Arachnoidalzyste

Eine Arachnoidalzyste ist eine gutartige angeborene Zyste des Gehirns oder Rückenmarks, die meistens keine Symptome verursacht und somit auch keine Therapie benötigt. In seltenen Fällen können Arachnoidalzysten auf benachbarten Strukturen kompressiv wirken und Symptome verursachen. Auf dieser Seite erfahren Sie was für Symptome eine Arachnoidalzyste verursachen kann und was wir Ihnen anbieten können, um diese zu behandeln.

Das Synonym zu Arachnoidalzyste lautet leptomeningeale Zyste.

Wie entsteht eine Arachnoidalzyste?

Eine Arachnoidalzyste entsteht während der Entwicklung durch eine Spaltung der Arachnoidea (weiche Hirnhaut). Sie beinhaltet Flüssigkeit, die der Hirnflüssigkeit meistens ähnlich ist. Eine Arachnoidalzyste kommuniziert weder mit dem Ventrikelsystem (Hirnkammern) noch mit dem restlichen Subarachnoidalraum (Raum zwischen weiche Hirnhaut und Gehirn). Sie kann ein- oder mehrkammerig sein.

Wie häufig ist eine Arachnoidalzyste und wer ist meistens betroffen?

  • Die Inzidenz der intrakraniellen Arachnoidalzysten beträgt 5/1000 in Autopsie-Serien. Sie machen ca. 1 % aller intrakraniellen Raumforderungen aus. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (4:1 Rate). Arachnoidalzysten befinden sich häufiger in der linken Hirnhemisphäre. Bilaterale Arachnoidalzysten können beim Hurler-Syndrom vorkommen.
  • Spinale Arachnoidalzysten repräsentieren ca. 1 bis 3 % aller Läsionen im Spinalkanal.

Wo sind Arachnoidalzysten lokalisiert?

Intrakranielle Arachnoidalzysten

Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Lokalisationen der intrakraniellen Arachnoidalzysten.

LokalisationHäufigkeit (%)
Sylvische Fissur49 %
Cerebellopontine Zysterne11 %
Supracolliculär/Pinealis-Region10 %
Vemis9 %
Sellär und suprasellär9 %
Interhemisphärisch5 %
Zerebrale Konvexität4 %
Clivus3 %

Spinale Arachnoidalzysten

Die spinalen Arachnoidalzysten sind meistens thorakal und dorsal des Rückenmarks lokalisiert. Extradurale spinale Arachnoidalzysten können mit Kyphoskoliosen oder spinalen Dysraphie-Syndromen assoziiert sein. Intradurale Arachoidalzysten treten kongenital auf oder entwickeln sich post-traumatisch/post-infektiös.

Was für Symptome können Arachnoidalzysten verursachen?

Die meisten Arachnoidalzysten sind asymptomatisch und werden inzidentell entdeckt. Wenn eine Arachnoidalzyste Beschwerden verursacht, dann hängt die Symptomatik meistens von der Lokalisation ab. In seltenen Fällen können solche Zysten rupturieren oder einbluten.

Intrakranielle Arachnoidalzysten

Intrakranielle Arachnoidalzysten können folgenden Symptome verursachen:

  • Kopfschmerzen
  • Epileptische Anfälle
  • Erhöhter Hirndruck mit Übelkeit und Erbrechen
  • Halbseitensymptomatik
  • Sehstörungen
  • Hormonelle Störungen
  • Grössenzunahme des Kopfumfangs bei Säuglingen
  • Entwicklungsverzögerung beim Kind oder Teenager

Spinale Arachnoidalzysten

Arachnoidalzysten des Spinalkanals können folgende Symptome verursachen:

  • Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine
  • Lähmungserscheinungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Gangunsicherheit
  • Störungen von Blasen- und Mastdarmfunktion

Welche Diagnostik wird bei Arachnoidalzysten durchgeführt?

Eine Magnetresonanztomografie (MRT bzw. MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging) ist das diagnostische Verfahren der ersten Wahl. Hier zeigt sich die Zyste als flüssigkeitsgefüllter Raum. Der Zysteninhalt ist typischerweise isointens zur Hirnflüssigkeit, die Zystenwand reichert kein Kontrastmittel an.

Die Galassi-Klassifikation teilt die Arachnoidalzysten der sylvischen Fissur (häufigste intrakranielle Lokalisation) in 3 Typen auf, je nach Grösse und raumfordernder Wirkung im MRI.

Wie werden Arachnoidalzysten behandelt?

Arachnoidalzysten sollten nicht behandelt werden, wenn sie keine Symptome verursachen. Bei inzidentell entdeckten Arachnoidalzysten kann eine einzige Verlaufskontrolle mittels MRI im Intervall von 6 Monaten mit dem Patienten diskutiert werden, um eine Grössenzunahme auszuschliessen. Pädiatrische Patienten sollten Verlaufskontrollen bis zum Erwachsenenalter erhalten.

Bei symptomatischen Arachnoidalzysten ist die chirurgische Resektion oder Fenestration die Therapie der Wahl. Die Operation wird, je nach Lokalisation der Zyste, mikrochirurgisch oder endoskopisch durchgeführt. Als Alternative kann ein zystoperitonealer Shunt angelegt werden. Dabei wird ein Katheter in die Zyste eingebracht und ein ableitender Katheter leitet die Flüssigkeit über ein Druckventil unter der Haut bis in den Bauchraum, wo die Flüssigkeit absorbiert wird.

Die Komplikationsrate der mikrochirurgischen und endoskopischen Technik ist niedrig. Allerdings kann es zu einer erneuten Zystenbildung bzw. -füllung kommen, falls die Zyste nicht komplett entfernt werden konnte oder wenn die Fenestration sich durch Vernarbung wieder verschliesst. Eine mögliche Komplikation nach Anlage eines zystoperitonealen Shunts ist eine Shunt-Dysfunktion z. B. aufgrund eines verstopften Katheters, einer Ventildysfunktion oder einer Infektion.

Unsere Erfahrungen am Inselspital

Unser spezialisiertes neurochirurgisches Team verfügt über eine langjährige Erfahrung in den oben genannten Operationstechnicken. Je nach Lokalisation und Konfiguration der Zyste wir Ihnen die sicherste, effektivste und minimalinvasivste Operationstechnik angeboten werden.

Weiterführende Literatur

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