Bandscheibenvorfall

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Ein Bandscheibenvorfall oder auch Diskushernie ist eine häufige Erkrankung, von der etwa 5 % der Menschen im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Ursache ist meist die altersbedingte Abnutzung der Wirbelsäule, die bereits ab dem frühen Erwachsenenalter beginnt. Dabei kann Material aus der Bandscheibe in den Wirbelkanal austreten und dort Nerven oder das Rückenmark komprimieren. Typische Beschwerden sind Rückenschmerzen sowie ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kraftstörungen in Armen oder Beinen.

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Volkskrankheit Bandscheibenvorfall?

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule hat ihren Preis: Mit zunehmendem Alter kommt es zu natürlichen Verschleisserscheinungen:

  • Abnutzung der Bandscheiben
  • Bandlockerungen
  • knöcherne Veränderungen 

Diese Prozesse beginnen bereits im frühen Erwachsenenalter und können durch einseitige Belastungen, eine falsche Körperhaltung beim Heben und andere Faktoren beschleunigt werden. So konnte in mehreren Studien auch eine genetische Veranlagung für eine schnellere Degeneration der Bandscheibe gezeigt werden.

Veränderungen der Bandscheiben sind in der Bildgebung häufig nachweisbar, verursachen jedoch oft keine Beschwerden. Ein klinisch relevanter Bandscheibenvorfall tritt deutlich seltener auf und betrifft etwa 5 % der Menschen im Laufe ihres Lebens.

Wie funktioniert eine Bandscheibe?

Die Bandscheibe ist eine knorpelige Scheibe zwischen zwei benachbarten Wirbeln und dient als Stossdämpfer und Bewegungsscharnier

Der Mensch hat 23 Bandscheiben, vom zweiten Halswirbel bis zum Steissbein. Nur wegen der Bandscheiben kann sich die Wirbelsäule so flexibel bewegen.

Eine Bandscheibe besteht aus drei Anteilen: 

  • einem gallertartigen inneren Kern (Nucleus pulposus)
  • einem kräftigen äusseren Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und
  • knorpeligen Anteilen am oberen und unteren Ende, die in die Wirbelkörper übergehen

Die Bandscheibe verteilt das Gewicht, das auf den einzelnen Wirbelkörpern liegt, gleichmässig vom oberen auf den unteren Wirbelkörper.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall – auch Diskushernie, Bandscheibenhernie oder Nucleus-pulposus-Prolaps genannt – entsteht, wenn es zu Rissen im äusseren Faserring (Anulus fibrosus) der Bandscheibe kommt. Dadurch kann Gewebe aus dem inneren Kern (Nucleus pulposus) in Richtung Spinalkanal oder Nervenwurzeln austreten und diese komprimieren.

Bleibt das Bandscheibengewebe noch teilweise mit der Bandscheibe verbunden und kommt es lediglich zu einer Vorwölbung des Faserrings, spricht man von einer Bandscheibenprotrusion. Wird hingegen ein Fragment vollständig aus dem Bandscheibenkern gelöst, liegt ein sequestrierter Bandscheibenvorfall vor. Dieses herausgebrochene Bandscheibenstück kann wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter gross sein.

Klinisch relevant wird der Vorfall, wenn Nervenwurzeln oder das Rückenmark eingeengt werden. Je nach Lokalisation in der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule ergeben sich unterschiedliche Beschwerdebilder.

Es gibt drei typische Lokalisationen von Bandscheibenvorfällen entlang der Wirbelsäule:

  1. Der zervikale Bandscheibenvorfall betrifft die Halswirbelsäule (HWS)
  2. Der thorakale Bandscheibenvorfall betrifft die Brustwirbelsäule (BWS)
  3. Der lumbale Bandscheibenvorfall betrifft die Lendenwirbelsäule (LWS)

Am häufigsten tritt der Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (lumbal) auf, da dieser Abschnitt die grösste mechanische Belastung trägt.

Wann sollte ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

Bei Bandscheibenvorfällen erfolgt die Behandlung in den meisten Fällen zunächst konservativ in enger Zusammenarbeit mit den Disziplinen des Rückenzentrums am Inselspital, insbesondere der Rheumatologie und dem Schmerzzentrum. Häufig bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen unter Schonung, medikamentöser Therapie und Physiotherapie deutlich.

Eine operative Behandlung wird empfohlen, wenn sich die Symptome innerhalb von 6 bis 12 Wochen nicht ausreichend zurückbilden oder wenn starke Schmerzen, neurologische Ausfälle oder ein Kraftverlust auftreten. Ein akuter Notfall mit sofortiger neurochirurgischer Abklärung besteht bei einem kompletten Kraftverlust eines Muskels oder einer Blasenentleerungsstörung.

Wenn eine Operation notwendig ist, erfolgt diese in der Regel mikrochirurgisch und minimalinvasiv über einen gewebeschonenden Zugang unter dem Operationsmikroskop oder endoskopisch. Bei korrekter Indikationsstellung zeigen operative Verfahren im Vergleich zu einer länger andauernden konservativen Therapie gute Ergebnisse. *, * 

Es gibt auch invasivere Verfahren wie die Implantation einer Bandscheibenprothese oder eine Versteifungsoperation. In der Regel sollte jedoch zunächst das einfachste und schonendste Verfahren gewählt werden.

Warum Sie sich am Inselspital behandeln lassen sollten

Am Inselspital werden Bandscheibenvorfälle in enger Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen behandelt. Im Rahmen dieser interdisziplinären Zusammenarbeit von Rheumatologie, Physiotherapie, Neurologie, Neuroradiologie, Schmerzzentrum und Orthopädie wird die Behandlungsstrategie gemeinsam festgelegt. So erhält jede Patientin und jeder Patient eine individuell abgestimmte und medizinisch optimale Therapie.

Wenn eine Operation notwendig ist, erfolgt diese in der Regel minimalinvasiv und mikrochirurgisch über einen gewebeschonenden Zugang unter dem Operationsmikroskop.

Die Bandscheibenoperation gehört zu den häufigsten Eingriffen der Neurochirurgie am Inselspital.

Referenzen

  1. Lurie J, Tosteson T, Tosteson A, Zhao W, Morgan T, Abdu W et al. Surgical Versus Nonoperative Treatment for Lumbar Disc Herniation. Spine. 2014;39(1):3-16.

  2. Bailey C, Rasoulinejad P, Taylor D, Sequeira K, Miller T, Watson J et al. Surgery versus Conservative Care for Persistent Sciatica Lasting 4 to 12 Months. New England Journal of Medicine. 2020;382(12):1093-1102.

Weiterführende Literatur