Angina pectoris («Brustenge») bezeichnet Schmerzen im Brustbereich, oft verbunden mit einem starken Engegefühl. Ursache ist meist eine Erkrankung der Herzkranzgefässe: Durch Arteriosklerose sind diese verengt, sodass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Bleiben die Beschwerden trotz Medikamenten oder operativen Eingriffen bestehen, spricht man von einer refraktären Angina pectoris (RAP). Zur Behandlung dieses belastenden Schmerzsyndroms kann eine Form der Neuromodulation eingesetzt werden: die Rückenmarkstimulation. Erfahren Sie hier, wie wir Sie in der Klinik für Neurochirurgie mit dieser Therapie unterstützen können.

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Wie wird eine Angina pectoris eingeteilt?

Die Angina pectoris (AP) kann nach dem Schema der Canadian Cardiovascular Society (CCS) in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt werden *:

  • Grad I: AP bei grosser Anstrengung
  • Grad II: AP bei moderater Anstrengung (rasches Treppensteigen, Aufwärtsgehen)
  • Grad III: AP bei leichter Anstrengung (Treppensteigen)
  • Grad IV: AP in Ruhe

Falls die Beschwerden länger als 3 Monate auftreten oder trotz Medikamenten, interventionellen Verfahren (Angioplastie) oder operativen Verfahren (Bypassoperation) anhalten, werden sie als chronisch bezeichnet. Es handelt sich dann um eine sogenannte refraktäre Angina pectoris (RAP).

Wie wird eine Angina pectoris behandelt?

Konventionelle Therapie

Die normale Therapie einer Angina pectoris bzw. der zugrundeliegenden koronaren Herzerkrankung, sieht Folgendes vor:

  • Ausschaltung der individuellen Risikofaktoren
  • medikamentöse Therapie
  • Operationen zur Wiederherstellung der Gefässdurchblutung (Bypass, Stents, Angioplastie)

Neuromodulation

Bei Patienten mit Angina pectoris Grad III oder IV, bei denen die konventionellen Therapien ausgeschöpft sind und die weiter unter anhaltenden Schmerzen leiden, handelt es sich um eine refraktäre Angina pectoris. Hier ist ein Verfahren der Neuromodulation, die sogenannte Rückenmarkstimulation (engl. spinal cord stimulation oder SCS), eine empfohlene Therapieoption.

Mit Hilfe der Rückenmarkstimulation können nicht nur anhaltende Schmerzen gelindert, sondern auch die Durchblutung des Herzens und somit die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Die Therapie einer refraktären Angina pectoris mit Rückenmarkstimulation ist sicher und reversibel und wird unter anderem von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen *.

Mehr zur Rückenmarkstimulation

Wie wirkt die Rückenmarkstimulation?

In welcher Weise die Rückenmarkstimulation genau wirkt, konnte noch nicht abschliessend geklärt werden. Eine Vielzahl an Mechanismen scheint daran beteiligt zu sein: zum einen die Regulation von Schmerzsignalen im Herz, zum anderen wohl auch die Modulation des sympathischen autonomen Nervensystems. Im Ergebnis führen die Effekte zu weniger Rhythmusstörungen und einer verbesserten Durchblutung des Herzens*.

Studien zur Rückenmarkstimulation

Es gibt mehrere prospektive randomisierte Studien sowie einen systematischen Review-Artikel * und eine Meta-Analyse *, die die Effekte der Rückenmarkstimulation untersucht haben.

Insgesamt konnte gezeigt werden, dass die Rückenmarkstimulation eine statistisch signifikante Reduktion der Schmerzintensität bewirkt.

Ausserdem nimmt die Häufigkeit der Schmerzsymptome ab, so dass die Einnahme von Nitroglyzerin reduziert werden kann.

Bei Patienten nach Rückenmarkstimulation kann eine Verbesserung nach CCS-Schema um mehr als 2 Grade erzielt werden, was die Lebensqualität der Betroffenen insgesamt deutlich verbessert.

Referenzen

  1. Mannheimer C, Augustinsson L, Carlsson C, Manhem K, Wilhelmsson C. Epidural spinal electrical stimulation in severe angina pectoris. Heart. 1988;59(1):56-61.

  2. Campeau L. Letter: Grading of angina pectoris. Circulation. 1976;54(3):522-523.

  3. Knuuti J. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of chronic coronary syndromes The Task Force for the diagnosis and management of chronic coronary syndromes of the European Society of Cardiology (ESC). Russian Journal of Cardiology. 2020;25(2):119-180.

  4. Coote J, Chauhan R. The sympathetic innervation of the heart: Important new insights. Autonomic Neuroscience. 2016;199:17-23.

  5. Tsigaridas N, Naka K, Tsapogas P, Herios Pelechas E, Damigos D. Spinal cord stimulation in refractory angina. A systematic review of randomized controlled trials. Acta Cardiologica. 2015;70(2):233-243.

  6. Pan X, Bao H, Si Y, Xu C, Chen H, Gao X, Xie X, Xu Y, Sun F, Zeng L. Spinal Cord Stimulation for Refractory Angina Pectoris: A Systematic Review and Meta-analysis. Clin J Pain. 2017 Jun;33(6):543-551.