Neuronavigation ist ein computergestütztes Verfahren, das präzises Navigieren im Gehirn und an der Wirbelsäule ermöglicht. Dabei werden Bilder aus einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie mit spezieller Software zu dreidimensionalen Modellen verarbeitet, die während der Operation genutzt werden. So lassen sich anatomische Strukturen und die Instrumentenführung direkt am Bildschirm darstellen – auch bei komplexen Eingriffen an der Wirbelsäule.
Wie hat sich die spinale Neuronavigation entwickelt?
Die spinale Neuronavigation entwickelte sich aus der rahmenlosen Stereotaxie am Schädel. Da die Wirbelsäule sehr beweglich ist, war anfangs eine präzise Navigation schwierig. Ab Mitte der 1990er Jahre verbesserten anatomische Landmarken direkt an der Wirbelsäule die Genauigkeit deutlich *, *. Später kamen CT- und röntgenbasierte Verfahren hinzu, bei denen Bilddaten direkt ins Navigationssystem übertragen werden. Diese Fortschritte ermöglichen heute hochpräzise Eingriffe an der gesamten Wirbelsäule.
Welche Vorteile bietet die spinale Neuronavigation?
Verbesserte Präzision
Die spinale Neuronavigation erhöht die Sicherheit und Genauigkeit bei Wirbelsäulenoperationen. Bei vielen Wirbelsäulenoperationen werden Pedikelschrauben eingesetzt. Dabei handelt es sich um spezielle Schrauben, die in die Wirbel eingebracht werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Studien zeigen, dass Schrauben mithilfe der Navigation deutlich präziser eingesetzt werden können. In einer grossen Analyse lag das Risiko einer Fehlplatzierung bei nur 6 %, während es bei der herkömmlichen Methode 15 % betrug – ohne neurologische Komplikationen *.
Die navigationsgestützte Platzierung von Pedikelschrauben ist genauer als die herkömmliche Platzierung unter Röntgendurchleuchtung oder anhand anatomischer Orientierungspunkten («Freihand-Technik»). Mit der Navigation können Pedikelschrauben in 96–99 % der Fälle klinisch korrekt positioniert werden, verglichen mit 93–94 % bei den konventionellen Verfahren.
Die aussagekräftigsten wissenschaftlichen Daten stammen aus einer Metaanalyse aus dem Jahr 2024. Dabei wurden die Ergebnisse von 30 Studien mit insgesamt 17'911 Patientinnen und Patienten sowie 24'600 eingesetzten Pedikelschrauben ausgewertet. Die Analyse zeigte, dass mit der navigationsgestützten Schraubenplatzierung in 96,2 % der Fälle eine klinisch korrekte Schraubenposition erreicht wurde, verglichen mit 94,2 % bei den herkömmlichen Verfahren. Dieser Unterschied war statistisch eindeutig nachweisbar. *
Auch weitere Studien bestätigen, dass die Navigation eine zuverlässigere und sicherere Platzierung von Schrauben ermöglicht *, *.
Geringere Strahlenbelastung
Ein zusätzlicher Vorteil ist die deutlich geringere Strahlenbelastung: Dank des Navigationssystems kann die Strahlendosis für Patienten wie auch für das Operationsteam auf ein Minimum reduziert werden *.

Wie wird die spinale Neuronavigation eingesetzt?
Es gibt unterschiedliche spinale Neuronavigationssysteme.
Früher wurden präoperative Computertomografie-Bilder mit während der Operation aufgenommenen 3D-Röntgenbildern kombiniert.
Heute kann die moderne Navigationssoftware direkt die Oberfläche des Wirbelkörpers mit zuvor erstellten CT-Daten abgleichen und die Daten während der Operation auf den OP-Monitor übertragen. So sieht der Chirurg die Position seiner Instrumente und die der eingesetzten Schrauben in Echtzeit im dreidimensionalen Bild der Wirbelsäule. Eingriffe an der Wirbelsäule können so noch präziser und sicherer durchgeführt werden.
Am Inselspital: O-arm
Bei instrumentierten Wirbelsäulenoperationen setzen wir standardmässig den O-arm ein. Dabei handelt es sich um ein mobiles Röntgensystem, das während der Operation hochauflösende zwei- und dreidimensionale Bilder der Wirbelsäule erstellt. Diese Bilder können mit einem Navigationssystem kombiniert werden. So kann der Operateur Instrumente und Implantate – beispielsweise Pedikelschrauben – in Echtzeit besonders präzise platzieren.
Vorteile des O-arm-Navigationssystems
- Hochauflösende 3D-Bildgebung direkt während der Operation
- Hohe Genauigkeit bei der Platzierung von Pedikelschrauben
- Sofortige Kontrolle der Implantatlage mit der Möglichkeit, diese bei Bedarf direkt zu korrigieren
- Weniger postoperative Kontroll-CT-Untersuchungen erforderlich
- Besonders hilfreich bei komplexen Fehlbildungen, Revisionseingriffen oder stark veränderter Anatomie
Referenzen
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