Eine Medikamentenpumpe kann eine Behandlungsoption bei therapieresistenten chronischen Schmerzen oder schweren Spastiken sein. Dabei werden Medikamente über einen Katheter direkt in den Bereich des Rückenmarks abgegeben. Die Medikamentenpumpe gehört – ebenso wie die Rückenmarkstimulation und die Spinalganglionstimulation – zu den Verfahren der Neuromodulation, bei denen die Signalübertragung im Nervensystem gezielt beeinflusst wird.
Wann wird eine Medikamentenpumpe eingesetzt?
Anwendungsbereiche für eine Schmerzpumpe sind:
- Spastiken (z. B. bei infantiler Zerebralparese, Multipler Sklerose, Querschnittlähmung, Schlaganfall oder Schädelhirntrauma)
- Chronische Schmerzen nach Wirbelsäulenoperation (Persistent Spinal Pain Syndrome)
- Tumorschmerzen
- Polyneuropathie
Was sind die Vorteile einer Medikamentenpumpe?
Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen oder Spastiken müssen oft hohe Dosen an Medikamenten einnehmen, um ihre Beschwerden zu lindern. Je nach Medikament kann mit der Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten, der dazu führt, dass immer höhere Dosen benötigt werden, um eine Wirkung zu erzielen. Dies führt zu vermehrten Nebenwirkungen und eventuell zu einer Medikamentenabhängigkeit, was die Lebensqualität der Betroffenen deutlich beeinträchtigt. Beispielsweise führen Opiate in hohen Dosen zu Verstopfung, Müdigkeit und Benommenheit und können letztendlich sogar den Schmerz verstärken, was als opiatinduzierte Hyperalgesie bezeichnet wird.
Die Medikamentenpumpe hat den Vorteil, dass viel geringere Dosen an Medikamenten benötigt werden, um den gewünschten schmerz- oder spastiklindernden Effekt zu erzielen. Für Morphin zum Beispiel wird ein Umrechnungsverhältnis von oral zu intrathekal von 300:1 angenommen. Die orale Dosis kann so erheblich reduziert oder sogar ganz abgesetzt werden.
Wie wird die Medikamentenpumpe implantiert?
Testphase
In der Schmerzbehandlung wird zwischen Tumorschmerzen und sonstigen Schmerzen unterschieden. Bei Tumorschmerzen wird die Medikamentenpumpe ohne vorgängige Testphase direkt unter Vollnarkose implantiert.
Bei Spastiken oder anderen Schmerzen wird in einer Testphase geprüft, ob die Betroffenen von einer Medikamentenpumpe profitieren. Dafür wird ein temporärer Katheter in Vollnarkose über einen kleinen Stich in den Rückenmarkskanal eingeführt und an eine externe Pumpe angeschlossen.
Bei Patientinnen und Patienten mit einer Spastik dauert diese Testphase je nach Schwere der Spastik unterschiedlich lange. Bei einer sehr ausgeprägten Spastik kann die Testphase auch mit einer Rehabilitation kombiniert werden.
Sprechen die Betroffenen nicht auf die Therapie an, wird der Katheter wieder gezogen.
Implantation der permanenten Medikamentenpumpe
Zeigt die Behandlung in der Testphase eine ausreichende Wirkung, erfolgt anschliessend die definitive Implantation des Katheters und der Medikamentenpumpe unter Vollnarkose. Die Pumpe wird dabei unter der Haut im Bauchbereich eingesetzt.
Nach der definitiven Implantation kann je nach klinischem Zustand eine Rehabilitation erfolgen.
Die Hospitalisationsdauer beträgt sowohl für die Testphase als auch für die definitive Implantation in der Regel zwei bis drei Tage.
Die Medikamentenpumpe muss in regelmässigen Abständen nachgefüllt werden. Dies erfolgt ambulant über einen kleinen Nadelstich durch die Haut. Der Abstand zwischen den Nachfüllungen hängt von der Konzentration des verwendeten Medikaments und der benötigten Dosierung ab.
Was sind die Risiken einer Medikamentenpumpe?
Komplikationen sind selten. Zu ihnen gehören zum Beispiel:
- Katheterverstopfung oder -abknickung
- Katherleck oder sogar -abriss
- Medikamentenüber- oder -unterdosierung
- Blutungen
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- Verlust von Hirnwasser
- Komplikationen bei der Pumpenfüllung
Wie sieht die Nachsorge bei einer implantierten Medikamentenpumpe aus?
Zwei Wochen nach dem Eingriff erfolgen in unserer Klinik die Fadenentfernung und eine Kontrolle der Wunde.
Sechs Wochen nach dem Eingriff findet eine klinische postoperative Verlaufskontrolle statt.
Weitere Kontrollen erfolgen im Rahmen der regelmässigen Pumpennachfüllungen.