Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen und tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, das sogenannte Stupp-Schema. Da die Erkrankung trotz moderner Therapien eine ernste Prognose hat, stehen neben der Lebensverlängerung insbesondere der Erhalt der Lebensqualität und die individuelle Betreuung der Betroffenen im Mittelpunkt.

Inselspital Neurochirurgie – unsere Zahlen und Fakten
- Exzellenz: hochspezialisierte Neurochirurginnen und Neurochirurgen sowie speziell ausgebildete Onkologiepflegekräfte (Advanced Practice Nurses oder kurz APN)
- Expertise: 478 Tumoroperationen (Biopsien und Resektionen) im Jahr 2025, davon 437 Gliome
- Interdisziplinäres Team: In unserem wöchentlichen Tumor-Board treffen sich Spezialisten aus 7 Disziplinen – Neurochirurgie, Neurologie, Neuroradiologie, Onkologie, Nuklearmedizin, Radioonkologie, Pathologie
- Entwickelt und erforscht am Inselspital: innovative Neuromonitoring- und Navigationstechniken zur Operationssicherheit und Vermeidung von Defiziten
- Defizitrate unter den niedrigsten weltweit: Die dokumentierte und publizierte Rate von 3–5 % für dauerhafte operationsbedingte Defizite bei motorisch eloquenten Risikotumoren gehört zu den niedrigsten weltweit!
- Resektionsrate unter den höchsten weltweit: Die Rate von > 90 % Komplettresektion bei Gliomen gehört zu den höchsten weltweit!
- Hochmoderne technologische Ausstattung mit intraoperativer Bildgebung, Fluoreszenztechniken, Laser-Thermotherapie und mehr.
- Ergänzendes Behandlungskonzept: unser OPTIMISST-Protokoll (OPTIMISST steht für Optimized Standard and Supportive Therapy)
- Zertifizierung: Zertifiziertes Hirntumorzentrum seit 2016, Garant für einen hohen Qualitätsmassstab in der onkologischen Behandlung
Was ist ein Glioblastom?
Glioblastome sind die häufigsten bösartigen Hirntumoren des erwachsenen Menschen. Sie entstehen aus den Gliazellen des Gehirns, wachsen entlang der Faserbahnen und breiten sich dadurch lokal, regional und überregional aus. Glioblastome verursachen in der Regel keine Metastasen (Ableger) ausserhalb des Nervensystems.
Ein Glioblastom wird nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als WHO-Grad 4 eingestuft und gehört damit zur höchsten Kategorie der Bösartigkeit bei Hirntumoren. Die Einstufung basiert auf histologischen Merkmalen wie
- einer hohen Zellteilungsrate
- dem Auftreten von Nekrosen (Gewebetod)
- einer vermehrten Neubildung von Blutgefässen (vaskuläre Proliferation)
Zusätzlich werden heute molekulargenetische Analysen durchgeführt. Dabei können spezifische Veränderungen wie beispielsweise die Methylierung des MGMT-Promotors bestimmt werden. Diese Informationen haben prognostische Bedeutung und können die Entscheidung für bestimmte Therapieansätze beeinflussen.
Seltene Varianten des Glioblastoms sind das Gliosarkom, das Riesenzell-Glioblastom und das epitheloide Glioblastom.
- Methylierung

Methylierung des MGMT-Promotors. Tumoren mit methyliertem MGMT-Promotor sprechen besser auf die Behandlung mit Temozolomid an und weisen im Vergleich zu Tumoren ohne MGMT-Promotor-Methylierung ein längeres mittleres Überleben auf (blaue versus rote Kurve). Quelle: Hegi et al. MGMT Gene Silencing and Benefit from Temozolomide in Glioblastoma. N Engl J Med 2005; 352: 997-1003. Eine wichtige genetische Veränderung der Glioblastomzellen ist die sogenannte DNA-Methylierung des MGMT-Promotors. Dabei werden Methylgruppen an bestimmte Abschnitte der DNA einer Glioblastomzelle angefügt, was die Produktion des DNA-Reparaturproteins MGMT blockiert. Kann ein Tumor seine DNA nicht mehr reparieren, ist er durch Chemotherapeutika besser angreifbar.
Etwa die Hälfte aller Glioblastome weist diese genetische Veränderung auf. Sie ist mit einem besseren Ansprechen auf die Chemotherapie und einer günstigeren Prognose verbunden.
- Genomweite methylombasierte Tumorklassifikation
Gross angelegte genetische Untersuchungen wie das Krebsgenom-Projekt (The Cancer Genome Atlas, TCGA) haben weitere wichtige Erkenntnisse über die molekularen Eigenschaften und Subtypen von Glioblastomen geliefert *. Dabei wurde deutlich, dass sich Glioblastome nicht nur anhand ihrer mikroskopischen Erscheinung, sondern auch anhand ihres molekularen (epi)genetischen Profils unterscheiden lassen.
Auf dieser Grundlage gewinnt die genomweite methylombasierte Tumorklassifikation bei Gliomen und Glioblastomen zunehmend an Bedeutung *. Dabei wird die gesamte Tumor-DNA mittels EPIC Methylierungsdiagnostik auf zusätzliche 930'000 Methylgruppen hin untersucht. Die gewonnenen Daten werden mit einer Referenzdatenbank verglichen und ermöglichen die Zuordnung zu molekular definierten Tumorgruppen mit unterschiedlicher prognostischer Bedeutung.
Die Methylom-Klassifikation ist heute Bestandteil der modernen WHO-Klassifikation und unterstützt eine präzisere Diagnosestellung sowie eine individuellere Therapieplanung. Am Inselspital wird diese Diagnostik bei Glioblastompatientinnen und -patienten routinemässig eingesetzt.
Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist der hohe Grad an Standardisierung. Die digitale Auswertung der Methylierungsdaten erleichtert den Austausch zwischen spezialisierten Zentren und unterstützt die Einordnung diagnostisch schwieriger oder unklarer Fälle.
Wie häufig ist ein Glioblastom und wer ist betroffen?
Das Glioblastom tritt typischerweise bei älteren Erwachsenen (50–85 Jahre) mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren auf *. Glioblastome können zwar bei Kindern auftreten, machen jedoch in der Altersgruppe von 0–19 Jahren lediglich 2,9 % aller Hirntumoren aus *.
Insgesamt handelt es sich um seltene Tumoren mit jährlich ca. 3–4 Neudiagnosen pro 100 000 Einwohnern *. Männer sind 1,5-mal häufiger betroffen als Frauen.
Was sind die Ursachen für ein Glioblastom?

Die meisten Glioblastome entstehen ohne erkennbare Ursache. Der einzige nachgewiesene Risikofaktor für die Entwicklung eines Glioblastoms ist eine frühere Bestrahlung des Kopfes.
Ein Zusammenhang mit Kopfverletzungen, Umweltgiften oder der Ernährung konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden *, *.
In seltenen Fällen liegt eine erbliche Erkrankung zugrunde. Dazu gehören unter anderem das Li-Fraumeni-Syndrom, das durch eine Mutation im Tumorsuppressorgen TP53 verursacht wird. Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko, bereits in jungen Jahren an verschiedenen Tumoren zu erkranken *.
Interessanterweise sollen Menschen mit allergischen Erkrankungen (Asthma, atopische Dermatitis, Nahrungsmittelallergien etc.) ein tieferes Risiko für die Entwicklung eines Glioblastoms aufweisen *.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass sich ein Glioblastom über mehrere Jahre entwickelt. Die erste Tumorzelle kann vermutich bereits Jahre vor der Diagnose entstehen. Das für das Glioblastom typische rasche Wachstum setzt vermutlich erst ein, wenn im Verlauf weitere genetische Veränderungen hinzukommen. Dies erklärt, weshalb ein zuvor unauffälliges MRI innerhalb weniger Monate einen bereits grossen Tumor zeigen kann *, *.
Verursacht die Strahlung von Handys Hirntumoren?
Grossangelegte epidemiologische Studien an Menschen haben bisher keine Hinweise dafür gefunden, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Hirntumors führt *, *.
Aufwändige tierexperimentelle Studien deuten auf ein erhöhtes Tumorrisiko durch Mobilfunkstrahlung bei männlichen Ratten und Mäusen, ohne aber eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zu zeigen und ohne das Fehlen dieses Effekts bei weiblichen Tieren erklären zu können.
Beim Menschen fand die INTERPHONE-Studie ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Glioms bei exzessivem Mobiltelefongebrauch *. Eine weitere, oft diskutierte Fall-Kontroll-Studie aus Schweden ermittelte ebenfalls einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Gliomen und Mobiltelefongebrauch *, *. Aufgrund dieser beider Studien stuft die International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO elektromagnetische Radiofrequenzfelder als «möglicherweise krebserregend» ein *.
Demgegenüber konnten jedoch mehrere grossangelegte epidemiologische Studien an Menschen keinerlei Hinweise für ein erhöhtes Hirntumorrisiko finden *, *, *, *. Hierzu zählt auch die nach dem IARC-Bericht veröffentlichte Million Women Study, die prospektive Daten von knapp 800 000 Teilnehmenden sammelte und kein erhöhtes Risiko feststellen konnte *.
Verschiedene Behörden stufen daher auch unterschiedlich ein: von «unbedenklich» bis «möglicherweise leicht krebserregend nicht ausgeschlossen».
Welche Symptome verursacht ein Glioblastom?
Die Symptome hängen grundsätzlich von der Lokalisation des Tumors im Gehirn ab. Es gilt wie bei allen Hirntumoren:
- Epileptische Anfälle: epileptische Aktivität bzw. Übererregbarkeit des gesunden Gewebes am Rand des Tumors.
- Ausfälle oder Funktionsstörungen: Beeinträchtigung von Sprache, Motorik, Gefühl, Sehen, Rechnen, Denken, Merkvermögen, Gleichgewicht, Orientierung, Stimmung, Verhalten, Wachheit, Antrieb, Sozialverhalten usw. durch den Druck des Tumors auf benachbarte Hirnstrukturen oder das Einwachsen in das umliegende Gewebe.
- Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen: ein fortgeschrittener Tumor führt zum Ansteigen des Drucks im Schädel.
- Unspezifische Symptome: Wächst der Tumor in funktionell stillen (nicht-eloquenten) Anteilen des Gehirns, kann dieser einige Zeit unbemerkt bleiben, bis unspezifische Beschwerden wie Wesensveränderung, Müdigkeit, Vergesslichkeit, Desorientiertheit und Verwirrung auftreten. Meist dauern die Symptome bei Diagnosestellung schon einige Wochen bis wenige Monate an.
Wie wird ein Glioblastom diagnostiziert?
Magnetresonanztomografie
Zur Abklärung wird in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT oder MRI) des Gehirns durchgeführt.
Typisch für das Glioblastom ist eine ringförmige, unregelmässige Kontrastmittelaufnahme mit einem dunklen Zentrum – einem Bereich abgestorbener Zellen (Nekrose). Umliegendes Hirngewebe erscheint hell, was einem Hirnödem entspricht. Anders als bei Metastasen enthält diese Zone beim Glioblastom häufig auch aktive Tumorzellen. Breitet sich der Tumor entlang der Nervenfasern aus, können mehrere Hirnlappen betroffen sein.
Advanced Neuroimaging
Eine weiterführende bildgebende Charakterisierung kann mittels «Advanced Neuroimaging» erfolgen.
Dazu zählen unter anderem die Perfusionsbildgebung zur Messung der lokalen Durchblutung. Da Glioblastome häufig eine erhöhte Gefässneubildung und ein gesteigertes Blutvolumen aufweisen, können diese Messungen Hinweise auf die Tumoraktivität liefern.
Eine weitere Methode ist die Magnetresonanzspektroskopie (MR-Spektroskopie, MRS), mit der sich bestimmte Stoffwechselprodukte im Tumorgewebe messen lassen. Bei Gliomen sind charakteristische Veränderungen dieser Metabolite nachweisbar.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können insbesondere bei der Abgrenzung von Glioblastomen gegenüber anderen Hirntumoren wie Metastasen oder Lymphomen hilfreich sein.
Wie wird ein Glioblastom behandelt?
Operation – der erste Schritt der Therapie
Bei Glioblastomen besteht die Standardtherapie aus einer Kombination aus mikrochirurgischer Resektion, Bestrahlung und Chemotherapie.
Die chirurgische Resektion ist ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzepts *, *, *, *, *, *, *. Je mehr Tumormasse entfernt werden kann, um so günstiger der weitere Krankheitsverlauf *, *, *, *, *, *, *, *, *. Deshalb ist eine komplette Tumorresektion, die durch ein MRT-Bild bestätigt wird, das Ziel der Operation.
Die Entfernung des Tumors reduziert zudem den Druck auf das umliegende Hirngewebe und kann dadurch tumorbedingte Beschwerden lindern. Das entnommene Tumorgewebe wird anschliessend feingeweblich und molekularbiologisch untersucht.
Da Glioblastome das Hirngewebe diffus infiltrieren und entlang der Faserbahnen der weissen Substanz einwachsen, bleiben auch nach einer volllständigen Entfernung des im MRT sichtbaren Tumors Tumorzellen zurück, die in der Bildgebung nicht sichtbar sind. Deshalb schliessen sich an die Operation eine Bestrahlung und eine Chemotherapie an, um diese verbliebenen Tumorzellen zu bekämpfen.
Warum ist beim Glioblastom eine radikale Operation anzustreben?
Nach der aktuellen Studienlage geht man davon aus, dass mindestens 80 % des Tumors entfernt werden müssen, damit der Patient durch die Operation einen Überlebensvorteil hat.
Ein deutlicher Überlebensvorteil lässt sich erst durch eine MRT-überprüfte komplette Entfernung des Tumors erzielen *, *.
Daher sollte das primäre Ziel der Operation die komplette Entfernung des Hirntumors sein, idealerweise inklusive der im MRT-Bild sichtbaren Infiltrationszone, und dies, ohne dauerhafte neurologische Schäden zu verursachen.
Operation mit Marge: die supramarginale Resektion
Glioblastome haben Tumorzellen, die über den im MRT sichtbaren Rand hinausgehen. Diese Infiltrationszone rund um den Tumor weist ein anderes biologisches Profil als der Tumorkern selbst auf * und hat möglicherweise einen Einfluss auf die Prognose der Therapie *.
Die Infiltrationszone des Glioblastoms ist ein dynamisches, durch den Tumor geprägtes Mikromilieu. Tumorzellen breiten sich entlang der weissen Faserbahnen und perivaskulärer Räume in weitere Hirnregionen aus und entgehen dabei teilweise der Immunabwehr. Eine wichtige Rolle spielen tumorassoziierte Makrophagen und Mikrogliazellen. Sie können zunächst die Tumorzellen überwachen, entwickeln bei zunehmender Tumordichte jedoch zunehmend wachstumsfördernde und immunsuppressive Eigenschaften. Dadurch unterstützen sie die weitere Ausbreitung des Tumors. *
Die den Tumor umgebende Infiltrationszone nimmt kein Kontrastmittel auf und ist radiologisch schwer abzugrenzen. Eine reine Fokussierung auf den radiologisch leicht abgrenzbaren Tumoranteil ist aber aus onkologischer Sicht nicht optimal.
Mit einer ausgedehnteren Resektion bis hin an funktionelle Grenzen lässt sich eine weitere Reduktion der Tumorlast erreichen. Man bezeichnet dies als supratotale oder supramarginale Resektion *, *, *. Diese supratotalen Resektionen sind heutzutage für ausgewählte Patienten ein fester Bestandteil des Behandlungskonzepts.
Aus der Tumorchirurgie ist bekannt, dass grosse Teile von «funktionell stillen», sogenannten nicht-eloquenten Hirnarealen entfernt werden können, ohne dass dabei permanente Defizite beim Patienten auftreten *. Eine supramarginale Resektion sollte jedoch immer gleichzeitig mit neurophysiologischem Monitoring und Mapping durchgeführt werden, um bleibende neurologische Schäden zu vermeiden.
Wie rasch sollte operiert werden?
Aufgrund des schnellen Wachstums von Glioblastomen sollte die Operation zeitnah erfolgen. Je mehr Zeit vergeht, umso mehr Tumorzellen wandern in die Umgebung ab. Der Tumor dehnt sich aus und wird grösser, das Operationsrisiko nimmt zu und die mögliche Radikalität der Resektion ab. Die Operation sollte deshalb idealerweise innerhalb von 1–2 Wochen nach Diagnosestellung erfolgen.
Unser OPTIMISST-Protokoll
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die dazu beitragen, dass eine Tumorbehandlung erfolgreicher ist. Wir haben auf Grundlage dieser Faktoren ein eigenes Behandlungskonzept entwickelt, das sogenannte OPTIMISST-Protokoll. OPTIMISST steht dabei für «Optimized Standard and Supportive Therapy» und ergänzt die klassische Therapie bei Hirntumoren. Dieses Protokoll gibt es in dieser Form nur an unserer Klinik.
Vor der Operation
Magnetresonanztomografie
Für die optimale Operationsplanung wird zunächst ein spezielles MRT durchgeführt, mit dem der Tumor möglichst genau beurteilt werden kann. Je nach Lage des Tumors können weitere Untersuchungen erforderlich sein.
Ein funktionelles MRT (fMRT) kann dabei helfen, wichtige Hirnfunktionen wie Sprache und Bewegung zu lokalisieren.
Navigierte transkranielle Magnetstimulation
Zur genauen Lokalisation der Bewegungszentren kann eine navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS) eingesetzt werden. Die nicht-invasive Untersuchung liefert wichtige Informationen für die Planung des operativen Zugangs und der Operationsstrategie.
Fiber Tracking: Darstellung der Hirnfaserbahnen

Traktografie oder Fiber Tracking visualisiert wichtige Faserbahnen im Gehirn. Die präoperative Darstellung hilft, den sichersten Zugangsweg zum Tumor zu planen und wichtige Nervenbahnen zu schonen.
Besonders wichtig ist die Pyramidenbahn, die das motorische Zentrum des Gehirns mit dem Rückenmark verbindet. Weitere wichtige Faserbahnen sind für Funktionen wie Sprechen und Sehen zuständig.
Sollte vor der OP eine Biopsie durchgeführt werden?
Kann der Tumor gut reseziert werden, führen wir im Vorfeld keine separate Biopsie durch. Falls aufgrund der Lage des Tumors in einem funktionell wichtigen Zentrum oder aufgrund der diffusen Ausdehnung eine Resektion nicht möglich ist, sollte zumindest eine Biopsie zur Gewebeuntersuchung und Diagnosesicherung durchgeführt werden. Das Komplikationsrisiko einer Biopsie ist niedrig, bedrohliche Blutungen treten nur in ca. 1 % der Fälle auf.
Bei Tumoren, die im MRT schwer abgrenzbar sind oder kein Kontrastmittel aufnehmen, kann eine ergänzende Bildgebung helfen, den optimalen Biopsiepunkt zu bestimmen und Fehldiagnosen zu vermeiden. Hierfür kann eine FET-PET eingesetzt werden. Dabei wird die markierte Aminosäure Fluorethyltyrosin (FET) verwendet, die sich in besonders stoffwechselaktiven Tumorbereichen anreichert. Durch die Überlagerung der PET- mit den MRT-Bildern lässt sich häufig ein sogenannter Hotspot mit erhöhter Tumoraktivität identifizieren, der als Zielregion für die Biopsie dienen kann.
Während der Operation
Die Operationssicherheit wird durch verschiedene innovative Techniken gewährleistet. Dank präziser chirurgischer Verfahren und ausgedehntem intraoperativen Monitoring ist die Komplikationsrate von Tumorresektionen heutzutage sehr niedrig *, *, *, *, *, *, *, *.
Neuronavigation

Die Neuronavigation funktioniert während der Operation wie ein «GPS» und weist dem Neurochirurgen den Weg. Das vor der OP durchgeführte MRT liefert dafür das individuelle «Kartenmaterial».
Augmented Reality

Die bereits vor der Operation eingezeichneten Faserbahnen, ebenso wie der Tumor selbst und weitere wichtige Zentren lassen sich im Operationsmikroskop virtuell einblenden und auf die Kopfoberfläche projizieren. Mit Hilfe dieser Augmented Reality kann sich der Chirurg besser orientieren und den Zugang zum Tumor so klein wie möglich, aber so gross wie nötig planen.
Intraoperatives Neuromonitoring (IOM)
Eine möglichst weitgehende Tumorentfernung ist nur dann sinnvoll, wenn wichtige Hirnfunktionen erhalten bleiben. Das intraoperative Neuromonitoring (IOM) hilft, während der Operation motorische, sprachliche und andere wichtige Hirnfunktionen zu überwachen und operationsbedingte Schäden zu vermeiden.
Die Art des Monitorings wird individuell auf die Lage des Tumors und die angrenzenden Hirnfunktionen abgestimmt. Zum Einsatz kommen unter anderem Monitoring, dynamisches Mapping und Stimulationstechniken.
Monitoring

Beim Monitoring wird die Bewegungsbahn während der Operation kontinuierlich überwacht. Dazu wird das Bewegungszentrum elektrisch stimuliert und die ausgelöste Muskelantwort gemessen. Eine nachweisbare Antwort zeigt, dass die motorische Leitungsbahn weiterhin intakt und funktionsfähig ist.
Dynamisches Mapping

Beim kontinuierlichen dynamischen Mapping wird die Lage einer wichtigen Nervenbahn bestimmt, deren genaue Position vor der Operation nicht bekannt ist. Während der Tumorentfernung wird mithilfe von Mikroelektroden, die in das chirurgische Sauginstrument integriert sind, laufend der Abstand zur Bewegungsbahn gemessen – ähnlich wie bei einem Radar.
Wachoperation

Liegt ein Tumor nahe an wichtigen Funktionszentren wie für Sprache, Rechnen oder Lesen, kann eine Wachoperation erforderlich sein. Der Patient löst dabei Aufgaben, während das Hirngewebe gezielt stimuliert wird, um wichtige Funktionen zu lokalisieren und zu schonen.
5-ALA-Fluoreszenz

5-ALA (Gliolan®) wird einige Stunden vor der Operation als Flüssigkeit eingenommen. Der Wirkstoff reichert sich bevorzugt in Tumorzellen höhergradiger Gliome an und lässt diese unter Blaulicht rötlich fluoreszieren. Dadurch kann der Tumor während der Operation besser vom gesunden Hirngewebe unterschieden und gezielter entfernt werden. *, *, *, *, *
Untersuchungen am Inselspital zeigen, dass sich fluoreszierende Tumoranteile teilweise über den in der Magnetresonanztomografie sichtbaren, kontrastmittelaufnehmenden Tumor hinaus erstrecken. *
Laserinduzierte Thermotherapie (LITT)

Die laserinduzierte Thermotherapie (LITT) ist ein minimal-invasives, bildgestütztes Verfahren, bei dem Gewebe mithilfe von Laserenergie gezielt erhitzt und zerstört wird. Sie eignet sich insbesondere für tief gelegene Hirntumoren und andere schwer zugängliche Veränderungen.
Intraoperative Bildgebung
Das Resektionsausmass wird während der Operation mit Ultraschall und – für eine besonders genaue Kontrolle – mit dem intraoperativen MRT überprüft. Erkannte Tumorreste können noch während derselben Operation entfernt werden. Am Inselspital ist der Operationssaal direkt an ein Hochfeld-MRT angebunden.
Nach der Operation
MRI-Untersuchung 24–48 Stunden nach OP
Da sich Tumor- und gesundes Hirngewebe am Tumorrand oft nur schwer unterscheiden lassen, können trotz modernster Operationstechniken Tumorreste zurückbleiben.
Ein Kontroll-MRT innerhalb von 24–48 Stunden zeigt, ob ein entfernbarer Tumorrest vorhanden ist. In solchen Fällen kann eine zweite Operation bereits am Folgetag erfolgen. Am Inselspital betrifft dies etwa 5–10 % der Patientinnen und Patienten. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich der Resttumor dabei meist vollständig entfernen lässt und die zweite Operation gut vertragen wird. *
Histologie und Therapieplanung
Nach der feingeweblichen Untersuchung des entnommenen Gewebes wird das weitere Vorgehen in unserer wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Dabei arbeiten Fachpersonen aus Neurochirurgie, Radioonkologie, Onkologie, Neuropathologie, Neuroradiologie und Neurologie zusammen. Ergänzt wird das Team durch international renommierte neuroonkologische Expertinnen und Experten, die regelmässig per Videokonferenz zugeschaltet werden.
Neurologische Rehabilitation
Eine neurologische Rehabilitation kann bei neurologischen Ausfällen sinnvoll sein, sollte jedoch die weitere Tumorbehandlung nicht verzögern. Patientinnen und Patienten ohne neurologische Defizite benötigen in der Regel keine stationäre Rehabilitation.
Strahlen- und Chemotherapie – der nächste Schritt der Therapie
Bei Patientinnen und Patienten in gutem Allgemeinzustand folgt nach der Operation in der Regel eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie, das sogenannte Stupp-Schema. Die Behandlung beginnt meist 3–4 Wochen nach der Operation, damit die Operationswunde ausreichend heilen kann. *, *
Die Strahlentherapie erfolgt über 6 Wochen mit fünf Sitzungen pro Woche. Insgesamt werden 30 Bestrahlungen mit einer Gesamtdosis von 60 Gy durchgeführt. Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Übelkeit, Hautreizungen und Haarausfall.
Parallel zur Bestrahlung wird täglich Temozolomid verabreicht. Nach Abschluss der Bestrahlung wird die Chemotherapie als Erhaltungstherapie fortgeführt. Dabei erfolgt alle vier Wochen ein fünftägiger Chemotherapiezyklus, in der Regel über sechs Zyklen.
Ältere Patienten
Ein Spezialfall in der Behandlung stellen ältere Patienten (über 70 Jahre) dar. Um ältere Patienten durch die Therapie nicht zu stark zu belasten, werden sie nach einem verkürzten Schema behandelt. Die Bestrahlung wird dann meist in 15 Sitzungen bis zu einer Gesamtdosis von 40 Gy durchgeführt *.
Alternativ kann bei Patienten mit schlechterem Allgemeinzustand auch entweder nur eine Bestrahlung oder nur eine Chemotherapie erfolgen – abhängig von den molekularen Markern des Tumors *.
Chemotherapeutika
Temozolomid (Temodal®) ist das zentrale Chemotherapeutikum in der Behandlung des Glioblastoms *, *. Es wird während der Bestrahlung täglich verabreicht und anschliessend als Erhaltungstherapie fortgeführt. Bei guter Verträglichkeit erfolgt die Behandlung in der Regel über sechs Zyklen. Danach folgen regelmässige Kontroll-MRT.
Temozolomid wird im Allgemeinen gut vertragen. Häufig sind Übelkeit und Müdigkeit. Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist eine Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark.
Bei Patientinnen und Patienten mit klarer MGMT-Promotor-Methylierung und gutem Allgemeinzustand setzen wir zusätzlich Lomustin ein und behandeln nach dem Lomustin-/Temozolomid-Schema.
Grundlage dafür sind unter anderem die Ergebnisse der NOA-09-Studie. In dieser randomisierten Phase-III-Studie zeigte die Kombination aus Lomustin und Temozolomid bei Patientinnen und Patienten mit MGMT-methyliertem Glioblastom ein längeres Gesamtüberleben als Temozolomid allein. Aufgrund der relativ kleinen Studienpopulation sollten die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. *, *, *, *
Immuntherapie
Die Immuntherapie ist ein wichtiger Forschungsbereich in der Behandlung des Glioblastoms. Ziel ist es, das körpereigene Immunsystem gezielt zu aktivieren oder zu unterstützen, damit es Tumorzellen besser erkennen und bekämpfen kann.
Das Glioblastom gilt als immunologisch «kalter» Tumor: Im Tumormikromilieu finden sich nur wenige Lymphozyten, dafür zahlreiche immunsuppressiv wirkende Myeloidzellen. Dies erschwert eine wirksame Immunantwort und erklärt, weshalb bisherige Immuntherapien noch keinen Durchbruch erzielt haben. Verschiedene Ansätze werden deshalb intensiv erforscht:
Peptidvakzinierung
Bei der Peptidvakzinierung wird versucht, das Immunsystem gezielt gegen bestimmte Merkmale der Tumorzellen zu aktivieren, damit es diese erkennt und angreift. Bisherige grosse Studien, unter anderem mit der EGFR-spezifischen Peptidvakzine Rindopepimut, konnten keinen überzeugenden klinischen Nutzen zeigen *.
Onkolytische Viren
Diese Viren infizieren bevorzugt Tumorzellen und führen zu deren Absterben oder machen sie für das Immunsystem angreifbar. Für Glioblastome gibt es vielversprechende Forschungsergebnisse mit rekombinanten Polioviren (PVSRIPO), Adenoviren (DNX-2401) und TOCA 511 *, *, *.
Radioimmuntherapie
Bei der Radioimmuntherapie wird ein strahlendes Radionuklid an einen gliomspezifischen Antikörper gekoppelt. Dadurch kann die Strahlung gezielt an die Tumorzellen gebracht werden. Erste Studien zeigten ermutigende Ergebnisse *. Der Ansatz wird unter anderem in der NOA-22-Studie weiter untersucht.
Immun-Checkpoint-Hemmer
Das Immunsystem besitzt natürliche Kontrollmechanismen, sogenannte Checkpoints, die eine zu starke Immunreaktion verhindern. Dazu gehört unter anderem der PD-1/PD-L1-Signalweg: Wird dieser aktiviert, werden bestimmte Abwehrzellen (T-Zellen) in ihrer Aktivität gebremst.
Tumorzellen können diese natürliche «Bremse» nutzen, um einem Angriff durch das Immunsystem zu entgehen. Immun-Checkpoint-Hemmer blockieren diese Bremse und ermöglichen es den T-Zellen, Tumorzellen wieder besser zu erkennen und anzugreifen.
Checkpoint-Hemmer wie Nivolumab, Durvalumab oder Avelumab werden bei verschiedenen Krebsarten erfolgreich eingesetzt. Beim Glioblastom wird ihr Einsatz weiterhin untersucht, unter anderem in der NOA-21-Studie.
Tumortherapiefelder (TTFields)
Tumortherapiefelder (TTFields) sind eine nicht-invasive Behandlung des Glioblastoms. Über Elektroden, die auf der rasierten Kopfhaut getragen werden, erzeugt das Gerät Optune® schwache elektrische Felder. Diese sollen die Teilung und Vermehrung der Tumorzellen stören.
Bei neu diagnostiziertem Glioblastom zeigte eine Studie einen Überlebensvorteil, wenn TTFields nach der Bestrahlung zusätzlich zur Chemotherapie eingesetzt wurden *. Für eine wirksame Behandlung sollte das Gerät möglichst lange täglich getragen werden.

Methadon
Methadon wurde in den vergangenen Jahren wiederholt als mögliche Therapie des Glioblastoms diskutiert. Trotz Berichten in Internetforen und Medien gibt es bislang keinen wissenschaftlich belegten Nachweis für eine Wirksamkeit von Methadon bei Glioblastomen. Methadon ist daher kein Bestandteil der etablierten Standardtherapie.
Vortioxetin
Labor- und Tierstudien zeigen, dass das zugelassene Antidepressivum Vortioxetin Glioblastomzellen hemmen kann. Ob sich dieser Effekt auch bei Patientinnen und Patienten bestätigt, ist derzeit noch unklar. Weitere Studien sollen das therapeutische Potenzial untersuchen. *
Was geschieht, wenn der Tumor wieder wächst?
Leider erleiden die meisten Patienten mit einem Glioblastom auch nach erfolgreicher Operation und anschliessender idealer Nachbehandlung irgendwann ein Rezidiv. Die Ursache hierfür liegt zum einen im diffus infiltrierenden Wachstum dieser Tumoren. Zum anderen gibt es Hinweise darauf, dass sogenannte Tumorstammzellen eine wichtige Rolle spielen. Diese übernehmen möglicherweise schon eine Führung bei der Tumorentstehung, sind resistent gegen die üblichen Therapien und triggern dadurch das Rezidiv. Idealerweise sollte eine Therapie auch gegen diese Tumorstammzellen wirksam sein. Leider ist dies bisher noch nicht der Fall.
Wie die Behandlung bei einem Rezidiv aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- neurologischer Zustand des Patienten
- zeitliche Dynamik
- molekulare Tumormarker
- bereits erfolgte Therapien
Wir vertreten im Inselspital einen aggressiven Ansatz, der auf der Beobachtung des Wachstumsmusters basiert. Tumoren schaffen sich mit zunehmender Grösse ihr eigenes Milieu, in dem sie besser gedeihen können. Deshalb ist die engmaschige MRI-Überwachung und sofortige Therapie auch kleinster Rezidive einer unserer wichtigsten Grundsätze des OPTIMISST-Protokolls. Wir sind überzeugt, dass eine Wartezeit von mehreren Wochen zu einer Verminderung der Überlebenszeit führt, weil der Tumor während dieser Zeit «aufgetankte» Zellen in die weitere Umgebung schickt, die sich einer chirurgischen Resektion entziehen.

Operation bei einem Rezidiv
Grundsätzlich sollte bei einem Rezidiv immer die erneute chirurgische Resektion des Rezidivtumors in Betracht gezogen werden. Allerdings ist bei Rezidivoperationen mit einer höheren Komplikationsrate zu rechnen. Hier gilt, dass nur bei Erhaltung der Funktionen, die den Patienten eine gute Lebensqualität sichern, die Überlebenszeit günstig beeinflusst wird.
Wir haben am Inselspital deshalb die ReSurge-Studie initiiert, die aktuell in Europa durchgeführt wird. Damit wollen wir herausfinden, welche Patienten von einer Rezidivoperation profitieren und welche nicht.
Bestrahlung und/oder Chemotherapie bei einem Rezidiv
Zusätzlich zu einer Operation können oft eine weitere Bestrahlung und/oder Chemotherapie durchgeführt werden. Bei Patienten mit MGMT-Promotor Hypermethylierung und einem Rezidiv in der Therapiepause konnte die DIRECTOR-Studie nachweisen, dass diese Patienten erneut von einer Behandlung mit Temodal profitieren *.
Eine standardisierte Zweitlinienchemotherapie existiert bisher nicht. Über diese wird bei uns im Rahmen unseres interdisziplinären Tumor-Boards am Inselspital entschieden. Wichtige Faktoren bei der Entscheidung sind die unterschiedlichen molekularen Eigenschaften des Tumors und eine detaillierte genetische Analyse der Antriebsmutationen des Tumors. In der Diskussion mit renommierten Fachleuten, die per Konferenzschaltung dem Tumorboard zugeschaltet werden, können dann unter Umständen Medikamente identifiziert und eingesetzt werden, die bei anderen Tumorarten mit den gleichen Mutationen erfolgreich waren.
Wie ist die Prognose bei einem Glioblastom?
Die Prognose der Erkrankung wird von vielen Faktoren bestimmt. Aus grossen Studien wissen wir, dass verschiedene Faktoren einen Einfluss auf die Überlebenszeit der Patienten haben.
Faktoren, die die Überlebenszeit beeinflussen
Nicht beeinflussbare Faktoren
- jüngeres Alter
- guter Allgemein- und Leistungszustand
- keine Ausfälle neurologischer Teilfunktionen vor der Operation
- im Tumorgewebe: MGMT-Promotor-Hypermethylierung des Tumors
- im Tumorgewebe: IDH-Mutation
Beeinflussbare Faktoren
- kurze Zeit bis zur Operation, also frühestmögliche Entfernung des Tumors
- minimale oder keine Steroidgabe (Dexamethason) vor und nach der Operation
- keine Ausfälle neurologischer Teilfunktionen nach der Operation, insbesondere keine Lähmungen oder Teillähmungen, die als Komplikation einer Operation entstanden sind
- komplette Tumorentfernung im T1-Kontrastmittel-MRI (CRET nach RANO)
- komplette Entfernung des FLAIR-positiven Signals im MRI oder des T2-hyperintensen Signals im MRI
- keine Komplikation während und nach der Operation
- minimale oder keine Steroidgabe (Dexamethason) während der Strahlentherapie
- multifaktorielle Einflüsse (übrige Faktoren der OPTIMISST-Checkliste)
Wichtig ist, dass für den einzelnen Patienten nur eine grobe Schätzung des zeitlichen Verlaufs, aber keine exakte Vorhersage gemacht werden kann. Alle genannten Zahlen basieren auf dem «Durchschnittswert» einer grossen Anzahl Patienten und lassen keinen Rückschluss auf den einzelnen Patienten zu.
Langzeitüberleben mit Glioblastom unter der heutigen Therapie
Als Langzeitüberlebende werden Patienten mit mehr als 5 Jahren Überlebenszeit nach Diagnosestellung definiert. In einer grossen Studie basierend auf der heutigen Standardtherapie waren das ca. 10 % der Patienten *. Diese Rate variiert jedoch mit den Charakteristika des Patienten und des Tumors. Während sie bei Patienten unter 50 Jahre 17 % beträgt, liegt sie bei Patienten über 50 Jahre nur noch bei 6,4 %. Ein junges Patientenalter, ein guter Allgemeinzustand, das Vorhandensein einer IDH-Mutation, eine MGMT-Promotor-Hypermethylierung sowie eine neurochirurgische Komplettresektion sind nachweislich mit Langzeitüberleben assoziiert *, *, *.
Obwohl viele Langzeitüberlebende kognitive Defizite aufweisen, kann dennoch in den meisten Fällen eine gute Lebensqualität erreicht werden *, *. Wichtig ist zu wissen, dass auch bei Langzeitüberlebenden Rezidive auftreten, deshalb kann nicht von einer Heilung gesprochen werden *.
Warum Sie sich am Inselspital behandeln lassen sollten
Am Inselspital wird für jeden Patienten eine auf seine persönlichen Anforderungen individuelle Behandlungsstrategie festgelegt.
Dies geschieht im zertifizierten Hirntumorzentrum, wo ein interdisziplinäres Team alle Therapieoptionen individuell für jeden einzelnen Patienten diskutiert und festlegt. Wir sind als interdisziplinäres Hirntumorzentrum zertifiziert nach den Kriterien der ISO-Normen (durch das internationale Zertifizierungsinstitut ClarCert) und der Deutschen Krebsgesellschaft (durch das unabhängige Zertifizierungsinstitut OnkoZert). Alle am Tumorboard beteiligten Disziplinen müssen dafür hohe Qualitätsnormen erfüllen.
Unser wöchentlich stattfindendes Tumor-Board arbeitet interdisziplinär und setzt sich aus Spezialisten der Neurochirurgie, Neurologie, Neuroonkologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin, Radioonkologie sowie Pathologie zusammen.
Ein ergänzendes Behandlungskonzept, unser OPTIMISST-Protokoll, wurde am Inselspital entwickelt und implementiert.
Referenzen
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