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Die Behandlung einer Depression erfordert ein multimodales Behandlungskonzept bestehend aus Psychotherapie und Verhaltenstherapie, einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und der Betreuung durch einen Psychiater. In schweren Fällen gibt es ausserdem die Möglichkeit einer Elektrokrampftherapie.

Die tiefe Hirnstimulation (DBS von engl. Deep Brain Stimulation) ist eine Behandlungsalternative für schwer depressive Patienten, die auf klassische Behandlungskonzepte nicht ansprechen.

Wie häufig sind Depressionen?

Depressive Erkrankungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Laut dem Bundesamt für Statistik leiden 9 % der Schweizer Bevölkerung an Depressionen, 17 % der Bevölkerung werden in ihrem Leben mindestens einmal eine depressive Störung erleben. Typisch für Depressionen ist ihr episodenhaftes Auftreten – auf depressive Phasen von durchschnittlich einem halben Jahr bis einem Jahr folgen depressionsfreie Zeiten. Betroffene Personen erleben für gewöhnlich mehrere depressive Episoden, die in unterschiedlich langen Zeitabständen auftreten können.

Welche Symptome zeichnen eine Depression aus?

Obwohl die von Betroffenen geschilderten Beschwerden oder körperlich-seelischen Veränderungen individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können, finden sich als kennzeichnende Symptome drei Hauptsymptome:

  • Niedergeschlagenheit und depressive Stimmung
  • Interessensverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und Erschöpfung

Welche Formen von Depressionen gibt es?

Man unterscheidet je nach Art und Schwere der Symptome zwischen verschiedenen Depressionsformen:

  • Die melancholische Depression ist gekennzeichnet durch Freudlosigkeit, Libido- und Interessensverlust.
  • Bei der larvierten Depression stehen scheinbar körperliche, d. h. somatische Beschwerden im Vordergrund. Dies können Kopfschmerzen, Rücken- und Nackenbeschwerden sein, aber auch Unterleibschmerzen, Verdauungsstörungen bis hin zu Herzbeschwerden.
  • Die agitiert-aggressive Form manifestiert sich in vermehrter Reizbarkeit und Aggressivität.

Weitere Informationen zum Thema Depressionen und ihren Unterformen finden Sie auf depression.ch

Studienlage zur tiefen Hirnstimulation bei Depressionen

Bis zu 30 % der Patienten mit schwerer Depression sprechen nicht auf vielfältige medikamentöse Therapien * und etwa 50 % dieser Patienten sprechen auch nicht auf eine Elektrokrampftherapie an *. In diesen Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation als Therapieversuch in Frage kommen.

Seit 2005 sind mehrere nicht verblindete Studien, sogenannte Open-label-Studien, zur tiefen Hirnstimulation mit vielversprechenden Ergebnissen veröffentlicht worden, wobei unterschiedliche Zielstrukturen im Gehirn angesteuert und stimuliert wurden. Diese ersten optimistisch stimmenden Resultate wurden nach Veröffentlichung einer ersten placebo-kontrollierten Studie gedämpft. Zwischen Patienten, die aktiv im Bereich des ventralen Striatum stimuliert wurden, und jenen, bei denen nach Elektrodenimplantation in selben Hirnareal die Stimulation ausgeschaltet blieb, liessen sich keine Unterschiede in Bezug auf einen antidepressiven Effekt feststellen *.

Seit 2005 wurden in verschiedenen Studien jeweils unterschiedliche Zielpunkte zur Behandlung schwerer Depressionen stimuliert. Dazu gehören der subcallosale Gyrus cinguli (SCG), der vordere Schenkel der Capsula interna (ALIC), das ventrale Striatum und der Nucleus accumbens (VC/VS und NAc), die laterale Habenula (LHb) sowie das mediale Vorderhirnbündel (MFB). Alle diese Strukturen sind nach neurobiologischen Erkenntnissen an der Steuerung emotionaler Prozesse wie Affektverhalten und Motivation beteiligt.

Deutlich positiver fiel eine neuere randomisierte placebo-kontrollierte Studie aus den Niederlanden aus *. Diese Gruppe veränderte den anatomischen Zielpunkt der Stimulation hin zum vorderen Schenkel der Capsula interna. Bei 10 von 25 Patienten (40 %) kam es unter Stimulation zu einem deutlichen antidepressiven Effekt, bei weiteren 6 Patienten (24 %) zumindest zu einem partiellen Effekt gegenüber der Placebo-Gruppe.

Zusammenfassend ist die Studienlage hinsichtlich der Wirksamkeit der tiefen Hirnstimulation bei Depression weiter unklar und Gegenstand intensiver Forschung. Insbesondere herrscht zwischen den Experten und verschiedenen Zentren Uneinigkeit über den richtigen anatomischen Zielpunkt, der durch die Stimulation beeinflusst werden soll. Dennoch sind die Ergebnisse vielversprechend und stimmen optimistisch.

Wir werden darum weiterhin die tiefe Hirnstimulation bei Patienten mit schweren Formen von Depressionen, bei denen alle anderen Therapiemassnahmen versagt haben, als Behandlungsalternative diskutieren und geeigneten Kandidaten anbieten.

Referenzen

  1. Rush A, Trivedi M, Wisniewski S, Nierenberg A, Stewart J, Warden D et al. Acute and Longer-Term Outcomes in Depressed Outpatients Requiring One or Several Treatment Steps: A STAR*D Report. American Journal of Psychiatry. 2006;163(11):1905-1917.

  2. Heijnen WT, Birkenhäger TK, Wierdsma AI, van den Broek  WW. Antidepressant pharmacotherapy failure and response to subsequent electroconvulsive therapy: a meta-analysis. J Clin Psychopharmacol. 2010;30(5):616-619.

  3. Dougherty DD, Rezai AR, Carpenter LL, et al.  A randomized sham-controlled trial of deep brain stimulation of the ventral capsule/ventral striatum for chronic treatment-resistant depression. Biol Psychiatry. 2015;78(4):240-248.

  4. Bergfeld I, Mantione M, Hoogendoorn M, Ruhé H, Notten P, van Laarhoven J et al. Deep Brain Stimulation of the Ventral Anterior Limb of the Internal Capsule for Treatment-Resistant Depression. JAMA Psychiatry. 2016;73(5):456.