Projekte und klinische Studien

Projekte

HORAO – Forschung dank Crowdfunding

Mit dem Projekt HORAO lancierte die Universitätsklinik für Neurochirurgie im August 2017 zum ersten Mal überhaupt eine Crowdfunding-Kampagne am Inselspital. Der Erfolg auf der Schweizer Crowdfunding-Plattform wemakeit war überwältigend: Nach nur 29 Tagen waren die angestrebten 50 000 Franken gesammelt. Bis zum Ende der Kampagne kamen sogar über 69 000 Franken zusammen.

Ziel von HORAO ist die Entwicklung eines noch stärkeren Mikroskops, mit dem Neurochirurgen Hirntumoren besser erkennen können. 2018 ging das Projekt in Phase 2: Das Team von HORAO hat einen globalen Crowdsourcing-Wettbewerb zwischen Forscher- und Entwicklerteams vorbereitet. Das gesammelte Geld gewinnt der Sieger des Wettbewerbs. Im März 2019 wurde dann der Sieger gekürt: Ivan Guschanko aus Frankreich hat mit seinem eingereichten Projekt den Wettbewerb gewonnen. Mit dem Preisgeld und der weiterführenden Unterstützung durch einen erfahrenen Coach soll sein Projekt nun zur Marktreife gebracht werden.

Projektleiter: Prof. Dr. med. Philippe Schucht

BRIDGE-Discovery-Projekt

Towards Intelligent Sensor-enhanced Robotic Neurosurgery

Im Rahmen des Projekts «Towards Intelligent Sensor-enhanced Robotic Neurosurgery» entwickeln Andreas Raabe von der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Inselspital Bern, Stefan Weber vom ARTORG Center for Biomedical Engineering der Universität Bern sowie Olivier Chételat vom Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie (CSEM) eine neue robotisch unterstützte Operationsmethode, die ein neues Mass an Sicherheit für komplizierte Wirbelsäulenoperationen bietet. Mit der Methode sollen Stabilisierungsschrauben in der Wirbelsäule sicher, genau und ohne Verletzungen des umliegenden Gewebes angebracht werden können. Grundlage dafür bilden verschiedene patentierte Sensortechnologien, die die Wirbelsäule von innen «abtasten». Gemeinsam mit den Industriepartnern Rotomed AGInomed GmbH und CAScination AG hat das Team sein Vorhaben beim Programm «BRIDGE Discovery» eingereicht, mit dem der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) des Bundes gemeinsam technologische Innovationen fördern. Das Projekt erhält einen Förderbeitrag von zwei Millionen Franken über einen Zeitraum von vier Jahren.

Projektleiter: Prof. Dr. med. Andreas Raabe, Prof. Dr.-Ing. Stefan Weber, Dr. Olivier Chételat

AMBIZIONE-Projekt

Mapping and Modeling of Deep Brain Stimulation

Die tiefe Hirnstimulation (DBS von engl. Deep Brain Stimulation) behandelt Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson. Es ist ein chirurgischer Eingriff am Gehirn: Elektroden werden dabei präzise im tiefen Hirn implantiert, wo sie dann elektrische Impulse an bestimmte Hirnstrukturen abgeben. Um Nebenwirkungen zu vermindern und die Behandlung zu verbessern, wurden vor wenigen Jahren segmentierte Elektroden entwickelt. Diese ermöglichen eine gezieltere Stimulation der Hirnstrukturen und mehr Möglichkeiten die Stimulation zu programmieren. Jedoch bringt dies die bisherige manuelle Programmierung an ihre Grenzen und beansprucht mehrstündige Konsultationen.

Das Hauptziel ist die Entwicklung und klinische Evaluierung einer Computer-gestützten Programmierung. Wir erwarten, dass diese neue DBS-Programmierung ähnliche Verbesserungen der motorischen Fähigkeiten der Patienten zeigt wie die bisherige manuelle Programmierung, aber deutlich weniger Zeit benötigt und damit für Patient, Arzt und das Gesundheitswesen von Vorteil sind.

ABILITY-Projekt

Die DNA für Wissen im digitalen Zeitalter

Die richtige Diagnose zu stellen und die beste Therapie auszuwählen, erfordert umfangreiches medizinisches Wissen. Ärztinnen und Ärzte müssen deshalb lebenslang lernen. Im neuen «Informationszeitalter» werden Bücher und Zeitschriften durch digitale Dokumente und Präsentationen ersetzt, die auf Knopfdruck millionenfach mit unterschiedlichen Inhalten und in unterschiedlichen Qualitäten verfügbar sind. Die Trefferlisten im Internet bedeuten aber noch kein Wissen in den Köpfen. Und genau ab diesem Punkt sind Ärztinnen und Ärzte sich selbst überlassen. Mit unserem Software-Projekt «ABILITY» schaffen wir ein System, das den Benutzern hilft, persönliches Wissen dauerhaft aufzubauen. Es beginnt dort, wo eine Wissensquelle als persönlich wertvoll identifiziert wurde. «ABILITY» enthält neue Tools zur Interaktion mit digitalen Dokumenten, um die wesentlichen Informationen – die Perlen des Wissens – zu extrahieren und deise mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen. Es bietet darüber hinaus ein innovatives Lernsystem und organisiert gesammelte Dokumente in Prioritätsebenen, damit die Sicht auf das Wichtige frei bleibt. Unser Projekt «ABILITY» bietet genau für das eine Lösung, was mehr als 300 internationale Ärztinnen und Ärzte in einer Umfrage als Problem definiert haben.

Projektleiter: Prof. Dr. med. Andreas Raabe

Forschung unterstützen

Möchten Sie Teil unserer Forschung werden und medizinische Innovationen in der Neurochirurgie unterstützen? Wir freuen uns über jede finanzielle Unterstützung unserer Forschungsprojekte. Sie helfen damit direkt der medizinischen Behandlung zukünftiger Patienten.

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Klinische Studien

Studien im Bereich Hirntumoren

ReSurge-Studie

Randomisierte kontrollierte komparative Phase-II-Studie zur Chirurgie bei Glioblastom-Rezidiven
Randomized Controlled Comparative Phase II Trial on Surgery for Glioblastoma Reccurence

Bis heute gibt es zwei etablierte Strategien, um einen wiederkehrenden Hirntumor zu behandeln:

  1. Eine erneute Operation des Hirntumors gefolgt von einer Zweitlinien-Therapie (Chemo- oder Radiotherapie)
  2. Sofortige Zweitlinien-Therapie (Chemo- oder Radiotherapie) ohne vorgängige Operation

Welche der beiden Behandlungsstrategien den grösseren Erfolg hat, ist bisher ungeklärt. Ziel dieser Studie ist, genau dies zu untersuchen. Es soll geklärt werden, welche der beiden Behandlungsstrategien den grössseren Erfolg hat.

Studienleiter:Prof. Dr. med. Philippe Schucht
Studienkoordinator:
Backup:
Andrea Mathis
Nicole Söll
Studienregister:NCT02394626
Studien-Webseite: resurge-trial.ch

MotorStim-Studie

Randomisierte kontrollierte multizentrische Studie zum Einfluss präoperativer Kartierung motorischer Hirnareale mittels navigierter transkranieller Magnetstimulation
Randomized controlled multicenter trial on the impact of presurgical navigated transcranial magnetic stimulation for motor mapping of rolandic lesions

Die Studie beschäftigt sich mit der funktionellen Kartierung von Hirnarealen vor der Operation eines Hirntumors (Metastase oder Gliom). Diese Studie soll untersuchen, ob die präoperative Kartierung von Gehirnarealen zur Bewegungsproduktion einen Einfluss auf das chirurgische Ergebnis hat oder nicht.

Studienleiter:PD Dr. med. Kathleen Seidel
Studienkoordinator:
Backup:
Nicole Söll
Chantal Zbinden
Studienregister:NCT02879682

Plastizität-Studie

Präoperative funktionelle Inaktivierung von angrenzendem und infiltriertem Hirngewebe bei Hirnläsionen mittels rTMS-induzierter Plastizität
Prophylactic function relocation prior to resection of cerebral lesions in eloquent areas using rTMS

Ein Tumor kann unmittelbar neben einem Hirnzentrum liegen, welches wichtig für die Sprache oder die Bewegung des Körpers wichtig ist. Die notwendige Operation zur Entfernung des Tumors kann dieses Areal gefährden. Möglicherweise kann deshalb ein Teil des Tumors nicht entfernt werden kann, um zu verhindern, dass durch die Operation neurologische Schäden entstehen.
Bei dieser Studie wird eine Methode, die sogenannte rTMS, angewendet, deren Ziel die Verlagerung der gefährdeten Funktionen in andere Hirnareale ist, damit die Läsion anschliessend risikoarmer und vollständiger entfernt werden kann.
Ziel dieser Studie ist es, die Wirksamkeit der Methode (rTMS) zu überprüfen.

Studienleiter:Prof. Dr. med. Philippe Schucht
Studienkoordinator:
Backup:
Andrea Mathis
Chantal Zbinden

RESDEX-Studie

Studie zur Implementierung eines restriktiven Dexamethason Behandlungsregimes bei Hirntumorpatienten
Restrictive use of dexamethasone in glioblastoma

Diese Studie untersucht, ob die neurochirurgische Behandlung von Hirntumoren bei bestimmten Patienten ohne zusätzliche Verabreichung von Dexamethason (Cortison), oder nur mit einer Minimaldosis von Dexamethason durchgeführt werden kann. 

Studienleiter:Prof. Dr. med. Andreas Raabe
Studienkoordinator:Nicole Söll
StudienregisterNCT04266977

CLEBT-Studie (CONVIVO in-vivo)

Konfokale Endomikroskopie für Gehirntumoren – Gewebediagnostik von Tumoren bei Gehirnoperationen
Confocal laser endomycroscopy for brain tumors

Ziel der Studie ist es eine Gewebediagnose ohne Gewebeentnahme zu ermöglichen. 
Hierbei wird mit dem CONVIVO®-System ein «Foto» vom Gehirngewebe eines Patienten erstellt. CONVIVO® kann bis auf die zelluläre Ebene des Gehirns hineinzoomen. Es geht darum, gesundes Gewebe von Tumorgewebe unterscheiden zu können.

Studienleiter:PD Dr. med. Kathleen Seidel
Studienkoordinator:
Backup:
Chantal Zbinden
Andrea Mathis
StudienregisterNCT04280952

Studien im Bereich Wirbelsäule

VANCO-Studie

Vancomycin-Puder zur Prophylaxe von chirurgischen Wundinfektionen nach instrumentierter spinaler Fusion: Eine randomisierte kontrollierte Studie (VANCO Trial)
Suprafascial vancomycin powder for prevention of surgical site infections after instrumented posterior spinal fusion: A randomized controlled phase-II trial

Wir wollen bei offenen, (mit einem Schrauben-Stab-System) instrumentierten Operationen an der Wirbelsäule mit Zugang von hinten untersuchen, ob das Antibiotikum Vancomycin in seiner Puderform, welches am Ende der Operation in die oberflächliche Wunde gegeben wird, die Rate an chirurgischen Wundinfektionen senkt. Zudem sollen auch die Sicherheit und Verträglichkeit dieser Methode untersucht werden.
Vancomycin ist ein Antibiotikum, welches den Aufbau der Zellwand in empfindlichen Bakterien hemmt. Das Medikament wird weltweit seit Jahrzehnten routinemässig zur Prophylaxe und Therapie von bestimmten bakteriellen Infektionen verwendet. Allerdings existiert weltweit inklusive der Schweiz für die Verwendung der (nicht aufgelösten) Puderform zur Infektprophylaxe keine offizielle Empfehlung («off-label»).

Studienleiter:Dr. med. Ralph Schär
Studienkoordinator:Nicole Söll
Studienregister:NCT04017468
Studien-Webseite:vanco-trial.ch

Infiltrationsstudie

Nicht-invasive Messung der Steifigkeit des Hirn-/Rückenmarkraums
Comparison of invasive measurement of craniospinal compliance with non-invasive derivation of a compliance surrogate from electrical capacitance of the head

Der Druck innerhalb von Schädel und Rückenmark ist eine wichtige Grösse, um Erkrankungen im Nervengewebe zu erkennen und zu behandeln. Bisher braucht man invasive Messungen, um diese Daten erheben zu können. Wir vermuten einen Zusammenhang zwischen der elektrischen Kapazität bzw. dem elektrischen Fassungsvermögen des Kopfes und der Steifigkeit im Hirn-Rückenmarkraum. Dies stellt eine potenzielle nicht-invasive Messmöglichkeit dar. In diesem Projekt möchten wir also testen, ob durch die Messung der elektrischen Kapazität des Kopfes ein nicht-invasives Messverfahren möglich ist.

Studienleiter:Dr. med. Ralph Schär
Studienkoordinator:
Backup:
Chantal Zbinden
Nicole Söll

Studien im Bereich Hirngefässe

SWITCH-Studie

Chirurgische Entfernung des Schädelknochens (dekompressive Hemikraniektomie) bei spontanen Hirnblutungen

Swiss Trial of Decompressive Craniectomy versus Best Medical Treatment of Spontaneous Supratentorial Intracerebral Hemorrhage: A Randomized Controlled Trial.

Die spontane Hirnblutung ist eine der schwersten Formen des Hirnschlages und betrifft weltweit über 2 Mio. Menschen pro Jahr. Ungefähr 1/3 bis 1/2 dieser Patienten versterben kurz danach und die meisten der Überlebenden erleiden schwere neurologische Ausfälle mit Langzeitbehinderung. Bisher gibt es abgesehen von der Betreuung auf der Intensivstation keine Möglichkeiten, wie diesen Patienten geholfen werden kann.
Mit dieser Studie möchten wir untersuchen, ob die Entfernung von Teilen des Schädelknochens (Entlastungskraniektomie) die Sterblichkeit und den Behinderungsgrad dieser Patienten im Vergleich zur bestmöglichen medizinischen Behandlung zu reduzieren vermag. Ziel dieser Studie ist es, Patienten mit einer Hirnblutung in Zukunft eine Behandlung anbieten zu können, die sowohl die Sterblichkeit wie auch den Behinderungsgrad reduzieren kann.
Die neurologischen Ausfälle bei einer Hirnblutung entstehen einerseits durch die Raumforderung der Blutung, andererseits durch die sekundäre Hirnschwellung. Die Entfernung von Teilen des Schädelknochens ist ein chirurgisches Standardverfahren, das bei Patienten mit einer Hirnschwellung nach einer schweren Mangeldurchblutung des Gehirns, nach Hirnverletzungen durch einen Unfall aber auch bei gewissen Hirnentzündungen erfolgreich eingesetzt wird. Bisher hat keine Studie, die Patienten nach dem Zufallsprinzip in 2 Gruppen eingeteilt hat, die Wirksamkeit der Entfernung des Schädelknochens bei einer Hirnblutung untersucht.

Studienleiter:Prof. Dr. med. Urs Fischer, Prof. Dr. med. Jürgen Beck
Studienregister:NCT02258919
Studien-Webseite:switch-trial.ch