Schmerzen nach Rückenoperation (Persistent Spinal Pain Syndrome Typ 2)

Beim sogenannten Persistent Spinal Pain Syndrome Typ 2 (PSPS T2, früher Failed Back Surgery Syndrome), handelt es sich um anhaltende oder neu auftretende Schmerzen nach einer oder mehreren Wirbelsäulenoperation. Wundschmerzen direkt nach der Operation sowie Schmerzen in den ersten Tagen und Wochen nach dem Eingriff sind häufig und gehören zum normalen Heilungsverlauf. Sie zählen nicht zu diesem Krankheitsbild. Von einem PSPS spricht man, wenn Schmerzen über längere Zeit bestehen bleiben oder nach einer Phase der Besserung wieder auftreten.

Was ist ein PSPS Typ 2?

Patientinnen und Patienten, die ein Persistent Spinal Pain Syndrome Typ 2 (PSPS Typ 2) entwickeln, wurden aufgrund von Rücken- und/oder Beinschmerzen bereits einmal oder mehrmals an der Wirbelsäule operiert. Der Begriff PSPS Typ 2 ersetzt die früher verwendeten Bezeichnungen «Failed Back Surgery Syndrome» (FBSS) und «Post-Laminektomie-Syndrom», die als stigmatisierend empfunden wurden. Seit der Aufnahme in die ICD-11 wird deshalb bevorzugt der Begriff PSPS Typ 2 verwendet.

Wie häufig ist ein PSPS Typ 2?

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Rückenoperationen weltweit deutlich gestiegen. Je nach Studie leiden jedoch etwa 10 bis 40 % der Operierten trotz Rückenoperation weiterhin unter Schmerzen.

Mit jeder weiteren Rückenoperation nimmt die Erfolgsrate ab. Verschiedene Übersichtsarbeiten nennen übereinstimmend folgende ungefähre Werte:

  • 70–90 % nach der ersten Operation
  • 30 % nach der zweiten Operation
  • 15 % nach der dritten Operation
  • 5 % nach der vierten Operation

Was ist die Ursache für ein PSPS Typ 2?

Woher diese Schmerzen kommen, lässt sich häufig nicht sicher feststellen. 

Als mögliche Ursachen gelten unter anderem:

  • eine ursprünglich nicht angezeigte Operation
  • technisches Versagen
    • Operation am falschen Wirbelsäulensegment
    • ein verbliebenes Bandscheibenfragment
    • eine Pseudarthrose
  • biomechanische Folgen des Eingriffs
    • Abnutzung eines angrenzenden Wirbelsäulensegments
    • Muskelschwund
    • Instabilität
  • Komplikationen
    • epidurale Fibrose
    • Arachnoiditis

Was sind die Folgen eines PSPS Typ 2?

Je länger Patientinnen und Patienten unter einem PSPS Typ 2 leiden, desto schwieriger wird die Behandlung. Zu den chronischen Rückenschmerzen können weitere Belastungen hinzukommen, darunter Stress, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme und Depressionen.

Studien zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit FBSS beziehungsweise PSPS Typ 2 im Vergleich zu Menschen mit anderen chronischen Schmerzerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Arthrose oder Fibromyalgie eine niedrigere Lebensqualität haben. Zudem leiden sie unter stärkeren Schmerzen, nehmen häufiger Opioide ein und sind häufiger arbeitsunfähig.

Mehrere Untersuchungen beschreiben die gesundheitsbezogene Lebensqualität als vergleichbar mit jener von Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz oder einer Krebserkrankung. Bis zu zwei Drittel der Betroffenen berichten von extremen Schmerzen und rund 30 % von extremen Einschränkungen im Alltag.

Wie kann das PSPS Typ 2 behandelt werden?

Das Persistent Spinal Pain Syndrome kann konservativ, interventionell oder mit einer Neuromodulation behandelt werden. Bei uns werden Betroffene, die eine lange Leidensgeschichte haben, interdisziplinär untersucht, um ihnen eine auf sie zugeschnittene Therapie anbieten zu können.

Konservative Therapie

Der wichtigste therapeutische Ansatz ist das Trainieren der Muskulatur. Dazu kann Physiotherapie helfen, je nach Befund kombiniert mit Schmerzmitteln oder einer psychosomatischen Schmerztherapie.

Interventionelle Schmerztherapie

Wenn die konservative Behandlung der Schmerzen nicht wirkt, können Methoden der interventionellen Schmerztherapie angewendet werden. Dazu gehören 

  • eine gezielte Infiltration,
  • eine gezielte Stromtherapie mit Radiofrequenz (Radiofrequenzablation) oder
  • eine Thermokoagulation, bei der minimalinvasiv eine Kanüle mit einem feinen Draht direkt an die schmerzleitende Nervenstruktur geleitet und die Nervenfaser gezielt verödet wird.

Neuromodulation

Die Neuromodulation beeinflusst die Weitergabe von Nervenimpulsen durch Strom oder durch Medikamente. Wenn konservative Therapien für das Persistent Spinal Pain Syndrome keine Besserung bringen, kann eine Rückenmarkstimulation durchgeführt oder eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden.