Die European Association of Neurosurgical Societies (EANS) ehrt Prof. Dr. med. Andreas Raabe mit dem Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk. Zwei seiner wegweisenden Innovationen für mehr Sicherheit bei Hirnoperationen sind heute international Standard in der Neurochirurgie.

Zwei Innovationen aus Bern machen Hirnoperationen weltweit sicherer

Den Blutfluss direkt während einer Hirnoperation sichtbar machen. Ein Warnsignal erhalten, bevor wichtige Nervenbahnen gefährdet werden. Diese beiden Innovationen haben die Neurochirurgie nachhaltig verändert und sind eng mit dem Namen Andreas Raabe verbunden.

Für seine herausragenden Beiträge zum Fachgebiet hat die European Association of Neurosurgical Societies (EANS) den Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Inselspital mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Andreas Raabe nahm die Ehrung am Mittwochabend, 30. September 2026, bei der Eröffnungszeremonie des EANS2026 Congress in Hamburg entgegen.

Der Lifetime Achievement Award wird einmal jährlich an Neurochirurginnen und Neurochirurgen vergeben, die das Fachgebiet in besonderer Weise weiterentwickelt haben. 

Blutfluss in Echtzeit kontrollieren: ICG-Videoangiografie

Zu Andreas Raabes wichtigsten Beiträgen zur Neurochirurgie gehört die Einführung der mikroskopintegrierten ICG-Videoangiographie. Das heute weltweit etablierte Verfahren macht mithilfe eines fluoreszierenden Farbstoffs den Blutfluss während einer Operation sichtbar. Chirurginnen und Chirurgen können so unmittelbar kontrollieren, ob ein Aneurysma vollständig verschlossen ist und die umliegenden Blutgefässe weiterhin durchgängig sind. Probleme lassen sich dadurch noch während des Eingriffs erkennen und korrigieren.

Warnsignal für wichtige Nervenbahnen: kontinuierliches dynamisches Mapping

Auch die zweite Innovation verbindet Präzision mit unmittelbarer Rückmeldung: Beim kontinuierlichen dynamischen Mapping dient ein chirurgisches Instrument gleichzeitig als elektrische Suchsonde. Sobald es sich Nervenbahnen nähert, die für Bewegungen verantwortlich sind, warnt ein akustisches Signal das Operationsteam.

Andreas Raabe entwickelte die Technik gemeinsam mit seinem Team in Bern. Sie hilft dabei, Hirntumoren möglichst vollständig zu entfernen und zugleich wichtige motorische Funktionen zu schützen. Das Verfahren ist heute ebenfalls international etabliert.

Internationale Laufbahn mit bedeutenden Auszeichnungen

Andreas Raabe studierte Humanmedizin in Dresden. Seine berufliche Laufbahn führte ihn über Chemnitz, Cambridge, Leipzig und Frankfurt nach Bern. Seit 2008 leitet er die Universitätsklinik für Neurochirurgie am Inselspital und ist Professor an der Universität Bern.

Für seine klinische und technologische Arbeit wurde Andreas Raabe bereits mehrfach ausgezeichnet. 2019 erhielt er den European Lecture Award der EANS. Ein Jahr später wurde er gemeinsam mit zwei Entwicklungspartnern von ZEISS für ein robotisches Visualisierungssystem für den Deutschen Zukunftspreis nominiert und in den «Kreis der Besten» aufgenommen. 2026 erreichte er mit dem Medizintechnikunternehmen LEM Surgical das Finale des Swiss Economic Award.

Mit dem Lifetime Achievement Award würdigt die EANS sein Lebenswerk und seinen unermüdlichen Einsatz für die Weiterentwicklung der Neurochirurgie. Die Universitätsklinik für Neurochirurgie gratuliert Andreas Raabe herzlich zu dieser herausragenden Ehrung.

Weitere Artikel

Weitere Informationen