Medulloblastom

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Medulloblastome sind die häufigsten primären, bösartigen Hirntumoren des Kindesalters. Sie sind für etwa 20–40 % aller Hirntumoren bei Kindern verantwortlich. Selten kommen sie auch im Erwachsenenalter vor, hier machen sie allerdings nur weniger als 1 % aller Hirntumoren aus. Die Standardtherapie besteht aus einer Operation in Kombination mit einer Bestrahlungs- und Chemotherapie, die für den Patienten individuell festgelegt werden. Hier erhalten Sie Informationen zum Krankheitsbild und zur Prognose sowie Einblick in die Behandlungsmöglichkeiten und den Therapieablauf bei uns im Inselspital.

Klinische Bedeutung

Beim Medulloblastom handelt es sich um einen embryonalen Tumor des Kleinhirns, das heisst, er geht aus unreifen, undifferenzierten Zellen des Zentralnervensystems (ZNS) hervor und wächst sehr rasch. Medulloblastome sind hochgradig bösartig. Mittlerweile hat man bei der genetischen Analyse der Tumoren 4 molekulare Subtypen des Medulloblastoms identifiziert, die sich in ihren molekulargenetischen Merkmalen unterscheiden und auch unterschiedliche Prognosen aufweisen.

Ein Medulloblastom entsteht mehrheitlich aus dem oberem Kleinhirnsegel. Damit finden sich Medulloblastome typischerweise in der hinteren Schädelgrube im Bereich der 4. Hirnwasserkammer (Ventrikel). Eine Streuung der Tumorzellen über das Hirnwasser in andere Hirnregionen oder den Rückenmarksbereich ist möglich. Am häufigsten infiltriert ein Medulloblastom lokal das Kleinhirn und den Hirnstamm. Eine Ausbreitung in das Grosshirn findet man häufiger bei Erwachsenen.

Aufgrund des schnellen und aggressiven Wachstums von Medulloblastomen können angrenzende, lebenswichtige Strukturen verdrängt und geschädigt werden. Ausserdem kann der Tumor, abhängig von seiner genauen Lokalisation, eine lebensbedrohliche Abflussstörung des Hirnwassers verursachen.

Was sind die Ursachen für ein Medulloblastom?

Ein Medulloblastom entsteht primär durch eine spontane, unvorhersehbare Entartung von Zellen des Nervensystems. Die Ursache für dieses plötzliche und unkontrollierte Zellwachstum ist bisher ungeklärt. Allerdings konnte ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines Medulloblastoms und einigen seltenen vererbbaren Erkrankungen beobachtet werden. Hierzu gehören:

  • das Gorlin-Goltz-Syndrom
  • das Rubinstein-Taybi-Syndrom
  • das Turcot-Syndrom
  • das Li-Fraumeni-Syndrom

Wer erkrankt an einem Medulloblastom?

Das Erkrankungsalter für Medulloblastome variiert mit dem Subtyp des Tumors. Es gibt eine zweigipflige Altersverteilung: zum einen bei Kleinkindern, zum anderen bei Erwachsenen über 16 Jahren. 10–50 % der Medulloblastome haben zum Zeitpunkt der Diagnose schon gestreut. Am häufigsten sind dabei sogenannte Abtropfmetastasen. Diese breiten sich entlang des Subarachnoidalraums oder der spinalen Achse aus. Deutlich seltener sind Metastasen ausserhalb des Nervensystems. Diese kommen bei etwa 5 % der Patienten vor.

Welche Symptome verursacht ein Medulloblastom?

In der Regel entwickeln sich Symptome wegen des schnellen Wachstums innerhalb kurzer Zeit. Bei Beeinträchtigung des Kleinhirns und des 4. Hirnventrikels durch das Medulloblastom kommt es zu Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen, Koordinationsproblemen und Bewegungsstörungen wie Gangunsicherheit.

Es kann aber auch vorkommen, dass der Hirnstamm beeinträchtigt wird, was zu Ausfällen von Hirnnerven führen kann. Dies äussert sich in Sehstörungen, Doppelbildern, Gesichtslähmungen o. ä.

Wenn der Hirnwasserabfluss behindert ist, kommt es zu einem Hydrozephalus durch den Aufstau des Liquors mit einem entsprechenden Anstieg des Hirndrucks. Patienten leiden dann unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder ausgeprägte Müdigkeit und Schläfrigkeit. Zudem kann es auch zu Verwirrung und Persönlichkeitsveränderungen kommen. Bei Kleinkindern fällt manchmal ein überdurchschnittlich grosser und schnell wachsender Kopf auf. Diese sogenannte Makrozephalie ist ein Zeichen für den zunehmenden Liquor und steigenden Hirndruck. Betroffene Kinder zeigen sich sehr schläfrig oder reagieren reizbar.

Spinale Metastasen können durch die raumfordernde Wirkung auf das Rückenmark zu Schmerzen und sensomotorischen Ausfällen führen.

Wie wird ein Medulloblastom diagnostiziert?

Im Computertomogramm (CT) sieht das Medulloblastom typischerweise hell aus und nimmt Kontrastmittel auf. Oft sieht man auch Kalkablagerungen im Tumor. Als bildgebender Goldstandard gilt aber die Magnetresonanztomografie (MRT bzw. MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging), die neben dem Schädel auch die Wirbelsäule umfassen soll, um mögliche Metastasen im gesamten zentralen Nervensystem auszuschliessen.

Ergänzend zur Bildgebung erfolgt eine Lumbalpunktion zur Untersuchung des Liquors, da sich hier gelegentlich Tumorzellen bereits nachweisen lassen. Eine definitive Diagnosestellung ist jedoch erst nach der histologischen Beurteilung des operativ entnommenen Tumorgewebes möglich. Die feingewebliche Zusammensetzung hat direkten Einfluss auf die Therapie und auch auf die Prognose der Patienten.

Wie behandelt man ein Medulloblastom?

Therapiemöglichkeiten

Die Therapie der Wahl ist die mikrochirurgische Resektion des Tumors. Die Planung der Operation und der sich anschliessenden Behandlung geschieht in intensiver Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams bestehend aus Neurochirurgen, Neuroradiologen, Neuropathologen, Onkologen und Radioonkologen. Aufgrund des relativ schnellen und aggressiven Wachstums dieser Tumoren besteht die heutige Behandlung aus einer Kombination von möglichst vollständiger chirurgischer Entfernung des Tumors unter maximaler Schonung des gesunden umgebenden Hirngewebes mit nachfolgender Radio- und/oder Chemotherapie.

Die Therapie richtet sich dabei nach individuellen Kriterien wie dem Subtyp des Tumors, dem Patientenalter, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten wie auch dem möglichen Ausmass der chirurgischen Sanierung, der Metastasierung und nicht zuletzt der Toleranz des Patienten gegenüber den Therapiemassnahmen.

Erfolgsaussichten

Mit Hilfe dieser aggressiven Therapie können bis zu 80 % der Medulloblastompatienten geheilt werden. Die Erfolgsaussichten variieren allerdings je nach Subtyp des Tumors. Bei Kindern unter 3 Jahren hat die Radiotherapie starke Nebenwirkungen (neuropsychologische Defizite, Endokrinopathien), so dass bei so jungen Patienten nur eine postoperative Chemotherapie erfolgt. Das primäre Ziel der chirurgischen Behandlung ist eine sichere minimalinvasive und doch maximal radikale Entfernung des Tumors mit Wiederherstellung des uneingeschränkten Liquorabflusses. Wenn der eigene Liquorabfluss nicht wiederhergestellt werden kann, ist unter Umständen ein ventrikuloperitonealer Shunt erforderlich. Dann erfolgt die Ableitung des Liquors über einen Katheter unter der Haut in den Bauchraum.

Warum Sie sich am Inselspital behandeln lassen sollten

Je nach Lage des Medulloblastoms besteht ein gewisses Risiko, benachbarte Hirnstrukturen bei einer Operation zu schädigen. Um dieses Komplikationsrisiko so gering wie möglich zu halten, verwenden wir neueste technische Verfahren wie die Neuronavigation und das sogenannte intraoperative Neuromonitoring. Diese erlauben unseren Neurochirurgen, mit maximaler Präzision und Sicherheit zu arbeiten und trotzdem das Maximum an Tumorresektion zu erreichen.

Weiterführende Literatur

  1. Robinson GW, Rudneva VA, Buchhalter I et al. Risk-adapted therapy for young children with medulloblastoma (SJYC07): therapeutic and molecular outcomes from a multicentre, phase 2 trial. Lancet Oncol. 2018;19:768-784.

  2. Harbaugh R, Shaffrey CI, Couldwell WT. Neurosurgery Knowledge Update. Thieme; 2015:984.

  3. Greenberg MS. Handbook of Neurosurgery. Thieme; 2016:1664.

  4. The Neurosurgical Atlas: Medulloblastoma (free sign up).