

Die Tiefe Hirnstimulation, anglo-amerikanisch auch Deep Brain Stimulation (DBS) genannt, ist ein minimalinvasiver neurochirurgischer Präzisionseingriff, bei dem einem Patienten feinste Elektroden zur chronischen Stimulation umschriebener Kerngebiete des Gehirns implantiert werden. Dort korrigieren sie krankhafte Fehlleistungen, normalisieren die Hirnfunktion und führen damit zu einer deutlichen Besserung der Symptome.

Weltweit wurden bisher schon über 100‘000 dieser Eingriffe durchgeführt. Das Inselspital kann diesbezüglich auf eine lange Tradition zurückblicken und verfügt über immense Erfahrung, hohe Kompetenz und grosses multidisziplinäres Expertenwissen. Mit jährlich rund 60 Erstoperationen zur Implantation von DBS-Elektroden und zahlreichen Begleiteingriffen werden in Bern die meisten derartiger Operationen in der ganzen Schweiz durchgeführt. Zudem zählt unsere Klinik auch über die Grenzen des Landes hinaus zu einem der geschichtsträchtigsten, grössten und erfahrensten Zentren dieser Art.

Welches sind die Anwendungsgebiete der Tiefen Hirnstimulation?

Die Tiefe Hirnstimulation erfolgt bei geeigneten Patienten, bei denen Medikamente nicht oder nicht mehr zu einer ausreichenden Besserung der Symptome führen oder mit schweren Nebenwirkungen verbunden sind. Zudem konnten Studien zeigen, dass bei einigen Erkrankungen bereits der frühzeitige Einsatz dieser Methode durchaus vorteilhaft sein kann. Die Tiefe Hirnstimulation in ihrer modernen Form ist seit fast 30 Jahren erprobt, als Behandlungsmethode lange schon in der klinischen Routine zugelassen und gehört fest zum Leistungskatalog der Krankenkassen.

Die Tiefe Hirnstimulation hat sich als eine effektive Methode zur Behandlung zahlreicher unterschiedlicher Krankheiten bewährt. Die häufigsten Indikationen sind Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, Tremor und Dystonien. Seltenere Anwendungsgebiete stellen Epilepsien, Schmerzsyndrome und psychiatrische Erkrankungen dar. Die Ergebnisse vieler angesehener Studien sind so vielversprechend, dass in Zukunft immer mehr Erkrankungen mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt werden können.

Wie sind die Erfolgsaussichten und Risiken der Tiefen Hirnstimulation?

Die Tiefe Hirnstimulation ist ein modernes weltweit etabliertes Operationsverfahren, gilt als sehr risikoarm und ist mit einer hohen Erfolgsrate verbunden. Zahlreiche internationale Studien belegen mittlerweile die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlungsmethode.

Die Tiefe Hirnstimulation kann die jeweilige zugrunde liegende Erkrankung an sich nicht heilen. Durch ihre Anwendung können jedoch sowohl die Symptome der unterschiedlichen Krankheiten deutlich und anhaltend gelindert und die Lebensqualität des betroffenen Patienten merklich verbessert als auch der weitere Verlauf der Erkrankungen günstig beeinflusst und die Medikamentenmengen zunehmend reduziert werden.

Zu Beginn der Stimulation können möglicherweise vorübergehend geringe Nebenwirkungen auftreten, die gut behandelbar und reversibel sind. Das Risiko bleibender Begleiterscheinungen, schwerwiegender Komplikationen und einer dauerhaften Schädigung des Patienten ist insgesamt minim.

Die Erfolgsaussichten in der Behandlung mit einer Tiefen Hirnstimulation in unserem Zentrum sind sehr erfreulich und hoch. Je nach Art der behandelten Erkrankung kommt es in bis zu über 80 Prozent der Fälle zu einer Besserung oder gar Beseitigung der Symptome. Hingegen sind die möglichen Risiken insbesondere einer relevanten und dauerhaften Beeinträchtigung mit rund 1 Prozent als sehr gering einzuschätzen.

Wie verläuft die Tiefe Hirnstimulation?

Bevor die Indikationsstellung zur Durchführung einer Tiefen Hirnstimulation erfolgt, werden die Patienten im interdisziplinären Zentrum für Bewegungsstörungen des Inselspitals von verschiedenen Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen sorgfältig beurteilt und die Eignung zu einem solchen Eingriff wie auch die Erfolgsaussichten der Behandlung kritisch überprüft.

Im Vorfeld der Operation erfolgt neben vielen anderen Untersuchungen üblicherweise eine hochauflösende Magnet-Tomographie (MRI) des Gehirns, die zur Planung des Eingriffes herangezogen wird.

Am Morgen der Operation erhalten unsere Patienten unter örtlicher Betäubung einen stereotaktischen Rahmen und daraufhin eine nur wenige Minuten dauernde computertomographische Untersuchung (CT). Auf diese Weise lässt sich zusammen mit dem MRI eine Art dreidimensionales anatomisches Koordinatensystem erstellen, das uns eine exakte computergestützte Festlegung des späteren Zielgebietes im Gehirn in einer Genauigkeit von weniger als einem Millimeter ermöglicht.

Im Operationssaal selbst werden nun über minime Eröffnungen des knöchernen Schädels zunächst kleinste Sonden in das Zielgebiet im Gehirn eingeführt, über die eine Mikrostimulation, das heisst eine Ableitung von für die jeweiligen Hirnkerne charakteristischen elektrischen Strömen erfolgen kann. Anschliessend führen wir eine sogenannte Makrostimulation der entsprechenden Gehirnareale durch. Hierbei kann bereits intraoperativ am wachen Patienten die optimale Lage der Elektroden und die erwünschte Wirkung der Stimulation beurteilt wie auch mögliche spätere Nebenwirkungen vermieden werden. Nun werden die Mikrosonden wieder entfernt und unmittelbar durch die im Gehirn verbleibenden Stimulationselektroden ersetzt. Nach Beendigung des Eingriffes erfolgt eine abschliessende CT-Untersuchung zur Kontrolle der Elektrodenlagen und der stereotaktische Rahmen wird abgelegt.

Die Durchführung der Tiefen Hirnstimulation dauert wenige Stunden, ist insgesamt sehr gut für die Patienten tolerabel, potentiell reversibel und kann jederzeit individuell angepasst werden. Während des Eingriffes können dem wachen Patienten bei Bedarf beruhigende und schmerzlindernde Medikamente von den Narkoseärzten verabreicht werden. Nur in seltenen Fällen, beispielsweise bei Kindern, unkooperativen Patienten oder schwersten Krankheitssymptomen wie in Fällen der Dystonie, die eine Durchführung des Eingriffes in örtlicher Betäubung unmöglich machen, wird der gesamte Eingriff in Vollnarkose durchgeführt.

Am Folgetag der Operation implantieren wir während eines Kurzeingriffes von weniger als einer Stunde in Vollnarkose unter dem Schlüsselbein im Brustbereich oder alternativ unter dem Rippenbogen und der Bauchhaut den sogenannten Neurostimulator. Dieser ist in Aussehen, Grösse und Lage einem Herzschrittmacher vergleichbar, wird an die unter der Haut verlegten Elektrodenkabel angeschlossen und dient als Impulsgeber, der nun dauerhaft elektrische Reize an die jeweilige Zielregion im Gehirn abgeben kann. Die Einstellungen des Hirnschrittmachers und die Parameter der Stimulation können über ein externes Programmiergerät durch die Haut hindurch vom behandelnden Arzt jederzeit beliebig verändert werden. Zudem hat der Patient selbst die Möglichkeit, mit Hilfe seines eigenen kleinen Handgerätes das Implantat selbstständig ein- und auszuschalten und bei Bedarf gewisse Änderungen der Einstellung vorzunehmen.
Während der stationären postoperativen Phase erfolgt langsam und behutsam über viele Tage hinweg die Anpassung der Stimulationsparameter um schliesslich eine optimale Behandlung der Symptome zu erzielen. Dies bedarf etwas Geduld und erfolgt üblicherweise zunächst in der Klinik für Neurologie des Inselspitals, anschliessend in einer geeigneten Rehabilitationsklinik.

Im ambulanten postoperativen Verlauf werden unsere Patienten neben der Nachsorge durch die niedergelassenen ärztlichen Kollegen regelmässig zu Untersuchungen im interdisziplinären Zentrum für Bewegungsstörungen aufgeboten um den Erfolg der Behandlung beurteilen und gegebenenfalls Anpassungen der Stimulation durchführen zu können.

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