Angina pectoris heisst übersetzt Brustenge und bezeichnet den Zustand von Schmerzen und einem Engegefühl im Brustkorb. Zugrundeliegend ist eine Erkrankung der Herzkranzgefässe, die meist aufgrund einer Arteriosklerose stark verengt sind. Dadurch wird das Herz schlechter durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Ursächlich für die Schmerzen ist eine Dysbalance zwischen dem Sauerstoffbedarf und dem Sauerstoffverbrauch des Herzens * – also, wenn das Herz weniger Sauerstoff erhält, als eigentlich nötig wäre.

Unsere Zahlen

9,4 von 10
Weiterempfehlung durch unsere Patienten
3
spezifisch ausgebildete Pain Nurses
150
funktionelle Eingriffe pro Jahr

Wie wird eine Angina pectoris eingeteilt?

Die Angina pectoris (AP) kann nach dem Schema der Canadian Cardiovascular Society (CCS) in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt werden *:

GradSymptomatik
IAP bei grosser Anstrengung
IIAP bei moderater Anstrengung. Rasches Treppensteigen, Aufwärtsgehe
IIIAP bei leichter Anstrengung. Treppensteige
IVAP in Ruhe

Falls die Beschwerden länger als 3 Monate auftreten und nur ungenügend durch Medikamente, interventionelle Verfahren (Angioplastie) oder operative Verfahren (Bypassoperation) behandelt werden können, werden sie als chronisch bezeichnet. Es handelt sich dann um eine sogenannte refraktäre Angina pectoris (RAP).

Bei ausgewählten Patienten, meist mit Angina pectoris Grad III oder IV, bei denen die konventionellen Therapien ausgeschöpft sind und die weiter unter anhaltenden Schmerzen leiden, ist ein Verfahren der Neuromodulation, nämlich die Rückenmarkstimulation, eine empfohlene Therapie. Mit Hilfe der Rückenmarkstimulation können nicht nur der Schmerz gelindert, sondern auch die Durchblutung des Herzens und somit die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Informieren Sie sich hier, wie Ihnen in unserer Klinik für Neurochirurgie geholfen werden kann.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei refraktärer Angina pectoris?

Die normale Therapie einer Angina pectoris, beziehungsweise der hierfür ursächlichen koronaren Herzerkrankung, sieht Folgendes vor:

  • Ausschaltung der individuellen Risikofaktoren
  • medikamentöse Therapie
  • Operationen zur Wiederherstellung der Gefässdurchblutung (Bypass, Stents, Angioplastie)

Bei Patienten, welche chronisch an Angina-pectoris-Beschwerden leiden und bei welchen weitere Revaskularisationen nicht mehr durchführbar sind, gibt es Alternativtherapien. Die moderne Neurochirurgie bietet die Rückenmarkstimulation (spinal cord stimulation oder SCS) zur Verringerung der Schmerzen an. Die Therapie einer refraktären Angina pectoris mit Rückenmarkstimulation ist sicher und reversibel und wird unter anderem von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen *.

Wie wirkt die Rückenmarkstimulation?

In welcher Weise die Rückenmarkstimulation genau wirkt, konnte noch nicht abschliessend geklärt werden. Eine Vielzahl an Mechanismen scheint daran beteiligt zu sein. Einerseits kommt die Regulation von Schmerzsignalen im Herz in Frage, andererseits wirkt wohl auch die Modulation des sympathischen autonomen Nervensystems. Schlussendlich führen die Effekte zu weniger Rhythmusstörungen und einer verbesserten Durchblutung des Herzens *.

Es gibt mehrere prospektive randomisierte Studien sowie einen systematischen Review-Artikel * und eine Meta-Analyse *, die die Effekte der Rückenmarkstimulation untersucht haben. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass die Rückenmarkstimulation eine statistisch signifikante Reduktion der Schmerzintensität bewirkt. Ausserdem nimmt die Häufigkeit der Schmerzsymptome ab, so dass die Einnahme von Nitroglyzerin reduziert werden kann. Bei Patienten nach Rückenmarkstimulation kann eine Verbesserung nach CCS-Schema um mehr als 2 Grade erzielt werden, was insgesamt die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessert.

Referenzen

  1. Mannheimer C, Augustinsson L, Carlsson C, Manhem K, Wilhelmsson C. Epidural spinal electrical stimulation in severe angina pectoris. Heart. 1988;59(1):56-61.

  2. Campeau L. Letter: Grading of angina pectoris. Circulation. 1976;54(3):522-523.

  3. Knuuti J. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of chronic coronary syndromes The Task Force for the diagnosis and management of chronic coronary syndromes of the European Society of Cardiology (ESC). Russian Journal of Cardiology. 2020;25(2):119-180.

  4. Coote J, Chauhan R. The sympathetic innervation of the heart: Important new insights. Autonomic Neuroscience. 2016;199:17-23.

  5. Tsigaridas N, Naka K, Tsapogas P, Herios Pelechas E, Damigos D. Spinal cord stimulation in refractory angina. A systematic review of randomized controlled trials. Acta Cardiologica. 2015;70(2):233-243.

  6. Pan X, Bao H, Si Y, Xu C, Chen H, Gao X, Xie X, Xu Y, Sun F, Zeng L. Spinal Cord Stimulation for Refractory Angina Pectoris: A Systematic Review and Meta-analysis. Clin J Pain. 2017 Jun;33(6):543-551.