Eine Trigeminusneuralgie verursacht kurze, intensive, blitzartig einschiessende Schmerzen im Gesicht, die meist einseitig auftreten und wiederkehren. Die Schmerzattacken können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Häufig liegt ein Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem benachbarten Blutgefäss zugrunde. Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerden und einer Magnetresonanztomografie (MRT/MRI) gestellt. Wenn Medikamente die Schmerzen nicht ausreichend lindern, stehen verschiedene neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wie häufig ist die Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene Erkrankung. Pro Jahr erkranken etwa 10 von 100’000 Personen neu daran. Grundsätzlich kann sie bei allen Menschen auftreten, Frauen sind jedoch etwas häufiger betroffen als Männer (Verhältnis etwa 1,8 : 1). Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr auf.
Welche Symptome verursacht eine Trigeminusneuralgie?
Typisch für die Trigeminusneuralgie sind plötzlich einschiessende, sehr starke Schmerzen in der mittleren bis unteren Gesichtshälfte. Die Attacken treten immer einseitig auf, dauern meist nur wenige Sekunden und können mehrfach täglich bis zu hundertmal auftreten. Zwischen den Schmerzattacken sind Betroffene in der Regel beschwerdefrei.
Ausgelöst werden die Schmerzen häufig durch alltägliche Reize wie Sprechen, Kauen, Berührungen, Zähneputzen oder einen Luftzug. Da die Schmerzen oft in den Kiefer ausstrahlen, werden sie nicht selten zunächst als Zahnbeschwerden fehlinterpretiert. Viele Betroffene haben deshalb bereits zahnärztliche Abklärungen oder Behandlungen hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.
Die hohe Schmerzintensität kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Im Verlauf können zusätzlich dumpfe Dauerschmerzen auftreten, die durch eine Schädigung der Nervenfasern entstehen können.

Welche Ursachen hat die Trigeminusneuralgie?
Der Trigeminus (Nervus trigeminus, 5. Hirnnerv) ist ein in drei Hauptäste geteilter Nerv und für die Empfindung im Gesicht und teilweise für die Kaumuskulatur zuständig. Bei der Trigeminusneuralgie entstehen die Schmerzen durch eine Störung der sensiblen Nervenfasern, meist im Bereich der mittleren und unteren Gesichtshälfte.
Die häufigste Ursache ist ein sogenannter neurovaskulärer Konflikt («Jannetta-Mechanismus»). Dabei wird der Trigeminusnerv durch ein benachbartes, pulsierendes Blutgefäss gereizt. Der dauerhafte Kontakt kann die schützende Nervenhülle schädigen und dadurch zu einer fehlerhaften Weiterleitung von Schmerzsignalen führen.
Ein solcher Gefässkontakt ist in der Bildgebung nicht immer nachweisbar. Umgekehrt kommt er bei vielen Menschen vor, ohne Beschwerden zu verursachen.
Seltener liegt eine sogenannte symptomatische Trigeminusneuralgie vor. Dabei sind andere Erkrankungen die Ursache, beispielsweise ein Tumor im Bereich des Nervs, eine Entzündung oder Multiple Sklerose.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert?
Die Diagnose kann aufgrund der typischen Beschwerden häufig bereits klinisch gestellt werden. Zur Bestätigung der Diagnose und zum Ausschluss anderer Ursachen wird in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT oder MRI) des Schädels durchgeführt.
Mit speziellen MRI-Aufnahmen lässt sich der Verlauf des Trigeminusnervs detailliert darstellen. In vielen Fällen kann dabei auch ein neurovaskulärer Konflikt nachgewiesen werden, bei dem ein Blutgefäss den Nerv reizt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für die Trigeminusneuralgie?
Konservative Behandlung
Bei vielen Patientinnen und Patienten kann mit einer medikamentösen Behandlung eine deutliche Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit erreicht werden. Häufig eingesetzte Medikamente sind Carbamazepin, Pregabalin, Gabapentin oder Baclofen. Die Behandlung beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosierung, die schrittweise angepasst wird. In einzelnen Fällen kann auch eine Kombination verschiedener Medikamente sinnvoll sein.
Wenn die Schmerzen trotz medikamentöser Therapie nicht ausreichend kontrolliert werden können oder relevante Nebenwirkungen auftreten, sollte eine invasive Behandlung geprüft werden.
Invasive Behandlungen
Mikrovaskuläre Dekompression (Operation nach Jannetta)
Wenn Medikamente die Schmerzen nicht ausreichend lindern oder nicht vertragen werden, gilt die mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta bei einer klassischen Trigeminusneuralgie als Behandlung der ersten Wahl.
Bei diesem mikrochirurgischen Eingriff wird der Trigeminusnerv über einen kleinen Zugang hinter dem Ohr (retrosigmoidaler Zugang) dargestellt. Ziel der Operation ist es, den Nerv von einem benachbarten Blutgefäss zu entlasten, das ihn reizt. Dazu wird das Gefäss sorgfältig vom Nerv getrennt und mit einem kleinen Teflonkissen dauerhaft auf Abstand gehalten.
Auch wenn in der Magnetresonanztomografie kein eindeutiger neurovaskulärer Konflikt erkennbar ist, kann dieser während der Operation häufig nachgewiesen und behandelt werden.

Ballonkompression
Die Ballonkompression ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Sie kommt insbesondere dann infrage, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder wenn aufgrund des Alters oder anderer Erkrankungen ein erhöhtes Operations- oder Narkoserisiko besteht. Auch bei einer symptomatischen Trigeminusneuralgie, beispielsweise im Zusammenhang mit Multipler Sklerose, oder bei einem Wiederauftreten der Beschwerden nach einer Operation nach Jannetta kann dieses Verfahren eine geeignete Behandlungsoption sein.
Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Über die Wange wird ein dünner Katheter bis zum Nervenknoten des Trigeminusnervs vorgeschoben. Dort wird ein kleiner Ballon für kurze Zeit aufgeblasen. Der dabei entstehende Druck unterbricht gezielt die Weiterleitung der Schmerzsignale und kann so die Beschwerden wirksam lindern.

Stereotaktische Radiochirurgie
Die stereotaktische Radiochirurgie ist eine minimalinvasive Behandlungsmethode, bei der der Trigeminusnerv gezielt mit hochpräziser Strahlung behandelt wird. Der Eingriff erfolgt ambulant und in der Regel in einer einzigen Sitzung.
Dabei wird der Nerv mit Hilfe des CyberKnifes oder eines Gamma-Knifes kurz vor seinem Eintritt in den Hirnstamm millimetergenau bestrahlt. Die Strahlung führt über Wochen zu einer gezielten Veränderung des Nervs und kann dadurch die Weiterleitung von Schmerzsignalen vermindern.
Die Radiochirurgie wird insbesondere bei Patientinnen und Patienten eingesetzt, bei denen andere Behandlungsmethoden nicht möglich sind, nicht ausreichend wirken oder die Beschwerden nach einer früheren Behandlung wieder auftreten.

Wie sind die Erfolgsraten der Operationen?
Die Erfolgsaussichten der verschiedenen Behandlungsverfahren sind insgesamt sehr gut. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Methode, Ausgangssituation und Dauer der Nachbeobachtung.
Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta
Nach einer mikrovaskulären Dekompression berichten über 90 % der Patientinnen und Patienten unmittelbar nach dem Eingriff über eine deutliche Schmerzverbesserung oder Schmerzfreiheit. Bei einem grossen Teil der Betroffenen hält dieser Erfolg langfristig an; etwa 70 % sind auch nach 10 Jahren weiterhin schmerzfrei. Schwere Komplikationen sind selten und treten bei etwa 1 % der Eingriffe auf.
Ballonkompression
Die Ballonkompression führt bei etwa 70–90 % der Patientinnen und Patienten zu einer deutlichen Schmerzverbesserung. Im Vergleich zur mikrovaskulären Dekompression ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Schmerzen jedoch höher *.
Stereotaktische Radiochirurgie
Mit der stereotaktischen Radiochirurgie kann bei einem grossen Teil der Patientinnen und Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erreicht werden. Eine Schmerzfreiheit wird in bis zu 76 % der Fälle beschrieben und hält bei etwa 60 % der Behandelten über drei Jahre an. Als häufigste Nebenwirkung können Sensibilitätsveränderungen im Gesicht auftreten *.
Ihre Behandlung am Inselspital
Am Inselspital wird die geeignete Therapie individuell auf Basis der neurologischen Untersuchung und der MRI-Befunde festgelegt. In einem ausführlichen Gespräch werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten besprochen und gemeinsam die für die jeweilige Situation passende Therapie gewählt.
Wir bieten das gesamte Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten der Trigeminusneuralgie an:
Nach einem Eingriff erfolgen regelmässige Nachkontrollen mit erneuter neurologischer Untersuchung und Beurteilung des Behandlungserfolgs. Bei guter Schmerzreduktion können Medikamente häufig schrittweise reduziert und ausgeschlichen werden. Falls die gewünschte Wirkung nicht erreicht wird, können weitere Therapieoptionen geprüft werden.
Referenzen
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Berger I, Nayak N, Schuster J, Lee J, Stein S, Malhotra NR. Microvascular Decompression Versus Stereotactic Radiosurgery for Trigeminal Neuralgia: A Decision Analysis. Cureus. 2017;9(1):e1000.
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Chin L, Regine WF. Principles and Practice of Stereotactic Radiosurgery. 2nd Edition. Springer-Verlag New-York. 2015.