Fragen und Antworten - Inselspital Bern - Neurochirurgie

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Fragen und Antworten

Welche Vorteile hat eine radiochirurgische Behandlung?

Die Behandlung erfolgt an einem einzigen Tag und kommt ohne chirurgische Öffnung des Schädels aus. Aus diesem Grund kann ein Grossteil der Behandlungen ambulant durchgeführt werden (Ein- und Austritt am gleichen Tag), eine Behandlung dauert zwischen 20 Minuten und 1,5 Stunden, abhängig von Grösse und Zahl der zu behandelnden Läsionen. Die Patienten können nach kurzer Zeit bereits wieder zu ihren täglichen Verpflichtungen zurückkehren (Niederlegung der beruflichen Tätigkeit für 1-2 Tage). Die radiochirurgische Behandlung wird von den Krankenversicherern übernommen und bedarf keiner individuellen Kostengutsprache.

Wie funktioniert Radiochirurgie?

Die Empfindlichkeit von Zellen gegenüber ionisierender Strahlung ist in den Geweben des Körpers sehr unterschiedlich und hängt in hohem Masse davon ab, wie schnell sich ein Gewebe regeneriert bzw. wie schnell es wächst. Dabei gibt es in jedem Gewebe Zellen (auch in Tumoren), die sehr unempfindlich gegenüber Strahlen sind, da sie sich in einem „Schlafzustand“ befinden, in dem ihr Erbgut, die DNA, stark kompaktiert vorliegt und Reparaturmechanismen wirksam die durch Bestrahlung erfolgten DNA-Schäden ausgleichen können (sog. G0-Phase). Bei sich schnell teilenden Geweben befindet sich zu jedem Zeitpunkt ein grosser Anteil der Zellen in der Phase der Zellteilung. Während dieser Phase ist das Erbgut besonders empfindlich gegenüber ionisierenden Strahlen. Bei konventioneller (fraktionierter) Bestrahlung versucht man durch Bestrahlung an mehreren Tagen hintereinander den Anteil der zerstörten Tumorzellen zu erhöhen. Die Radiochirurgie nutzt hingegen durch das besondere Verfahren der Strahlen-Fokussierung den Umstand aus, dass auch Zellen in Ruhephasen durch eine sehr hohe Strahlendosis ausreichend geschädigt werden können.

Welches Gerät wird eingesetzt?

An unserer Klinik kommt eines der modernsten Geräte zur radiochirugischen Behandlung, ein Novalis TX-Bestrahlungsgerät (Varian und BrainLab AG) zum Einsatz. Im Prinzip handelt es sich um einen Linearbeschleuniger, der zur fokussierten Bestrahlung eines Zieles um den Patienten herum bewegt wird. Die austretenden Strahlen treffen sich alle in einem Punkt, so dass hier eine hohe Strahlendosis erreicht werden kann, die zur Zerstörung auch wenig strahlenempfindlicher Strukturen eingesetzt werden kann. Dagegen ist die Strahlendosis im umgebenden Gewebe nur minimal. Anders als beim sehr verbreiteten Gamma-Knife wird die Strahlung nicht von einer radioaktiven Substanz (Cobalt-60) erzeugt, sondern von einem Apparat ähnlich einer Röntgenröhre (Linearbeschleuniger). Dadurch ist die austretende Strahlendosis genau bekannt und nimmt nicht mit dem Alter (und Zerfall) der Strahlenquelle ab.

Wie wird die Form des Tumors und benachbarte Strukturen berücksichtigt?

Eine besondere Eigenschaft des Novalis TX-Bestrahlungsgerätes ist die optionale Verwendung eines Multileaf-Kollimators. Kollimatoren werden die Abschirmungen aus dicken Bleiplatten genannt, welche letztendlich den austretenden Strahl formen. Der Multileaf-Kollimator kann dabei während der Umfahrung der Zielstruktur die Form des Strahls verändern und so gleichzeitig komplexe Strukturen (nicht jeder Tumor ist kugelrund) besser erfassen, sowie auch besonders strahlenempfindliche Strukturen (Sehnerven, Hirnstamm) aus dem Bestrahlungsfeld ausblenden, damit diese möglichst gar keine Strahlendosis erhalten.

Warum muss der Kopf fixiert werden?

Es ist wichtig, dass sich der Kopf bei dieser Behandlung nicht bewegt. Auch Bewegungen um Millimeter können bereits dazu führen, dass eine Bestrahlung nicht am optimalen Zielpunkt erfolgt. Dazu gibt es zweierlei Möglichkeiten: Der Kopf kann durch eine individuell angefertigte Kunststoffmaske fixiert werden. Dies erfolgt am Behandlungstag, dauert insgesamt nur wenige Minuten und wird von den Patienten als wenig unangenehm empfunden. Noch höhere Sicherheit gibt die Verwendung eines stereotaktischen Rahmens. Dabei handelt es sich um einen viereckigen Metallrahmen, der in örtlicher Betäubung mit vier Schrauben am Schädelknochen fixiert wird. Auch diese Prozedur ist schmerzlos, jedoch natürlich trotzdem für den Patienten etwas unangenehmer. Der Rahmen erlaubt jedoch eine optimale Fixierung des Kopfes im Gerät und ist die bevorzugte Methode bei Behandlung sehr kleiner Ziele (z.B. Trigeminusneuralgie).
Zusätzlich ist das Gerät in der Lage, durch im Fussboden eingelassene Röntgenröhren in kurzen Abständen die Position des Kopfes zu überprüfen und die Ausrichtung der Strahlenquelle bei der Umfahrung des Kopfes zu korrigieren. Das funktioniert so schnell, dass bei der Behandlung von Tumoren, beispielsweise im Brustkorb, sogar die Atembewegungen ohne Probleme ausgeglichen werden können.

Was ist der Unterschied zwischen einer radiochirurgschen Behandlung und fraktioneller Bestrahlung?

Die radiochirurgische Behandlung ist in der Regel eine sogenannte Einzeitbestrahlung und unterscheidet sich damit, wie oben schon erwähnt, prinzipiell von den fraktionierten Bestrahlungen. Letztere sind nicht in der gleichen Weise fokussiert und erzielen eine weitgehend selektive Schädigung des pathologischen Gewebes dadurch, dass durch die Gabe der Gesamt-Strahlendosis in kleinen Portionen (1-2 Gray pro Sitzung) das gesunde Gewebe sich zwischen den Behandlungen wieder erholen kann, das krankhafte (strahlenempfindliche und meistens schneller sich teilende Gewebe) dagegen weniger gut. Dies setzt jedoch eine Empfindlichkeit des zu behandelnden Gewebes gegenüber radioaktiver Strahlung voraus. Die Radiochirurgie kann auch wenig strahlenempfindliche Gewebe behandeln, da sie durch die millimetergenaue Bestrahlung eines Zielvolumens in diesem eine sehr hohe Strahlendosis erzielen kann bei gleichzeitiger Schonung des umgebenden, oft gleich strahlenempfindlichen, Gewebes.

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