Hirngefässe

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Etwa 15 % des Blutes, das vom Herz durch den menschlichen Körper gepumpt wird, erhält das Gehirn, obwohl es insgesamt nur 2 % des Körpergewichts einnimmt. Dieser hohe Anteil spiegelt die Bedeutung der Blutversorgung wider. Erkrankungen der Hirngefässe können daher gravierende Auswirkungen auf die Funktion des Gehirns haben.

Das Inselspital ist ein ausgewiesenes Zentrum für die Behandlung dieser Erkrankungen mit hohen Patientenzahlen, grosser Erfahrung und vielen eigenen Entwicklungen, die die Therapie von Hirngefässerkrankungen weltweit verbessert haben. Die Universitätskliniken für Neurochirurgie, Neurologie und Neuroradiologie haben deshalb einen umfassenden Leistungsauftrag in der hochspezialisierten Medizin der Schweiz.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Erkrankungen der Hirngefässe sowie die Kontaktinformationen von Neurochirurgie, Neurologie und Neuroradiologie. Detaillierte Informationen zu den verschiedenen Krankheitsbildern finden Sie jeweils unter den einzelnen Erkrankungen.

Nichtrupturiertes Hirnarterienaneurysma

Die Häufigkeit von nicht entdeckten Hirngefässaneurysmen in der Bevölkerung liegt bei 2 %. Aneurysmen werden oft als Zufallsbefund bei einer Magnetresonanztomografie (MRT bzw. MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging) des Kopfs gefunden, die aus anderen Gründen durchgeführt wurde – meist als Abklärung von Kopfschmerzen oder Schwindel. Ob ein zufällig gefundenes Aneurysma behandelt werden sollte, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Das Risiko einer Ruptur wird gegen das Risiko der Behandlung abgewogen. Die wichtigsten Faktoren sind dabei die Grösse des Aneurysmas, seine Lage, seine Form und eine erbliche Vorbelastung innerhalb der Familie. Das Risiko für Komplikationen bei der Behandlung nichtrupturierter Aneurysmen liegt in grossen, auf die Aneurysmabehandlung spezialisierten Zentren bei etwa 1,5 % – sowohl für die Operation als auch für die endovaskuläre Therapie. Die Entscheidung für eine Behandlung oder nur eine Verlaufsbeobachtung sollte in einem persönlichen Gespräch mit einem Spezialisten eines Aneurysmazentrums diskutiert und getroffen werden.

Aneurysma einer Hirnarterie

Familiäres Aneurysma

Die Frage nach der Vererbbarkeit von Aneurysmen wird häufig gestellt. Zum Glück weist nur ein geringer Teil der Patienten eine genetische Disposition und damit eine familiäre Häufung von Aneurysmen auf. Wenn keine familiäre Häufung besteht, sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen bei Verwandten eines Patienten mit einer sporadischen, nicht erblichen aneurysmatischen Subarachnoidalblutung nicht notwendig.

Familiäres Aneurysma

Rupturiertes Aneurysma und Subarachnoidalblutung

Die häufigste und zugleich schwerste Komplikation eines Aneurysmas ist die Ruptur, die zu einer Subarachnoidalblutung führt. Dabei wird Blut mit arteriellem Druck in den Raum zwischen Gehirn und Schädelbasis gepresst. Das typische klassische Zeichen für eine Aneurysmaruptur ist der schlagartig einsetzende, heftigste Kopfschmerz in einer bis dahin vom Patienten noch nicht erlebten Intensität. Nach einer Ruptur sollte das Aneurysma innerhalb von 1–2 Tagen durch einen endovaskulären Aneurysmaverschluss (Coiling) oder in einer mikrochirurgischen Operation (Clipping) beseitigt werden. Die optimale Behandlung von Aneurysmen ist einer der grossen Forschungsschwerpunkte am Inselspital.

Rupturiertes Aneurysma und Subarachnoidalblutung

Arteriovenöse Malformation (AVM)

Arteriovenöse Malformationen (AVMs) sind Missbildungen der Blutgefässe und bestehen aus einem Geflecht von Kurzschlussverbindungen zwischen Hirnarterien und Hirnvenen. AVMs können je nach ihrer Grösse, ihrem Flussmuster und ihrer Lokalisation im Gehirn sehr verschieden sein und ganz unterschiedliche Symptome verursachen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und intrazerebrale Blutungen. Ob und wie eine AVM behandelt werden sollte, ist immer eine Abwägung zwischen Rupturrisiko und den Risiken der Behandlung. AVMs gehören wissenschaftlich wie klinisch zu einem der Schwerpunkte am Inselspital.

Arteriovenöse Malformation (AVM)

Kavernom

Kavernome oder auch kavernöse Malformationen sind Gefässmissbildungen, die aus irregulären kleinen Gefässkammern bestehen und von Gehirn- bzw. Rückenmarksgewebe umgeben sind. Sie weisen kein Hirngewebe und keine grossen Arterien oder Venen im Inneren auf. Das Risiko einer Blutung ist abgesehen vom Hirnstamm relativ klein. Trotzdem kann ein Kavernom eine Epilepsie, Kopfschmerzen oder auch neurologische Defizite verursachen. Die meisten dieser Gefässknäuel verursachen jedoch keine Beschwerden und werden nur zufällig im Rahmen einer Bildgebung (MRI) entdeckt. Ob und wie ein Kavernom behandelt werden sollte, muss für jeden Patienten individuell entschieden werden.

Kavernom – kavernöse Malformation

Hämangioblastom

Ein Hämangioblastom oder auch kurz Angioblastom ist ein seltener, gutartiger (WHO-Grad I) und äusserst gefässreicher Tumor, der neben einem soliden Knoten häufig auch zystische Anteile aufweist. Meist sind Hämangioblastome im Kleinhirn, Hirnstamm oder Rückenmark lokalisiert. Hämangioblastome sind häufig auf das von Hippel-Lindau-Syndrom (VHL) zurückzuführen, können aber auch sporadisch auftreten. Die mikrochirurgische Entfernung eines Angioblastoms ist die Therapie der ersten Wahl. Die Schwierigkeit der Operation variiert dabei je nach Grösse, Lage und Tumorzyste.

Hämangioblastom

Durafistel

Durale arteriovenöse Malformationen, auch Durafisteln genannt, sind erworbene krankhafte Verbindungen von arteriellen Gefässen in Venen oder venöse Blutleiter des Gehirns. Über diese wird dann zu viel Blut transportiert, so dass es in leichteren Fällen zu Ohrgeräuschen kommen kann. In schweren Fällen kann ein Rückstau in das Gehirn Hirnblutungen, epileptische Anfälle oder eine Hirnschwellung mit Gewebeuntergang verursachen.

Durafistel

Karotisstenose

Als Karotisstenose bezeichnet man die durch Atherosklerose verursachte Einengung der Halsschlagader. Karotisstenosen sind häufig und gehören zu den wichtigsten Auslösern für einen Schlaganfall. Das Ziel der Behandlung ist es, weitere Schlaganfälle und die damit verbundenen neurologischen Defizite zu verhindern. Es stehen die operative Entfernung der atherosklerotischen Plaque sowie eine endovaskuläre Therapie zur Verfügung. Die Behandlung erfordert ein erfahrenes Team aus Neurochirurgen, Neurologen und Neuroradiologen. Welche Therapie die richtige ist, wird interdisziplinär im neurovaskulären Board und für jeden Patienten individuell entschieden.

Karotisstenose

Zerebrale Durchblutungsstörung

Eine zerebrale Durchblutungsstörung entsteht dann, wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine akute zerebrale Durchblutungsstörung. Die Ursachen solcher Durchblutungsstörungen sind vielfältig. Die Therapie besteht in der Regel aus einer Behandlung der Risikofaktoren oder einer endovaskulären Therapie. Bei Durchblutungsstörungen, die innerhalb des Schädels ihren Ursprung haben und nicht endovaskulär therapierbar sind, kann eine Bypassoperation in Erwägung gezogen werden.

Zerebrale Durchblutungsstörung

Moyamoya-Erkrankung

Die Moyamoya-Erkrankung ist eine seltene Krankheit der Gehirngefässe, bei der es zu einer langsam voranschreitenden Verengung der intrakraniellen Halsschlagader und ihrer Hauptabgänge kommt. Patienten, die unter der Krankheit leiden, sind einem erheblichen Schlaganfallrisiko ausgesetzt, da die Blutzufuhr zum Gehirn in der Regel nicht ausreichend ist oder es zu intrazerebralen Blutungen kommen kann. Die neurochirurgische Behandlung stellt die einzige effektive Therapie dar, um das Risiko für wiederkehrende Schlaganfälle und die damit verbundenen neurologischen Defizite zu reduzieren. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist ein erfahrenes Team aus Neurochirurgen, Neuroanästhesisten, Neurointensivmedizinern und Neurologen.

Moyamoya-Erkrankung