Plötzliche, stechende Schmerzattacken im Bereich von Ohr, Zunge, Rachen oder Mandeln können auf eine Glossopharyngeusneuralgie hinweisen. Ursache ist eine Reizung des Nervus glossopharyngeus, auch Zungen-Rachen-Nerv genannt. Typische Auslöser sind Kauen, Schlucken, Sprechen oder Berührungen im Rachenbereich. Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen, bietet die Neurochirurgie eine wirksame Behandlungsmöglichkeit: Eine spezielle minimalinvasive Operation erzielt bei über 85 % unserer Patientinnen und Patienten eine anhaltende Schmerzlinderung.

Wie häufig ist die Glossopharyngeusneuralgie?
Die Glossopharyngealneuralgie ist eine seltene Erkrankung im Vergleich zu anderen Formen von Gesichts- und Kopfschmerzen. Sie ist mit 0,2–1,3 % aller Gesichtsschmerzsyndrome sehr selten und betrifft besonders häufig ältere Menschen. Sie kann jedoch grundsätzlich in jedem Alter auftreten.
Welche Symptome verursacht eine Glossopharyngeusneuralgie?
Der Nervus glossopharyngeus (IX. Hirnnerv), auch Zungen-Rachen-Nerv genannt, leitet Empfindungen aus Rachen, Mandeln und Zunge an das Gehirn weiter und steuert Teile der Rachenmuskulatur.
Typisch für eine Glossopharyngeusneuralgie sind kurze, sehr starke, blitzartig einschiessende Schmerzen, die meist einseitig im Bereich von Rachen, Mandeln, Zunge oder Ohr auftreten. Die Attacken dauern oft nur wenige Sekunden und werden häufig durch Schlucken, Kauen, Husten, Gähnen, Sprechen oder Berührungen ausgelöst.
Aufgrund der Schmerzen vermeiden manche Betroffene das Essen, was zu einem ungewollten Gewichtsverlust führen kann. Eine spontane Besserung der Glossopharyngeusneuralgie innerhalb von 6 Monaten ist nicht selten. Bei anhaltenden Beschwerden sollte eine mögliche Ursache abgeklärt und über geeignete Therapieoptionen entschieden werden.
Was ist die Ursache für eine Glossopharyngeusneuralgie?
In seltenen Fällen wird eine Glossopharyngeusneuralgie durch eine krankhafte Veränderung wie einen Tumor, eine Gefässveränderung, eine Entzündung oder Verwachsungen in der Nähe des Nervs verursacht. Häufiger handelt es sich jedoch um eine idiopathische Form, bei der keine eindeutige Ursache nachweisbar ist.
Als mögliche Ursache gelten Schädigungen der Nervenscheiden, durch die Berührungsreize fehlerhaft als Schmerz weitergeleitet werden können. Diese Veränderungen können im Rahmen des Alterungsprozesses entstehen oder durch einen dauerhaften Kontakt mit benachbarten pulsierenden Blutgefässen (neurovaskulärer Konflikt) begünstigt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Zur Abklärung einer Glossopharyngeusneuralgie und zum Ausschluss möglicher anderer Ursachen wird in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT/MRI) des Schädels durchgeführt.
So können unter anderem ein neurovaskulärer Konflikt oder anatomische Besonderheiten wie ein verlängerter Griffelfortsatz der Schädelbasis erkannt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bei einer Glossopharyngeusneuralgie richtet sich die Behandlung nach der Ursache. Liegt eine seltene symptomatische Form vor, wird – wenn möglich – die zugrunde liegende Erkrankung behandelt.
Konservative Therapie
Bei der häufigeren idiopathischen Glossopharyngeusneuralgie ohne erkennbare Ursache erfolgt zunächst eine medikamentöse Behandlung, meist mit Carbamazepin. Die Dosierung wird schrittweise angepasst, bis eine ausreichende Kontrolle der Schmerzattacken erreicht ist.
Operative Therapie
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder relevante Nebenwirkungen auftreten, kann eine neurochirurgische Behandlung sinnvoll sein. Als Therapie der ersten Wahl gilt die mikrochirurgische neurovaskuläre Dekompression nach Jannetta.
Dabei wird der Nervus glossopharyngeus unter dem Operationsmikroskop dargestellt und von störenden, pulsierenden Gefässen entlastet. Das Gefäss wird mit einem kleinen Polstermaterial vom Nerv getrennt. Während des Eingriffs überwacht ein neurophysiologisches Monitoring wichtige Nervenfunktionen, um die Sicherheit der Behandlung zu erhöhen.

Unsere Erfahrungen am Inselspital
Die mikrochirurgische neurovaskuläre Dekompression gehört am Inselspital zu den etablierten Verfahren zur Behandlung der Glossopharyngeusneuralgie. Obwohl diese Operation häufiger bei der Trigeminusneuralgie durchgeführt wird, ist die chirurgische Technik vergleichbar.
Bei sorgfältiger Auswahl der Patientinnen und Patienten sind die Langzeitergebnisse sehr gut: Mehr als 85 % unserer Patientinnen und Patienten profitieren von einer deutlichen und anhaltenden Schmerzlinderung nach dem Eingriff.