Neuroendoskopie - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Neuroendoskopie

A: Endoskopischer Zugangsweg zum Ventrikelsystem (violett) B: Endoskopischer Zugangsweg zur Schädelbasis durch die Nase
Endoskopische Sicht vom rechten Seitenventrikel zum Boden des 3. Ventrikels
Grosse Arachnidalzyste im 3. Ventrikel, die den Abfluss des Liquors durch das Foramen Monro blockiert und zu einem Hydrocephalus führte.
Vollendoskopische Entfernung eines Subependymoms im Seitenventrikel.

Moderne Endoskope sind spezialisierte Instrumente, die über eine Linsenoptik mit einem Kamerasystem und einer Lichtquelle verbunden sind. Sie liefern über kleinste Zugänge hervorragende Bilder in HD-Qualität aus tief gelegenen Operationsgebieten oder einem Hohlraum (z.B. den Hirnkammern oder Zysten). Gleichzeitig können über Endoskopiesysteme Mikroinstrumente eingeführt werden, um operative Eingriffe über einen minimalinvasiven Zugang unter voller visueller Kontrolle durchzuführen.

Wie werden Endoskope in der Neurochirurgie verwendet?

Endoskope werden einerseits genutzt, um mikrochirurgische Operationen zu unterstützen, zum Beispiel um einen besseren Einblick in schwer einsehbare Bereiche zu gewinnen. Andererseits können verschiedene Eingriffe, insbesondere im Bereich der Hirnkammern, rein endoskopisch durchgeführt werden. Bei Bedarf können Endoskope in Kombination mit einem Neuronavigationssystem genutzt werden, um neben der visuellen Kontrolle zusätzliche Orientierungssicherheit zu geben. Daneben wird bei diesen Eingriffen häufig der Laser verwendet.

Welche Operationen werden mit dem Endoskop durchgeführt?

Neuroendoskopische Operationsverfahren werden am Ventrikelsystem und der Schädelbasis routinemässig eingesetzt. Allerdings planen wir Operationen und den Einsatz verschiedenster Operationstechniken individuell. Das geeignete Operationsverfahren wird im Rahmen der Beratung in unserer Sprechstunde und im Rahmen der präoperativen Operationsaufklärung genau erläutert.

Bei folgenden Krankheitsbildern kann eine rein endoskopische oder eine endoskopisch-assistierte Operation sinnvoll sein:

Hydrocephalus

Die Behandlung eines Hydrocephalus besteht meistens darin, eine Liquorableitung über einen ventrikuloperitonealen Shunt herzustellen. Einzelne Formen des Hydrocephalus erlauben es, alternativ über einen vollendoskopischen Eingriff die Liquorzirkulation wiederherzustellen und so die Implantation eines Drainagesystems zu vermeiden. Dies kommt dann in Betracht, wenn die Liquorabflusswege blockiert sind, zum Beispiel bei angeborenen Stenosen, Zysten oder Tumoren.

Arachnoidalzysten

Sie sind meistens asymptomatisch und bedürfen nur selten einer Behandlung. Symptomatische oder im Verlauf grössenprogrediente Zysten können eine Zystenfensterung notwendig machen. Abhängig von der Lokalisation und der radiologischen Befunde kann eine rein endoskopische minimalinvasive Zystenfensterung durchgeführt werden.

Kolloidzysten

Kolloidzysten liegen häufig im 3. Ventrikel und können je nach Lage und Grösse die Liquorabflusswege blockieren. Wenn eine chirurgische Zystenresektion notwendig ist, kann diese aufgrund der Lokalisation im Ventrikelsystem abhängig von Lage und Grösse entweder mikrochirurgisch oder in günstigen Fällen rein endoskopisch entfernt werden.

Tumoren

Hirntumore werden in der Regel mikrochirurgisch operiert. Eine Ausnahme bilden Tumore im Bereich des Ventrikelsystems. Diese müssen nicht immer chirurgisch entfernt werden, einige Tumorarten sprechen gut auf andere Behandlungsformen an. Eine histologische Diagnosesicherung ist aber in der Regel notwendig. Wenn der Tumor im Ventrikelsystem liegt oder an dieses angrenzt ist eine endoskopische Biopsie durch das Ventrikelsystem möglich. Der Vorteil der endoskopischen Biopsie sind die hervorragende visuelle Kontrolle einerseits zur Gewebentnahme, andereseits zur Blutstillung. In gewissen Fällen ist auch eine voll endoskopische Entfernung eines intraventrikulären Tumors, ggf. mit einem Laser, möglich.

Hypophysentumoren/Schädelbasischirurgie

Endoskope ermöglichen es dem Chirurgen, auch über einen langen und schmalen Zugangsweg eine hervorragenden Ausleuchtung des Operationsgebietes und eine entsprechend gute Bildqualität des Operationssitus zu erhalten. Endoskope bieten zudem die Möglichkeit, über abgewinkelte Optiken Einblick in Bereiche des Operationsgebietes zu erlangen, welche über den direkten Blick durch das Operationsmikroskop nicht einsehbar sind. So kann auch in diesen Bereichen die vollständige Tumorresektion visuell kontrolliert werden.

Operationen im Bereich von Hirnnerven und des Hirnstamms

Im Bereich des Hirnstammes und der Hirnnerven liegen viele empfindliche Strukturen auf sehr engem Raum zusammen. Bei Operationen in diesem Bereich erlaubt das Endoskop ohne Manipulation den Blick hinter diese Strukturen, um die individuellen anatomischen Verhältnisse zu verstehen und Ursachen für Störungen zu finden. Dazu gehört z.B. eine pulsierende Gefässschlinge als Ursache für eine Trigeminusneuralgie oder einen Hemispasmus facialis (Spasmus hemifacialis). Bei der mikrovaskulären Dekompression kann die Entlastung des Nervs gut mit dem Endoskop visualisiert werden.

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