Cluster-Kopfschmerzen

Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den am stärksten empfundenen Kopfschmerzen überhaupt. Ihren Namen tragen sie, da die Kopfschmerzattacken in der Regel gehäuft in Clustern auftreten. Cluster-Kopfschmerzen können in den meisten Fällen erfolgreich medikamentös behandelt werden. Wenn sie chronisch auftreten und Medikamente nicht wirken, gibt es funktionelle neurochirurgische Behandlungsmöglichkeiten wie die okzipitale Nervenstimulation (ONS) und die tiefe Hirnstimulation (DBS von engl. Deep Brain Stimulation).

Unsere Zahlen

9,2 von 10
Bestnote in der Patientenzufriedenheit
3
spezifisch ausgebildete Pain Nurses
150
funktionelle Eingriffe pro Jahr

Was sind chronische Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den als am stärksten empfundenen Kopfschmerzen. Sie äussern sich in streng einseitigen, attackenartig auftretenden, heftigen Schmerzen meist im Bereich der Stirn, der Augen und des Oberkiefers. Häufig treten sie nachts auf. Die jeweiligen Kopfschmerzattacken treten gehäuft in Clustern auf, gefolgt von beschwerdefreien Perioden. Zu den Kopfschmerzen selbst kommen vegetative Begleitsymptome wie tränende Augen, laufende Nase oder Schwellungen am Auge. Treten die Schmerzen täglich ohne schmerzfreie Episoden auf, spricht man von chronischen Cluster-Kopfschmerzen*.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die medikamentöse Therapie ist die erste Wahl zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen. Man unterscheidet Medikamente zur akuten Anfallsbehandlung (Triptane, Sauerstoff-Inhalation) sowie Medikamente zur Rückfallprophylaxe (Verapamil, Ergotamin, Lithium, Topiramat). Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte die medikamentöse Behandlung durch einen erfahrenen Neurologen erfolgen und überwacht werden. Treten Cluster-Kopfschmerzen chronisch auf und sprechen nur unzureichend auf eine Medikamentengabe an, kann ein neuromodulatorisches Verfahren erwogen werden. Bei Cluster-Kopfschmerzen kommen als mögliche wirksame Behandlungsalternativen sowohl die okzipitale Nervenstimulation (ONS) als auch die tiefe Hirnstimulation (DBS) in Frage *.

Studienlage

Aufgrund der geringen Patientenzahlen dieser eher seltenen chronischen Kopfschmerzerkrankung gibt es bislang keine randomisierten, placebokontrollierten Studien, die die Wirksamkeit der ONS und DBS belegen. Vermehrte Hinweise zur Wirksamkeit stammen von mehreren prospektiven Fallserien – sowohl für die ONS als auch für die DBS. So zeigten mehrere Fallserien zur ONS mit jeweils 8–44 Patienten mit chronischem Cluster-Kopfschmerz eine Ansprechrate von ca. 64–77 %. Gewertet wurden dabei Patienten mit einer mindestens 50%igen Kopfschmerzreduktion *, *.

Noch kleinere Fallserien wurden zur Behandlung des chronischen Cluster-Kopfschmerzes mit tiefer Hirnstimulation veröffentlicht. Die bislang grösste prospektive Fallserie von Patienten mit chronischen Cluster-Kopfschmerzen aus London zeigte Resultate von 21 Patienten, bei denen alle anderen Therapiemassnahmen (zum Teil inklusive ONS) versagt hatten *. Die Kopfschmerzbelastung konnte bei diesen Patienten durchschnittlich um 68 % verringert werden, was sich mit den Ergebnissen der kleineren Fallserien von anderen Zentren deckt *, *, *.

Eine durch unsere Arbeitsgruppe durchgeführte Meta-Analyse bestätigt die hohe Erfolgsrate der tiefen Hirnstimulation bei chronischem Clusterkopfschmerz. Nach der Auswertung der Langzeitergebnisse von insgesamt 40 Patienten, die an insgesamt vier europäischen Zentren operiert wurden, zeigte sich eine Ansprechrate von 75% (das heisst 75% der Patienten zeigen eine mindestens 50%ige Kopfschmerzverringerung). Die Anzahl der durchschnittlichen Kopfschmerzattacken pro Woche wurde dabei langfristig um durchschnittlich 77 % gesenkt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden 2020 publiziert *.

 Vor der Operation12 Monate
nach der Operation
Langzeitergebnis
Schmerzattacken
(Anzahl/Woche)
36,8
(31,2 –40,3)
12,6
(6,5–18,6)
12,6
(4,9–20,3)
Schmerzintensität
(nach VAS-Schmerzskala 0–10)
8,2
(3,3–9,4)
4,4
(3,3–5,5)
3,4
(2,2–4,6)
Kopfschmerzdauer
(Minuten)
57,69
(43,4– 0,0)
25,7
(18,6–32,7)
20,4
(12,7–28,1)
% Verbesserung 77,0
(63,1–90,1)
77,0
(68,0–87,0)
Ansprechrate
(Verringerung des Kopfschmerzes
um mehr als 50 %)
 75 %
(60–86 %)
75 %
(60–86 %)

Tabelle: Ergebnisse der tiefen Hirnstimulation für chronischen Clusterkopfschmerz (nach Nowacki et. al. 2020 *). Die durchschnittliche Häufigkeit der Kopfschmerzattacken pro Woche verringerte sich nach tiefer Hirnstimulation von 36,8 auf 12,6 über den Gesamtbeobachtungszeitraum der Studie (44 Monate). Dies entspricht einer Verringerung von 77 %. Die Kopfschmerzintensität verbesserte sich dabei von 8,2 auf 4,4 nach 12 Monaten und sogar auf 3,4 im längerfristigen Verlauf. Es konnte mit tiefer Hirnstimulation eine mehr als 50%ige Verringerung der Intensität der Schmerzen erreicht werden. Auch die Dauer der Kopfschmerzattacken wurde deutlich gesenkt. Insgesamt gab es eine Ansprechrate von 75 %, das heisst 75 % aller betroffenen Patienten zeigten eine mindestens 50%ige Kopfschmerzverringerung. Die Zahlen in den Klammern entsprechen der Steuerung (sog. 95 % Konfidenzintervall).

Die bildgebende Auswertung der Meta-Analyse ergab interessante Ergebnisse. Thalamus und Hypothalamus sind bekanntlich an der Schmerzverarbeitung beteiligt. Im Hirnstamm tritt der Trigeminusnerv aus, der ebenfalls bei der Clusterkopfschmerzentstehung eine Rolle spielt. Die Elektrodenlage und das wirksame elektrische Feld der Stimulation bei den analysierten Patienten hat das sogenannte ventrale tegmentale Feld im Bereich des Mittelhirns aktiviert. Von anatomischen Studien weiss man, dass durch dieses Areal viele Nervenbündel ziehen, die den Thalamus und Hypothalamus mit dem Hirnstamm verbinden. Die Modulation genau dieser Nervenfasern scheint also den Effekt der tiefen Hirnstimulation auf die Kopfschmerzunterdrückung auszumachen.

Referenzen

  1. May A. Cluster headache: pathogenesis, diagnosis, and management. Lancet. 2005;366:843-855.

  2. May A, Leone M, Afra J et al. EFNS guidelines on the treatment of cluster headache and other trigeminal-autonomic cephalalgias. Eur J Neurol. 2006;13:1066-1077.

  3. Fontaine D, Christophe Sol J, Raoul S et al. Treatment of refractory chronic cluster headache by chronic occipital nerve stimulation. Cephalalgia. 2011;31:1101-1105.

  4. Leone M, Proietti Cecchini A, Messina G, Franzini A. Long-term occipital nerve stimulation for drug-resistant chronic cluster headache. Cephalalgia. 2017;37:756-763.

  5. Akram H, Miller S, Lagrata S et al. Ventral tegmental area deep brain stimulation for refractory chronic cluster headache. Neurology. 2016;86:1676-1682.

  6. Fontaine D, Lazorthes Y, Mertens P et al. Safety and efficacy of deep brain stimulation in refractory cluster headache: a randomized placebo-controlled double-blind trial followed by a 1-year open extension. J Headache Pain. 2010;11:23-31.

  7. Nowacki A, Moir L, Owen SL, Fitzgerald JJ, Green AL, Aziz TZ. Deep brain stimulation of chronic cluster headaches: Posterior hypothalamus, ventral tegmentum and beyond. Cephalalgia. 2019;39:1111-1120.

  8. Nowacki A, Schober M, Nader L, Saryyeva A, Nguyen TK, Green AL, Pollo C, Krauss JK, Fontaine D, Aziz TZ. Deep Brain Stimulation for Chronic Cluster Headache: Meta-Analysis of Individual Patient Data. Ann Neurol. 2020 Nov;88(5):956-969.