Hirntumoren

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Ein Hirntumor ist eine Gewebeveränderung im Gehirn, die durch das unkontrollierte Wachstum von Zellen entsteht. Er kann direkt aus Zellen des Gehirns hervorgehen oder als Tochtergeschwulst (Metastase) eines Tumors aus einem anderen Organ entstehen.

Qualität
Zertifiziertes Hirntumorzentrum
2000 Fälle
im interdisziplinären Tumor-Board pro Jahr
9,1 von 10
Topnote in der Weiterempfehlung durch unsere Patienten

Welche Arten von Hirntumoren gibt es?

Eine Einteilung der Hirntumoren erfolgt nach Kriterien wie zellulärem Ursprung, Wachstumsgeschwindigkeit oder Prognose.

Primäre und sekundäre Hirntumoren

Hirntumoren werden nach ihrem Ursprung und ihren molekularen Eigenschaften eingeteilt. Entstehen sie aus Zellen des Gehirns, spricht man von primären Hirntumoren. Entwickeln sie sich dagegen aus Tumorzellen anderer Organe, handelt es sich um sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt.

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Absiedlungen eines Tumors aus einer anderen Körperregion (Primärtumor). Krebszellen können über das Blut oder die Lymphbahnen in das Gehirn gelangen und sich dort ansiedeln. Häufige Primärtumoren, die ins Gehirn streuen, sind Lungenkrebs, Brustkrebs und schwarzer Hautkrebs (Melanom).

Gutartige, intermediäre und bösartige Hirntumoren

Hirntumoren werden nach ihrem Wachstumsverhalten eingeteilt:

Gutartige Tumoren wachsen meist langsam und sind oft klar vom umliegenden Gewebe abgegrenzt.

Intermediäre Tumoren zeigen ein Verhalten zwischen gutartig und bösartig und können teilweise in das umliegende Gewebe hineinwachsen.

Bösartige Tumoren wachsen häufig schneller und infiltrieren das Gehirngewebe.

Die Einteilung ist jedoch nicht immer eindeutig. Einige Tumoren wachsen langsam, verhalten sich aber dennoch infiltrierend, und ursprünglich weniger aggressive Tumoren können sich im Verlauf verändern.

WHO-Klassifikation der primären Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt primäre Hirntumoren in vier Grade ein (WHO-Grad 1–4). Grundlage sind das Wachstumsverhalten, die Tumorzellen sowie molekulare Merkmale. Sie sind entscheidend für die Therapieplanung.

WHO-Grad 1: Gutartige Tumoren, die langsam wachsen und meist eine günstige Prognose haben. 

WHO-Grad 2: Tumoren mit eher langsamem Wachstum, die jedoch wiederkehren oder sich im Verlauf verändern können. 

WHO-Grad 3: Bösartige Tumoren mit aggressiverem Wachstum und erhöhter Rückfallneigung. 

WHO-Grad 4: Sehr bösartige Tumoren, die schnell wachsen und das Gewebe stark infiltrieren.

Übersicht über verschiedene Hirntumorarten

Welche Symptome gibt es bei einem Hirntumor?

Je nach betroffener Hirnregion kann ein Hirntumor sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Eine Früherkennung ist deshalb oft schwierig. Er kann sich plötzlich durch einen epileptischen Anfall bemerkbar machen oder auch zunächst nur unspezifische Beschwerden auslösen, die bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen. Die Lage des Tumors im Gehirn ist entscheidend für die Symptome.

Mögliche Symptome sind:

  • Epileptische Anfälle
    Durch eine Übererregbarkeit des gesunden Gewebes am Tumorrand.
  • Ausfälle oder Funktionsstörungen
    Störungen von Sprache, Motorik, Sensibilität, Sehen, Denken, Gedächtnis, Gleichgewicht, Orientierung, Stimmung, Verhalten, Wachheit, Antrieb oder Sozialverhalten durch Druck auf oder Infiltration des umliegenden Gehirngewebes.
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
    Bei fortgeschrittenen Tumoren kann ein erhöhter Hirndruck diese Symptome verursachen.
  • Psychische und kognitive Veränderungen
    Befindet sich der Tumor in funktionell weniger «kritischen» (nicht-eloquenten) Hirnarealen, kann er längere Zeit unbemerkt bleiben. Dann treten häufig unspezifische Veränderungen wie Müdigkeit, Vergesslichkeit, Wesensveränderung, Desorientierung oder Verwirrtheit auf. Bei Diagnosestellung bestehen die Symptome meist seit Wochen bis wenigen Monaten.

Wie wird ein Hirntumor diagnostiziert?

Ein Hirntumor wird in der Regel mittels Magnetresonanztomografie (MRT oder MRI) diagnostiziert. Sie liefert detaillierte Bilder des Gehirngewebes. Mithilfe verschiedener Sequenzen können unterschiedliche Eigenschaften eines Tumors dargestellt werden.

Je nach Befund kann die MRT bereits sehr klare Hinweise auf einen Hirntumor geben, sodass eine Operation der nächste Schritt ist. In anderen Fällen bleibt die Diagnose zunächst unklar, sodass eine Gewebeentnahme (Biopsie) zur sicheren Abklärung notwendig ist.

Eine Früherkennung durch Bluttests oder Screening-Untersuchungen ist derzeit nicht möglich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die weitere Behandlung unterscheidet sich je nach Tumor. Genauere Informationen zu den Therapiemöglichkeiten finden sich bei den einzelnen Hirntumoren.

Zertifiziertes Hirntumorzentrum

Am Inselspital wird individuell für jeden Patienten eine bestmögliche Behandlungsstrategie festgelegt. Dies geschieht im zertifizierten Hirntumorzentrum, wo ein interdisziplinäres Team alle Therapieoptionen individuell für jeden einzelnen Patienten diskutiert und festlegt.

Dieses wöchentlich stattfindende Tumor-Board setzt sich aus Spezialisten der Neurochirurgie, Neurologie, Neuroonkologie, Nuklearmedizin, Radioonkologie sowie Pathologie zusammen.

Hirntumorzentrum

Operation eines Hirntumors

Die Operation eines Hirntumors verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll der Tumor möglichst vollständig entfernt werden, zum anderen sollen wichtige Hirnfunktionen erhalten bleiben.

Ein gutartiger Hirntumor kann nach vollständiger Entfernung in der Regel geheilt werden. Bei bösartigen Tumoren wie dem Glioblastom verbessert eine möglichst vollständige Entfernung die Prognose und das Überleben, auch wenn eine Heilung meist nicht möglich ist.

Am Inselspital setzen wir moderne Verfahren wie Neuronavigation, intraoperativen Ultraschall, intraoperatives MRI sowie Fluoreszenztechniken ein, um die Tumorgrenzen möglichst genau zu erkennen.

Vorrang hat jedoch immer der Erhalt der Hirnfunktionen. Deshalb wird ein kleiner Tumorrest bewusst in Kauf genommen, wenn dadurch neurologische Schäden vermieden werden können. Dieser Rest kann bei gutartigen Tumoren über Jahre kontrolliert oder gegebenenfalls radiochirurgisch behandelt werden. Bei bösartigen, infiltrativ wachsenden Tumoren ergänzen Bestrahlung und Chemotherapie die Behandlung.

Um das Risiko für bleibende Funktionsstörungen zu minimieren, werden wichtige Hirnfunktionen während der Operation kontinuierlich überwacht.

Funktionsüberwachung bei Operationen

Nach der Operation

Die meisten Patientinnen und Patienten können 5–7 Tage nach der Operation nach Hause entlassen werden. Anschliessend erfolgt in der Regel ein Termin zur Besprechung der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) des entfernten Tumorgewebes.

Treten nach der Operation neurologische Einschränkungen wie Sprach- oder Bewegungsstörungen auf, kann eine stationäre neurologische Rehabilitation sinnvoll sein. Bei leichteren Beschwerden unterstützen ambulante Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie die Rückkehr in den Alltag.

Bei gutartigen und einigen intermediären Tumoren sind regelmässige Nachkontrollen mit MRT-Untersuchungen ausreichend. Die Kontrollintervalle richten sich nach der Tumorart und den Empfehlungen des interdisziplinären Tumorboards.

Ist eine ergänzende Strahlen- und/oder Chemotherapie erforderlich, erfolgen die weiteren Verlaufskontrollen in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten der Onkologie und Radio-Onkologie.

Chemotherapie

Um das Wiederauftreten eines Tumors nach einer Operation oder das Wachstum eines Tumorrests zu verhindern, kann je nach molekularen Eigenschaften und Tumorgrad eine ergänzende (adjuvante) Chemotherapie sinnvoll sein. Chemotherapeutika sind Medikamente, die das Erbgut (DNA) von Tumorzellen schädigen und so deren Wachstum hemmen.

Bei hochgradigen hirneigenen Tumoren (Gliomen) wird häufig eine kombinierte Behandlung aus Strahlentherapie und Chemotherapie mit Temozolomid (Temodal®) durchgeführt. Dieses Medikament wird in Kapselform eingenommen und in der Regel gut vertragen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie (Radiotherapie) ist ein zentraler Baustein in der Behandlung von Hirntumoren. Sie wird häufig ergänzend nach einer Operation eingesetzt, insbesondere bei höhergradigen Tumoren wie hochgradigen Gliomen. Ziel der Behandlung ist es, den Zellteilungsprozess der Tumorzellen zu stören, verbliebene Krebszellen zu zerstören und ein weiteres Tumorwachstum zu verhindern.

Die hochenergetischen Röntgenstrahlen werden mit einem Linearbeschleuniger erzeugt und präzise auf die Tumorregion ausgerichtet, sodass das umliegende gesunde Hirngewebe möglichst geschont wird. Die Behandlung erfolgt in der Regel als konventionell fraktionierte Radiotherapie über mehrere Wochen. Ein typisches Standardprotokoll umfasst 30 Sitzungen mit jeweils 2 Gy, entsprechend einer Gesamtdosis von 60 Gy.

Radiochirurgie

Eine Radiochirurgie ist eine stark fokussierte, hochdosierte, ein- bis fünfmalige Bestrahlung. Sie wird vor allem bei kleinen, gut abgrenzbaren Tumoren als Alternative zur Operation eingesetzt. Am Inselspital wird hierfür das CyberKnife-System, eingesetzt. Dabei wird die Strahlung millimetergenau mit einem robotergesteuerten System auf den Tumor fokussiert, um das umliegende Gewebe bestmöglich zu schonen.

Studien zur Behandlung von Hirntumoren

Infiltrierende bösartige oder intermediäre Tumoren müssen nach der Operation häufig zusätzlich behandelt werden. Da herkömmliche Chemotherapien nicht immer ausreichend wirksam sind, wird weltweit intensiv nach neuen Therapieansätzen geforscht.

Diese neuen Behandlungen müssen in streng kontrollierten und behördlich genehmigten klinischen Studien geprüft werden, bevor sie in der Routine eingesetzt werden können.

Wir unterstützen unsere Patientinnen und Patienten dabei, geeignete Studien für ihre individuelle Situation zu finden.

Studien der Universitätsklinik für Neurochirurgie

Warum Sie sich am Inselspital behandeln lassen sollten

Am Inselspital ist die intraoperative Funktionsüberwachung ein zentraler klinischer Schwerpunkt und zugleich ein international anerkanntes Aushängeschild der Neurochirurgie. Wir verfügen in diesem Bereich über eine langjährige Expertise und zählen zu den führenden Zentren.

Zum Einsatz kommen unter anderem:

Funktionsüberwachung bei Operationen